Landkreis berät zum Umgang

Wespen aus drei Nestern umschwirren Teleskope in der Sternwarte

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Deutlich sichtbar haben Wespen ein Papiernest unter dem Dach einer Holzhütte der Volkssternwarte Langwedel gebaut.

Langwedel - Von Lisa Duncan. Eine Begegnung mit seltsamen Flugobjekten hatte kürzlich Andreas Kaczmarek, erster Vorsitzender des Vereins „Volkssternwarte Langwedel“. Wespen haben sich in den Holzhütten auf dem Dach der Oberschule am Goldbach eingenistet – und zwar nicht wenige: Drei Wespennester fanden die Hobby-Astronomen in ihrem Noch-Domizil. „So was hatten wir ja noch nie“, ordnet Kaczmarek die überraschende Insekten-Invasion ein. Im Zuge des Schulneubaus zieht die Sternwarte bis Oktober von den alten Hütten in zwei moderne Sternwartenkuppeln um (wir berichteten).

„Eine Umsiedlung der Tiere wäre vermutlich für diese kurze Zeitspanne nicht sinnvoll“, sagt Silke Brünn, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden. Kriterien wir Erreichbarkeit und Größe des Wespennestes spielten in die Entscheidung über eine Wespen-Migration mit hinein.

Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde geben bei Bedarf eine Wespen- und Hornissenberatung. Wer das Wespenvolk umsiedeln oder beseitigen will, braucht im Landkreis Verden eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. 

Als besondere Serviceleistung hat der Landkreis zudem in allen Gemeinden ehrenamtlich tätige Faltenwespenbeauftragte eingesetzt, die telefonisch oder direkt vor Ort zum Thema kostenlos beraten, Umsiedlungsmöglichkeiten des Wespenvolkes prüfen und vornehmen oder als letzte Möglichkeit (etwa bei echter Wespengiftallergie, Nest in Wohnräumen, Kleinkinder) die für die Vernichtung des Wespenstaates erforderliche Bescheinigung ausstellen. Meist zielt die Beratung jedoch darauf ab, über den Umgang mit einem Wespennest in Garten oder Haus aufzuklären, so Brünn.

Friedliche Koexistenz ist durchaus eine Option

Aggressiv seien die gelb-schwarz gestreiften Wesen jedenfalls nicht. „Angst und Panik im Zusammenhang mit diesen Tieren sind bei vernünftigem Umgang in der Regel unbegründet“, heißt es auf der Internetseite des Landkreises zum Thema Wespen und Hornissen. Vorsicht sei nur bei bestehenden Allergien oder sehr kleinen Kindern geboten.

Wer keine dieser Risikogruppen schützen muss, kann sich sehr wohl für eine friedliche Koexistenz mit einem Wespenvolk entscheiden – und tut dabei sogar etwas für den Naturschutz: „Zu den stachelbewerten Insekten gehören auch die völlig harmlosen solitären Wildbienen und Hummeln, die eine sehr große Bedeutung für die Bestäubung zahlreicher Wildkräuter und Kulturpflanzen haben. In den letzten Jahren sind sie durch Pestizidausbringung und fehlende Brachen sowie durch die Vernichtung bunt blühender, ungenutzter Wegesäume in ihrem Bestand dramatisch zurückgegangen“, informiert der Landkreis.

Wespen sind auch nicht giftiger als Honigbienen. Im Gegenteil, das Gift der Honigbiene ist viermal stärker als das Hornissengift. Wespen, Hornissen, Wildbienen und Hummeln stechen nur, wenn sie sich in irgendeiner Weise bedroht fühlen, beispielsweise wenn an ihrem Nest manipuliert wird, sie in den Mund oder unter die Kleidung geraten oder wenn sie eingeklemmt werden. Silke Brünn empfiehlt, 1,50 bis zwei Meter Abstand zu dem Wespennest zu halten.

Die Tiere zu töten ist in der Regel gesetzlich verboten

Lästig würden dem Menschen überhaupt nur zwei der insgesamt zwölf staatenbildenden Wespenarten. Dies sind die noch recht häufigen, individuenreichen Arten Deutsche und Gewöhnliche Wespe, die den Menschen in den Sommermonaten an der Kaffeetafel den Kuchen oder beim Grillen das Grillfleisch streitig machen. Alle anderen Arten meiden den Menschen.

Alle wildlebenden Tierarten, somit auch die oben genannten Arten, dürfen ohne vernünftigen Grund nicht vernichtet werden (§39 Bundesnaturschutzgesetz). Die größte der heimischen Wespenarten, die Hornisse, und auch Hummeln und Wildbienen, stehen sogar unter dem besonderen Schutz der Bundesartenschutzverordnung.

In den allermeisten Fällen könne man das Problem aussitzen, meint Silke Brünn: „Alle Wespen eines Volkes bis auf die jungen Königinnen sterben im September/Oktober ab.“ Das alte Nest könne man dann gefahrlos entfernen und bei Interesse die filigrane Papierwabenkonstruktion genauer betrachten.

Weitere Infos zum Thema Wespen gibt es bei der Unteren Naturschutzbehörde, Antje Mahnke-Ritoff, Telefon 04231/15757, oder beim Langwedeler Faltenwespenbeauftragten Karlheinz Glander, Telefon 04235/1851.

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