Starkstromleitung-Inbetriebnahme 2023

„Bleiben sie skeptisch, aber seien sie nicht zu sehr besorgt“

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Zu 75 Prozent folgt der Trassenverlauf bereits bestehenden Leitungen. Die hier grün eingezeichnete alte 220kV-Leitung verschwindet allerdings ersatzlos.

Langwedel - Stellungnahmen von Privatleuten habe man aus den Landkreisen Rotenburg und Verden relativ wenig gehabt, befand am Dienstagnachmittag Dr. Stefano Panebianco vom Amt für regionale Landesentwicklung (ArL). „Vielleicht weil wir so gut informiert haben?“ Könnte sein. Könnte aber auch daran liegen, dass es in den beiden Landkreisen wenig Konfliktpotential beim geplanten Neubau der Stromtrasse Stade-Landesbergen gibt.

Um über den aktuellen Stand der Dinge, den Abschluss des Raumordnungsverfahrens im Bereich Dollern – Landesbergen zu informieren, hatten ArL und Netzbetreiber TenneT zu einem Infomarkt in den Saal des Gasthauses Klenke nach Langwedel eingeladen. Das Interesse der Bürgerinnen und Bürger war zumindest zum Auftakt des Nachmittags relativ bescheiden. Aber es werden ja auch diverse Infomärkte entlang der zukünftigen Stromtrasse angeboten – die wird übrigens zu 75 Prozent dem Verlauf bereits bestehender Hochspannungsleitungen folgen.

Dabei wird es aber, wie bereits berichtet, gerade im Landkreis Verden zu größeren Entlastungen von Anwohnern kommen. Die bestehende 220kV-Trasse in den Bereichen Grasdorf – Cluvenhagen und weiter über Blender-Hilgermissen wird nämlich nicht zur 380kV-Leitung aufgerüstet. Die kommt dann nämlich etwa im Bereich Völkersen zu einer bereits bestehenden 380kV- und einer 110kV-Leitung dazu, wird zwischen Langwedel und Förth weiter in Richtung Verden und Hoya verlaufen. Während Grasdorf, Cluvenhagen und Blender – wahrscheinlich erst 2023, nach Fertigstellung und Inbetriebnahme der neuen Leitung – massiv entlastet werden, bekommt man im Förth noch eine Extraportion obendrauf. Auch wird hier der Mindesabstand von 400 Metern nicht eingehalten, das nächste Haus ist 360 Meter entfernt.

Zur bestehenden 380kV-Leitung bei Langwedeler-Förth kommt noch eine zweite dazu – die kleinere 110kv-Leitung kommt auf die Masten einer der großen Leitungen mit drauf. Geprüft wird noch, ob an der hier zu sehenden Stelle an der L 158 ein Erdkabel verlegt wird.

In der Gesamtheit feiern die Verantwortlichen den jetzt vorgelegten Streckenverlauf aber als erhebliche Verbessung. Bei der heute bestehenden 220kV-Leitung befinden sich noch 998 Häuser näher als 400 Meter zu der Freileitung, 202 Gebäude sind näher als 200 Meter dran. Mit der jetzigen Trassenplanung sind es nur noch zehn Geäude, bei denen die 400 Metern nicht eingehalten werden, und 26 Gebäude sind näher als 200 Meter.

In ihren Einwendungen während des Raumordnungsverfahrens machten sich laut Dr. Panebianco die Bürgerinnen und Bürger vor allem Sorgen um ihre Gesundheit durch elektromagnetische Strahlung, um den Wertverlust ihrer Häuser, um eine Zerstörung des Landschaftsbildes und um eine Beeinträchtigung der Landwirtschaft.

Man liege mit der Strahlung weit, sehr weit unter den Werten der 26. Bundesimmissionschutzverordnung, versicherte Panebianco. „Bleiben sie skeptisch, aber seien sie nicht zu sehr besorgt.“

Dr. Stefano Panebianco erläuterte beim Infomarkt in Langwedel den bisherigen Verlauf des Raumordnungsverfahrens für den Stromtrassenneubau.

Viele Wohngebäude würden in Zukunft ja von den Hochspannungsleitungen entlastet, hier sie durchaus ein Wertzuwachs vorstellbar. Wo allerdings neue oder höhere Masten, sprich eine zusätzliche Belastung dazukäme, sei eine Wertminderung möglich. „Und dafür gibt es in Deutschland auch keine Entschädigung.“ Recht häufig seien auch Hinweise auf bedrohte Tiere bzw. Vogelarten eingegangen. Was unter anderem dazu geführt hat, dass man bei Döhlbergen einen Bogen um eine Reiherkolonie schlagen wird. „Das kostet ganz schön.“

Im weiteren Verlauf des Verfahrens geht es jetzt in die Detailplanung. Unter anderem wird noch die Verlegung von elf Kilometern Erdkabel geprüft. Vorgesehen ist so ein Leitungsverlauf auch zwischen Hönisch und Eissel. Ermittelt werden soll nun, ob sich dieses Kabel bis Nindorf, bis an die Landesstraße 158 verlegen lässt. 

jw

Hintergrund: Legende zur Grafik oben

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