Vom Korn zum Brot: „Ihr seid ja toll“

Schulkinder aus Etelsen und Langwedel zu Besuch beim Müller

Robert Nannen spielt hier mal von Peter Düll beobachtet den Wind und pustet die Spelze zwischen den Körnern heraus, feine Hüllen, die sich beim Dreschen gelöst haben.
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Robert Nannen spielt hier mal von Peter Düll beobachtet den Wind und pustet die Spelze zwischen den Körnern heraus, feine Hüllen, die sich beim Dreschen gelöst haben.

Etelsen – „Vom Korn zum Brot“ ist ein Thema, das landesweit auf den Lehrplänen der Grundschulen steht. Sachunterricht, dritte Klasse. Hier lernen die Kinder, wo ihr, wo unser tägliches Brot herkommt. Dass das nämlich nicht im Supermarktregal wächst. Richtig fein ist das für Lehrkräfte und Kinder, wenn es in Reichweite der Schule noch eine Mühle gibt. Und dazu noch Müller, die viel erzählen und erklären können. Wie Robert Nannen von der Etelser Mühle Jan Wind, zum Beispiel.

„Das machte alles schon mal mehr Spaß als zu den Coronazeiten in den vergangenen Monaten“, brummelt der Vorsitzende des Dorfvereins Etelsen. Am Dienstagvormittag kommen drei Klassen aus der Grundschule Etelsen, am Mittwoch noch einmal drei aus Langwedel. „Die Langwedeler kommen mit dem Zug. Stell ich mir auch nicht einfach vor. Einsteigen und gleich die nächste Station wieder aussteigen“, meint Robert Nannen, der sich an diesen beiden Vormittagen mit Unterstützung von Peter Düll um insgesamt 100 Kinder kümmert.

Der Unterricht mit Müller Nannen findet zu großen Teilen draußen statt, im Inneren der Mühle stehen alle Fenster und Türen auf, und auf der Mühlengalerie, „dem Balkon des Müllers“ (so Nannen), ist auch wieder frische Luft. Also darf der Unterricht an der Mühle, die in diesem Jahr 150 Jahre alt wird, tatsächlich wieder stattfinden. „Letztes Jahr ging ja nicht. Wegen Corona.“

Jeder neue Klassenbesuch ist auch für Robert Nannen sowieso eine Herausforderung und dazu noch spannend. Sind die Mädchen und Jugend aufgeregt und raschelig? Wie viel wissen sie schon? „Die sind alle gut vorgebildet, die haben was gelernt“, sagt Nannen, nachdem er und Düll an diesem Vormittag die zweite Klasse verabschiedet haben. Wenige Minuten später kommt die dritte.

Nannen zeigt, wie früher von Hand gesät wurde. Ein paar Schritte vor der Mühle liegen schon... ja, was ist das eigentlich, wie nennt man das, was er da hochhält? „Garben“, kommt es aus dem jungen Publikum. „Ihr seid ja toll“, gibt der Dorfvereinsvorsitzende dafür zurück.

Was für eine mühsame Arbeit das war, das Getreide zu mähen und weiter zu verarbeiten, zeigt Nannen mit seinen „Schätzen“, wie er sagt. Großformatige alte Fotos, die zeigen, wie Landwirtschaft vor 50, 60, 70 Jahren funktionierte. Wie man das nennt, wenn die Garben zusammengestellt wurden? „Ein Mädchen aus einer anderen Klasse hat gesagt: Zelte“, schmunzelt Nannen. Es heißt aber „Hocken“. Die sehen schon ein bisschen wie Zelte aus. „Da bin ich früher als Kind auch gern reingekrabbelt.“

Ja, mal gucken. Korn ist schon eingefüllt, gleich wird gemahlen und die Kinder dürfen oben zuschauen. Aber nicht alle auf einmal und mit ein bisschen Abstand, bitte.

Dann drischt er Korn mit einem Schlegel, bevor alle zu den zehn Schüsseln weiterziehen, in denen sich verschiedene Getreidesorten finden. „Das ist kein Getreide“, kommt da prompt von einem jungen Etelser. „Das ist Raps!“. Recht hat er. Müller Nannen bestätigt: Raps gehört wie Erbsen und Bohnen zu den Hülsenfrüchten.

Aber wer befruchtet den nun eigentlich das Getreide? Die Bienen? Der Bauer etwa? Nee, das kriegen beide nicht hin. Der Wind macht es. Wo der Unterschied zwischen Sommer- und Wintergetreide liegt, da kommen die Kinder auch schon selbst drauf. Aber was macht man aus Weichweizen? Und was aus Hartweizen? Aus ersterem Brot, aus letzterem Nudeln, klärt Nannen auf. „Lecker“, lautet der Kommentar zu den Nudeln. Dann geht es in die Mühle, zum Korn mahlen – aber erst einmal wird erklärt, wie früher so eine Windmühle funktioniert hat. Und dann, wie sie heute in Jan Wind mahlen. Was aber nur noch passiert, wenn Besuch kommt, dem man das zeigen möchte. Wie jetzt den Schulkindern oder den Leuten, die zum Mühlentag kommen.

„Du, das hat Spaß gemacht heute“, muss eine junge Etelserin Robert Nannen zum Abschied noch sagen. „Aber das auf der Galerie war mir zu hoch.“

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