Interview mit Torsten Zwingenberger

Musik ist sein Lebenselixier

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Torsten Zwingenberger kommt mit Berlin 21 nach Langwedel.

Langwedel - Mit dem Zitat „Jazz isn't dead. It just smells funny“ aus dem Song Be-Bop Tango unterstützte Frank Zappa den Trend der 1970-er Jahre, den Jazz als Musik für jedermann attraktiv zu machen.

Obwohl Jazz heute den Ruf einer Nischenkultur des Bildungsbürgertums genießt, versuchen die Organisatoren der Langwedeler Kulturtagen am Donnerstag, den 10. März, den Jazz mit „Berlin 21“ einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Rolf Göbbert sprach mit dem Schlagzeuger Torsten Zwingenberger, der durch seine Schlagtechnik und der Verwendung von bis zu fünf Fußmaschinen einen eigenen Stil kreierte.

„Hallo Torsten, wie lange machst Du Musik und was bewegte Dich beim Einstieg?“

Zwingenberger: „Ich habe im Alter von 13 Jahren angefangen Musik zu machen. Auf dem Weg von der Schule nach Hause fand ich ein altes Waschbrett. Auf diesem Waschbrett versuchte ich Töne zu erzeugen. Von dem wenigen Geld, das ich hatte, habe ich mir eine Jazzplatte gekauft und versuchte das Gehörte in eigene Musik umzusetzen. Später begab ich mich in unser Jugendfreizeitheim und spielte auf einmal mit Leuten zusammen, die 20 Jahre älter waren als ich. Es folgten die ersten öffentliche Auftritte, die mich weiter beflügelten und im Alter von 20 Jahren war ich bereits Profimusiker.“

„Viele Deiner Altersgenossen haben Rockmusik gemacht, wieso hast Du Dich für Jazz entschieden?“

Zwingenberger: „Natürlich hätte man mit Rockmusik ein breiteres Publikum ansprechen können, aber die Musik selber war ausschlaggebend. Ich habe damals als DJ gearbeitet und Rockmusik gehört, die meinen Jazz ebenso wie Funk und Soul beeinflusste. Insbesondere die Vielseitigkeit sowie die Improvisationsmöglichkeiten begeisterten mich. Schon als Jugendlicher habe ich schnell ein Gefühl für Jazz entwickelt und spürte, wie es funktioniert.“

„Stört es Dich, dass Dein Publikum überwiegend im gehobenen Alter ist?“

Zwingenberger: „Ich glaube, jeder Musiker möchte junges Publikum ziehen. Nur außer den Rolling Stones gelingt es nur wenigen. Das liegt eben auch daran, dass das Publikum Musiker sehen möchte, die jünger sind als sie selbst.“

„Gibt es nach tausenden Konzerten, die Du gegeben hast, noch so etwas wie einen Kick oder stellt sich im Laufe der Jahre die Routine ein?“

Zwingenberger: „Jeder Auftritt ist anders und das ist auch gut so, denn die Routine wäre mein physischer Tod und das Ende meiner musikalischen Laufbahn.

Das jeweils Besondere an den Konzerten sind die unterschiedlichen Interaktionen zwischen der Band und dem Publikum sowie die Interaktionen zwischen den Musikern. Musik ist mein Lebenselixier und es lebt sich im Jazz am besten. Außerdem arbeiten wir mit unterschiedlichen Einflüssen aus Afrika, dem Kaukasus und Brasilien, die zusätzliche Spannung erzeugen.“

„Wie ordnest Du Euren musikalischen Stil zwischen klassischem und experimentellen Jazz ein?“

Zwingenberger: Für jüngere Musiker haben wir wenig mit experimentellem Jazz zu tun. Wir haben ein gradliniges Programm, das groovt und swingt. Obwohl wir frei improvisieren, gehören wir zur Old School des Jazzs.“

„Was ist für Dich das Schlagzeug?“

Zwingenberger: Es ist natürlich ein Instrument. Es ist aber auch mein Sprachrohr mit dem ich akustisch Geschichten erzähle. Ich bin ein Gehörspieler und benötige deshalb keine Noten und keine klassische Ausbildung. Wenn ich etwas komponiere, dann sind es immer Solopassagen auf dem Schlagzeug. Der Rest entwickelt sich im Zusammenspiel mit der Band.“

„Ich habe gehört, dass Du diesen Monat den Bund der Ehe eingehen möchtest. Funktioniert das überhaupt als Musiker?“

Zwingenberger: Natürlich sind meine Bands Berlin 21 und die New Orleans Shakers auch meine Familie. Dennoch habe ich mit meiner zukünftigen Frau großes Glück, denn sie weiß meinen Beruf zu schätzen und hat viel Verständnis.

Das ist bei Musikern nicht immer der Fall und die Familie leidet, insbesondere wenn man auf Tournee ist.“

Die Langwedeler Kulturtage werden am Donnerstag, 10. März, um 19 Uhr im Bürgersaal mit einer Werkschau des Malers Norbert Sauer eröffnet. Der Journalist und Autor Rainer Schossig wird über der Stellenwert von Kultur und Kulturtage sprechen. Das Konzert von Berlin 21 beginnt um 20 Uhr.

Der Eintritt ist frei – wie bei allen Veranstaltungen der Kulturtage.

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