Blick auf die 700 Jahr-Feier / Nächstes Großereignis in Sicht

Langwedel „im Strudel der Zeitereignisse“

Eine absolute Seltenheit ist dieses Plakat, das für die Feiern zu 700 Jahre Flecken Langwedel und 50 Jahre Schützenverein wirbt. Aufgetrieben hat dieses Schätzchen Andreas Krüger aus Etelsen – und dem Schützenverein Langwedel gestiftet.
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Eine absolute Seltenheit ist dieses Plakat, das für die Feiern zu 700 Jahre Flecken Langwedel und 50 Jahre Schützenverein wirbt. Aufgetrieben hat dieses Schätzchen Andreas Krüger aus Etelsen – und dem Schützenverein Langwedel gestiftet.

2028 wird der Flecken Langwedel 800 Jahre alt, der Schützenverein Langwedel 150 Jahre. Wer aus diesem Anlass in die Archive taucht, wird 1928 fündig - und entdeckt echte Raritäten.

Langwedel - „Buten un binnen, wagen un winnen“ das alte Motto der Bremer Kaufleute kam im Jahr 1928 auch in Langwedel zu einer gewissen Bedeutung, taucht zumindest in Niederschriften nach dem Ersten Weltkrieg zur Geschichte Langwedels immer wieder auf.

Darüber und über die bei manchen zu dieser Zeit vorherrschenden Einstellung gibt der Text Aufschluss, den Waldemar Adolf Rohrberg zur 700-Jahr-Feier Langwedels im Jahr 1928 geschrieben hat und den er zusammen mit dem Schützenverein Langwedel in einem Jubiläumsbüchlein veröffentlicht hat:

„Ein mächtiges Rauschen geht seit dem unglückseligen Ausgang des I. Weltkrieges durch die Deutsche Heimatbewegung. Wir verloren viel von der einstiegen Weltgeltung und nur schrittweise erobern wir zurück, was der Krieg uns nahm. Das deutsche Volk suchte aber Ersatz in seligen Erinnerungen an die Vergangenheit der Heimat. Bis ins kleinste Dorf ging ein Tasten und Suchen nach der Väter Art und Sitte. Diese Heimatbewegung hat uns trefflich geholfen, das harte Schicksal zu ertragen, den Kampf mit den Zeiterscheinungen mutig aufzunehmen.

Auch in unserem Langwedel regte sich impulsiv die Erinnerung an unsere Geschichte. 700 Jahre besteht nun unser alter guter Marktflecken und bis jetzt steht es einzig in seiner Geschichte da, dass eine Jahrhundertwende Langwedels festlich begangen wird.

Unser Flecken ist ein Schulbeispiel dafür, wie bitter die Leidensgeschichte einer Gemeinde sein kann, wenn sie in den Strudel der Zeitereignisse hineingezogen wird. Schon die Geburtsstunde der Burg Langwedel sah ein Deutschland, wie es schimpflicher kaum sein konnte. Vorbei war die Herrschaft des Herzoges Heinrich der Löwe, der bis in die fernen baltischen Provinzen germanische Kultur getragen, der in dem deutschen Vaterlande sechs lebenskräftige Staatenverbände schützen half. Der Löwe vermochte selbst mit Waffengewalt die alte deutsche Uneinigkeit nicht zu meistern, das scharfe Schwert glitt ihm aus den Händen und seine Rivalen machten aus zwölf deutschen Staaten 250 Kleinstaaten, darunter die Bistümer Bremen und Verden.

In dieser unglücklichen Stunde entstand Langwedel, eine Stätte, die bisher im Herzen Deutschlands fernab von wildem Kriegsgetümmel lag und nun eine Grenzfestung an der Schwelle zweier Zwergstaaten wurde.

Die Erbauer Langwedels legten gleich Keime einer unruhigen Entwicklung in den Grundstein. Diese Blätter geben Kunde von all den wechselvollen Schicksalen, die wir infolge der Fülle der Ereignisse nur mit Worten andeuten können. Wer aber versteht, zwischen den Zeilen zu lesen, der wird aus den kurzen Worten mehr herauslesen, als was uns der Geschichtsschreiber in gedrängter Kürze hinterlassen hat.

Bis ins 17. Jahrhundert ist seine Geschichte unserer Heimat geschrieben, die Langwedel nicht als Mittelpunkt der Ereignisse stehend erwähnt. Hier war die Macht für die Hansestadt Bremen, auf deren Kaufmannsgeist Fürsten und Völker neidisch blickten. Nicht immer traf man die Hansestadt, sehr oft musste Langwedel den Ansturm der feindlichen Heerscharen unter Einsatz von Leben und Gut abwehren oder auch kapitulieren.

Die Religionskriege entfesselten in Bremen eine Kampfstimmung gegen die alte Kirche, die wiederum blutige Auseinandersetzungen im Gefolge hatte und zumeist von der einsamen Grenzfestung Langwedel getragen werden musste. Soldaten aller Herren Länder bezogen in Langwedels Mauern Quartier. Sturmkolonnen der Kaiserlichen und Protestanten wechselten im Laufe der Zeit als Besitzer der Feste. Tilly und andere Heerführer setzten den roten Hahn auf die Burgwälle Langwedels. Ein Jahrhundert nach dem anderen, Jahr für Jahr überstürzten sich die Ereignisse in jener Zeit und Langwedel war stets der Spielball von weltlichen und geistlichen Herren.

Jetzt kündet nichts mehr von der Festungszeit Langwedels. Wir dürfen überzeugt sein, dass unsere Vorfahren gern auch das letzte Zeichen der Befestigung aus dem Wege räumten, um nur Ruhe zu haben, Ruhe vor den Feuerschlünden der Geschütze, Ruhe vor den Sturmkolonnen. Man sehnte sich nach friedlicher Arbeit und segnete die Zeit, die uns die Trennung von der alten Hansestadt Bremen und den Anschluss an den Kreis Verden brachte.

Lange genug war unser Flecken der Prellbock für Bremen gewesen. Und es ist kein Wunder, dass erst 700 Jahre vergehen mussten, bis man sich auf die Ortsgeschichte besann, denn zu einer Jahrhundertfeier war einst kaum Zeit und noch viel weniger Neigung. Langwedel ist weiter ein treffliches Schulbeispiel in der Richtung, dass ein Aufkommen der nationalen Stimmung schlechterdings unmöglich war. Man hasste die Grenzpfähle, die hart am Mühlenbach standen.

Im Schatten des geeinten Deutschlands hat unser Flecken eine gleichmäßige aufstrebende Entwicklung genommen. Mithilfe einer weitschauenden Kreisverwaltung und einer verständigen Fleckensverwaltung regt sich überall frisches Leben, was sich in zahlreichen Neubauten sichtlich äußert. Schwer ist der Daseinskampf namentlich auch für kleinere Gemeinwesen und ihre Bürger. Der Prozentsatz der Auswanderung war aus diesem Anlass für Langwedel vor und nach dem Kriege besonders hoch. Eiserner Fleiß, zähe Ausdauer und lebendiger Schaffensdrang werden helfen, den Zeiterscheinungen wirksam zu trotzen nach dem alten Wahlspruch der uns stammverwandten Hansestadt Bremen: „Wagen un winnen, buten un binnen!“

Worte aus dem Jahre 1928, die auch rund 100 Jahre später Bestand haben. Überstanden sind zwei Weltkriege, der große Börsencrash 1929 und seine „Kollegen“ bis hin zur großen Finanzkrise 2008, die Flüchtlingsproblematik. Die Corona-Pandemie bekommen wir hoffentlich noch in diesem Jahr in den Griff. Da kann man in Langwedel voller Freude auf 800 Jahre Langwedel und 150 Jahre Schützenverein im Jahr 2028 blicken. Was einige Chronisten auch tun ...

Von Waldemar Rohrberg

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