Integration beim FSV Langwedel-Völkersen: Flüchtlinge im Fußball-Ligabetrieb

„Die haben es richtig drauf“

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Die neue 4. Mannschaft des FSV Langwedel-Völkersen ist eine echt bunte Truppe, in der auch etliche Flüchtlinge spielen. Und die Mannschaft von Trainer Kalle Schierloh (re.) ist durchaus erfolgreich in der 3. Kreisklasse unterwegs.

Langwedel - Der Fußballsportverein, kurz FSV, Langwedel-Völkersen, hat eine 4. Herrenmannschaft gegründet. Ab dieser Saison kickt das von Karl-Heinz „Kalle“ Schierloh trainierte Team im Punktspielbetrieb. „Diese Mannschaft ist das, was man multikulti nennt“, grinst Schierloh, der auch der Motor der Herrenmannschaft ist, die vor allem für die dort spielenden Asylbewerber ein wichtiges Stück Normalität ist.

Schon beim ersten Punktspiel in Wahnebergen haben die 18- bis 22-jährigen Somalis bereits gezeigt, wie gut sie dribbeln, passen und schießen können. „Die Jungs kommen aus dem Straßenfußball. Die haben es teils richtig drauf. Außerdem hilft ihnen der Vereinssport, sich hier zu integrieren“, ist Schierholz überzeugt.

Der Ball klebt ihnen förmlich an den Füßen, die Pässe kommen an, und die Schüsse sind wahrlich nicht von schlechten Eltern: Fußball spielen, ja das können sie, und auf dem Spielfeld auf der Sportanlage in Cluvenhagen fühlen sie sich sichtlich wohl.

Da treten die Erlebnisse und Schrecken der Vergangenheit in den Hintergrund, ebenso wie die Sorge um die Zukunft, die oft noch völlig im Dunkeln liegt.

„Der Fußball und das wöchentliche Training ist gerade für meine Somalis richtig wichtig“, sagt Schierholz. Insgesamt 18 Männer zählt dieses Team, darunter acht Flüchtlinge, die bereits über eine Spielerlaubnis verfügen, während zwei noch auf grünes Licht warten. „Die sind so was von ehrgeizig“, schwärmt Schierholz, der zuvor viele Jahre Fußballmannschaften im BSV Cluvenhagen gecoacht und betreut hat.

„Die jungen Männer, die aus den Krisengebieten hierher gekommen sind, sind besonders fußballbegeistert. Daheim haben sie – sofern sie keine Bälle hatten – mit einfachen Blechdosen gekickt. Da liegt es doch nahe, ihnen die Chance zu geben, aktiv zu spielen“, sagt der erfahrene Coach, der auch durch den Vereinsvorsitzenden, Rolf Korb, viel Unterstützung erfährt. Dass die Mannschaft auch im Punktspielbetrieb mitmischt, ist für Schierholz selbstredend. „Die wollen schließlich alle zeigen was sie können“.

Überhaupt wären viele gute Spieler dabei und ein positives Zeichen für das Miteinander der Kulturen und Religionen setze diese besondere Mannschaft auch. Denn Ausgrenzung und Ängste gebe es unter den aus Deutschland, Somalia oder aus Russland stammenden Kickern hier nicht. Leider sind die Trainingszeiten bereits im Sommer knapp bemessen und die Hallenzeiten im Winter rar, sodass zu wenig Raum bleibt für das, was den jungen Spielern so viel Freude bereitet, ihnen das Einleben erleichtert und was so ganz nebenbei auch noch als Ventil für das Erlebte funktioniert.

„Aggressionen, Angst, oder einfach die Energie, die die Jungs nun einmal haben, werden durch den Sport in vernünftige Bahnen gelenkt“, meint Schierloh.

Also alles eitel Sonnenschein? Schierholz schüttelt den Kopf: „Leider nicht.“ Denn da das Gros seiner Spieler nicht über ausreichende Geldmittel verfügt, bleiben viele Ausgaben am Trainer selbst hängen. So hat er bereits im Internet Fußballschuhe ersteigert oder die im Spielbetrieb vorgeschrieben Schienbeinschützer aus eigener Tasche bezahlt.

Auch durch die Fahrten zum Training und zu den Punktspielen fallen Kosten an, die zum Teil von der Firma von Schierholz Frau Inessa „Kfz- und Reifenhandel Schierholz“ übernommen werden.

„Über weitere finanzielle Unterstützung, sowie über Spenden von gut erhaltenen Fußballschuhen ab Größe 42 sowie von Schienbeinschonern freuen wir uns“, sagt Schierloh, der sich dem sozialen Engagement verpflichtet fühlt. „Solche Dinge fliegen mir irgendwie immer zu“, schmunzelt er. „Aber wenn das Resultat dann so positiv ist, dann erfüllt das einen natürlich auch mit Stolz.“

Wer das integrative Vereinsprojekt unterstützen will, kann eine Spende auf das Konto des FSV Langwedel-Völkersen IBAN DE 39291526700012414249, BIC BRLADE21VER, Stichwort „4. Herrenmannschaft“, überweisen. Spendenbescheinigungen werden auf Wunsch ausgestellt.

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