Gegen den Missbrauch 

Informationsabend mit Sabine Kopp-Danzglock von „Horizonte“

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Für Sabine Kopp-Danzglock gab es am Ende des Abends ein großes Dankeschön und Blumen von Karin Sievers. Für die Besucher stand noch ein Tisch mit Büchern und Informationsmaterial bereit.

Langwedel - Er sei schockiert über die Menge der Fälle häuslicher Gewalt. Hoch müssten auch die Zahlen bei sexueller Gewalt gegenüber Kinder und Jugendlichen sein. „Warum wird das nicht erkannt? Warum erkennen wir es nicht?“ Wollte eine Stimme auch dem Publikum wissen. Im Laufe des Abends im Langwedeler Rathaus zum Thema sexuelle Übergriffe und Gewalt gegen Kinder und Jugendliche kristallisierte sich dann so langsam heraus: Statistik und plakativ in Medien ausgewalzte einzelne Fälle sind eine Sache, der Umgang mit dem Thema im normalen Leben eine ungleich schwierigere Angelegenheit.

Karin Sievers, Gleichstellungsbeauftragte beim Flecken Langwedel, und Sabine Kopp-Danzglock, Psychologin und Sozialpädagogin von der Beratungsstelle „Horizonte“ (vom AWO Kreisverband) aus Verden, hatten den Abend im gut gefüllten Bürgersaal des Rathauses organisiert. Gekommen waren viele vor allem berufsbedingt: (angehende) Erzieher, Lehrer, Tagesmütter und -väter, Juristen etc.

„Wir beraten, wir begleiten, aber wir erstellen keine gerichtsverwertbare Diagnostik“, so Kopp-Danzglock über die Arbeit, die Vorgehensweise bei „Horizonte“. Ganz vorn steht hier im Falle eines Falles zunächst die Beantwortung mehrerer Fragen: Was ist hier los? Wie können wir helfen? Wie ist damit umzugehen, dass es der betroffenen Person möglichst wenig schadet?

Gerade Letzteres hat für Sabine Kopp-Danzglock oberste Priorität. Immer. Es gelte, nicht über den Kopf eines geschädigten Menschen hinweg zu handeln, ihn nicht unter Druck zu setzen, ihn nicht anzutreiben. Was aber, wenn man von einem klaren Missbrauch wisse, so eine Frage später am Abend. Wenn eine Kindeswohlgefährdung vorliege... Weiß man das wirklich ganz sicher? „Dann müssen wir es stoppen.“

Nichts Hals über Kopf. Noch ein, zwei Wochen oder länger ausloten, auch wenn man mehr als nur ahnt, hier liegt ein Fall von Missbrauch vor... „Das ist manchmal schwer auszuhalten. Aber wirklich schwer auszuhalten“, wird Kopp-Danzglock gegen Ende der Veranstaltung sagen.

Kinder müssen Gefühle wahr- und ernstnehmen

Aber diese Vorgehensweise, hat einen Grund, auf den sie von Anfang immer wieder auf verschiedenen Wegen zurückkommt: Auch Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung, auf Schutz vor Machtmissbrauch. Selbst wenn es gut gemeint ist: So ein Machtmissbrauch ist auch gegeben, wenn man (potenzielle) Opfer unter Druck setzt, sie antreibt, über sie und ihr Verhalten einfach bestimmt.

Zur frühzeitigen Abwehr und Verhinderung von sexuellen Übergriffen gegen Kinder und Jugendliche gehört es für Kopp-Danzglock unbedingt, die jungen Menschen dazu zu ermutigen, ihre Gefühle wahr- und ernst zu nehmen. Was mag ich? Was mag ich nicht? Was fühlt sich komisch an? Garantiert fühlt sich das nicht gut an, wenn jemand mich zu etwas bewegen will, was ich überhaupt nicht mag und will. Wenn so etwas passiert, dann ist es gut zu wissen: Da ist jemand, da kann ich hingehen, dem kann ich Bescheid sagen.

„Nichts gegen meinen Willen“

Es dürfen gern mehr Zuhörer werden. Im Prinzip müssten Kinder zu sieben Leuten, bevor sie überhaupt gehört werden, so die Referentin. Vorher gibt es Dinge zu hören wie: „Ach, so schlimm wird es nicht gewesen sein. Nimm dich mal nicht so wichtig.“ Doch. Es gilt: „Nichts gegen meinen Willen.“

Genau hinhören ist gar nicht so einfach. Weil, da mache man sich nichts vor, selbst in unseren vermeintlich ach so aufgeklärten Zeiten, hat jeder Mensch seine Schamgrenzen. Wo man Dinge nicht ungebremst ausspricht, lieber andeutet, sich vorsichtig vortastet, wie der andere denn wohl reagiert.

„Gut, dass du mir das erzählst. Du bist nicht schuld. Da müssen wird was machen, dass das nicht wieder passiert.“, wäre da zum Beispiel so eine Antwort.

Eine gute Antwort von Sportvereinen, Feuerwehren oder anderen Institutionen ist zum Beispiel eine Vereinbarung zum Thema, die alle Übungsleiter unterschreiben, bevor sie ans Werk gehen. Dann weiß jeder, woran er ist. „Hier wird darauf geachtet“, lautet das Signal. Natürlich können Trainer ohne böse Absicht in missverständliche Situationen kommen. Was dann? „Offenheit fahren. Am besten drüber sprechen, den Eltern die Situation offen legen.“

jw

www.horizonte-verden.de

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