Initiative: Druck machen von unten und möglichst viele Menschen mobilisieren

Seit einem Jahr „Gegen Gasbohren“ in Langwedel

+
Gerade mal ein Jahr jung ist die Bürgerinitiative Langwedel gegen Gasbohren – und setzt deutlich Zeichen. Archivfoto: Wenck

Langwedel - Am 1. September 2013 kam der Stein ins Rollen. Die Bürgerinitiativen (BI) „No Fracking“ aus Völkersen und „Wesermarsch ohne Bohrtürme“ aus Intschede hatten zur Sternfahrt aufgerufen, die mit einer Demonstration gegen die aktuelle Förderpraxis der Erdgasindustrie an der großen Kreuzung in Daverden endete. Hier dabei waren auch viele Menschen aus Langwedel, Daverden, Cluvenhagen und Etelsen. Just unter diesen Ortschaften wird ein weiteres großes Erdgasfeld vermutet, an das die RWE/Dea nur zu gern heran möchte. Aber mit welchen Folgen?

Genau das trieb dann auch eine Handvoll Leute aus den besagten Ort um. „Wir wollten mehr wissen, uns mit dem Thema Gasbohren vertraut machen“, erinnert sich Sigrid Meyer-Klein. Am 28. Oktober wollte man sich mit Hilfe der Bürgerinitiativen aus Völkersen und Intschede weiter mit dem Thema vertraut machen, mehr erfahren – im vermeintlich kleinen Kreis. Doch im „Antiochia“ in Daverden mussten an diesem Abend immer mehr Stühle und Tische angeschleppt werden. Und am Ende des Abends beschloss eine stattliche Gesellschaft die Gründung der Bürgerinitiative „Flecken Langwedel gegen Gasbohren“. Nur drei Wochen später gab es die erste Informationsveranstaltung im Daverdener „Waldschlößchen“, unter anderem mit einem Schwerpunkt „Erdgas unter Daverden, Langwedel, Cluvenhagen und Etelsen“. Der Saal platzte aus allen Nähten.

An diesem Abend arbeitete die Langwedeler BI eng mit den Kollegen aus Völkersen und Intschede zusammen. Im Laufe des Jahres bildeten sich noch weitere Bürgerinitiativen in den neuen Aufsuchungsgebieten der Gaskonzerne im Landkreis Verden.

Ganz bewusst setzt man dabei auf eine enge Vernetzung untereinander, genauso wie in die Arbeit vor Ort statt in einem oder zwei großen Zusammenschlüssen im Landkreis. Vor Ort, mit bekannten Leuten, fällt es den Menschen leichter, sich für ihre Belangen einzusetzen, hat man an sich selbst erfahren. Die Vielfältigkeit, die Streuung ist größer, man ist näher an der Basis dran. „Schließlich ist es eines unserer Ziele, möglichst viele Leute zu mobilisieren.“

„Fracking“ ist dabei für die junge Langwedeler BI gar nicht das beherrschende Thema. „Was uns eigentlich auf die Seele drückt, sind die Hinterlassenschaften der Erdgasförderung“, heißt es auf dem monatlichen Treffen der BI in Klenkes Gasthaus (jeden 2. Montag im Monat).

Was ist mit dem giftigen Lagerstättenwasser, wo bleibt das ab? Was ist mit der Bodenverseuchung rund um die Förderstätten, wo Erdgas abgefackelt wurde. Was macht ausgetretenes Benzol und Quecksilber (zum Beispiel) mit den Menschen? Wie sieht es im Fall von Erdbeben mit der Umkehr der Beweislast für Geschädigte aus?

Das diese Fragen überhaupt so groß Thema sind – ein Verdienst der Bürgerinitiativen, ist man sich auch in Langwedel sicher. „Mittlerweile werden wir von der Politik wahrgenommen“, so Gero Landzettel. Man brauche gar nicht darauf zu warten, dass von Seiten der Politik alleine die entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen würden. „Das geht nur von unten nach oben.“

Konkrete BI-Ziele, nicht nur der Langwedeler, sind erst einmal: Verhindern der Verpressung von Lagerstättenwasser in der alten Bohrstelle Völkersen Z3 durch die RWE-Dea, keine Aufsuchungsbohrstelle zwischen Daverden und Intschede für das neue potentielle Erdgasfeld.

Zu ihrem Symbol machte die Langwedeler BI gleich im Beginn ein großes rotes X, für „Ich stelle mich quer“ – gegen das Gasbohren im Flecken Langwedel. Mittlerweile sind an die 400 große Holz-Xe verteilt, stehen an Straßen und in Vorgärten für den Widerstand. Andere Initiativen haben das Symbol übernommen. Unter einer Internetadresse (s.u.) gibt es eine Übersicht über alle BIs im Landkreis.

„Wir wollen eine Erdgasförderung, die die Umwelt und die Gesundheit nicht gefährdet. Das geht“, ist man sich in Langwedel sicher. „Das kostet aber Geld. Deswegen macht die Industrie das nicht.“ Und was wollen die Bürgerinitiativen da tun? „Weiter Druck machen.“

www.bi-langwedel.de

www.das-rote-X.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Deichbrand-Festival: Party am Freitag

Deichbrand-Festival: Party am Freitag

Fotostrecke: Werder verliert Testkick gegen Köln

Fotostrecke: Werder verliert Testkick gegen Köln

Deichbrand Festival am Freitag: Beste Stimmung unter den Festivalisten

Deichbrand Festival am Freitag: Beste Stimmung unter den Festivalisten

Der Werder-Zillertal-Freitag

Der Werder-Zillertal-Freitag

Meistgelesene Artikel

Autobahn-Schild durchschlägt Scheibe: Baggerfahrer eingeklemmt

Autobahn-Schild durchschlägt Scheibe: Baggerfahrer eingeklemmt

Frank Tödter regiert nun das Völkerser Schützenvolk

Frank Tödter regiert nun das Völkerser Schützenvolk

Baugebiet Schneiderburg II: Investor will bald anfangen zu bauen

Baugebiet Schneiderburg II: Investor will bald anfangen zu bauen

Weißes Pulver löst Gefahrgut-Einsätze in Kreisverwaltung und Sparkasse aus

Weißes Pulver löst Gefahrgut-Einsätze in Kreisverwaltung und Sparkasse aus

Kommentare