Vor seinem Auftritt in Langwedel im Interview

Satiriker Hans Scheibner im Interview: „Ich mache keine Witze“

Sie sind am 4. Dezember in Langwedel zu erleben: Petra Milchert, Hans Scheibner und Raffaela Scheibner. Foto: PS
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Sie sind am 4. Dezember in Langwedel zu erleben: Petra Milchert, Hans Scheibner und Raffaela Scheibner.

Langwedel – Mit „Oma gibt nicht auf“ trägt der Satiriker und Kabarettist Hans Scheibner am Mittwoch, 4. Dezember, ab 20 Uhr im Rathaus Langwedel eine Weihnachtsgeschichte vor, die die Widersprüchlichkeit des heiligen Festes vor Augen führt. Begleitet wird das Hamburger Urgestein von seiner Frau, der Schauspielerin Petra Milchert sowie Tochter Raffaela. Rolf Göbbert besuchte Hans Scheibner jetzt für ein Gespräch in seinem Haus in Hamburg-Ohlstedt.

Rolf Göbbert: Wie sind Sie Kabarettist und Satiriker geworden?

Hans Scheibner: Ich wollte nie Kabarettist werden. Ich wollte ein Heinrich Heine werden. Doch davon konnte man nicht leben.

Sie wollten also Dichter werden?

Ich hatte schon früh Gedichte geschrieben und habe in den 1960-er Jahren in Jazz-Kellern gelesen. Dort hatte meine künstlerische Laufbahn begonnen.

Welchen Beruf hätten Sie gehabt, wenn es mit der Satire und dem Kabarett nichts geworden wäre?

Ich habe eine kaufmännische Ausbildung und wäre vermutlich Journalist geworden.

Was war Ihre Motivation Künstler zu werden?

Ich wollte Situationen ausdrücken. Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft war mein Vorbild. Es ging darum, Meinungen zu vertreten und Widersprüchlichkeiten aufzudecken. Das Alltägliche hat etwas Poetisches. Es ist ein Weg zum Lästern.

Was macht die Qualität eines Künstlers aus oder worin liegt der Erfolg?

Man muss bei einer Glosse den richtigen Ton treffen. Das Menschliche spielt dabei eine große Rolle. Außerdem muss man auf das Tagesaktuelle eingehen. Gute Satire ist immer zeitlos.

Wann haben Sie oder wann haben andere Ihr Talent bemerkt? Haben Sie in der Schule oder auf Geburtstagen gerne Witze gemacht?

Für jeden Satiriker ist es eine Beleidigung, wenn Sie sagen, dass er witzig ist. Ich mache keine Witze. Ein Satiriker sieht immer das Ganze wie zum Beispiel den Krieg. Meine Aussagen sind dann spitz, bösartig oder aggressiv. Ähnlich wie Tucholsky kämpfe ich gegen die Dummheit und die Diktatur.

Welche Zeiträume in Ihrer künstlerischen Karriere waren für Sie die wichtigsten?

Ich glaube, es war die Anfangszeit in den 1960-er und 1970-er Jahren. Ich war ein Spätstarter. Ich hatte es etwas schwerer, da ich kein Studium hatte. Ich war fast 30 Jahre alt, als es in den Kellern losging.

Ältere Hamburger Zugbegleiter erzählen von Udo Lindenberg wilde Geschichten. So zum Beispiel, dass es kaum noch Spirituosen im Zugrestaurant vor Erreichen des Bahnhofs Westerland gab, wenn er mit dem Panikorchester im Intercity auf dem Weg nach Sylt war. Gibt es solche Geschichten auch von Hans Scheibner?

Gesoffen wurde immer! Das war damals so. Einmal sagte Gottfried Böttger zu mir: „Hans pass auf! Lass das mit dem Alkohol sein!“ Da hatte er gerade selber aufgehört zu trinken. Ich hatte übrigens Texte für die Hamburger Szene im Umfeld des Onkel Pö geschrieben, so auch für Gottfried Böttger und seinen Geiger Lonzo das Lied „Hamburg ‘75“. Für Nico Haak habe ich „Schmidtchen Schleicher“ geschrieben. Ich war aber immer etwas außen vor gewesen, weil ich kein Musiker war.

Gehört ein exzessiver Lebensstil zum Künstlerleben?

Irgendwie schon. Wir wollten ja nicht so langweilige Bürger sein. Da wurde dann anständig gesoffen. Man muss aber auch sagen, dass Weihnachten ein unaufrichtiges Fest ist. So ist dann auch die Geschichte mit der Oma und dem Weihnachtsfest entstanden.

Welche Rolle spielt bei Ihnen die Oma?

Die Großmutter steht im Mittelpunkt der Familie und ist für die Kinder die Person mit viel Liebe.

Welche Rolle spielten Frauen in Ihrem Leben?

Ich habe mit 22 geheiratet. Ich war 18 Jahre mit meiner ersten Frau zusammen. Später habe ich meine jetzige Frau kennengelernt und wir haben vier Kinder.

Als sie Ihre Frau kennengelernt hatten, hat damals die Anwesenheit Ihrer Frau Energien freigesetzt und wie ein Brandbeschleuniger auf der Bühne gewirkt?

Meine jetzige Frau hat mich immer unterstützt. Natürlich bin ich auch anderen Frauen begegnet. Aber als Satiriker kann man nicht das Gleiche sagen wie Musiker. Satire muss hieb- und stichfest sein. Mir geht es um die Wahrheit und ich habe mich stets mit der Politik und der Kirche angelegt. Ich bin dagegen, dass man Waffen an kriegführende Staaten verkauft. Dafür habe ich in der NDR-Talkshow viel Ärger bekommen.

Was hat sich in Ihrem Geschäft seit den 1970-er Jahre verändert?

Das Geschäft ist viel kommerzieller geworden. Bei vielen jungen Künstlern geht es gar nicht mehr um Politik. Da wird sich über alles lustig gemacht.

Wer den bissigen Satiriker Hans Scheibner im Rathaus Langwedel erleben möchte, kann noch Karten in der Buchhandlung Vera Rohrberg in Langwedel (Große Straße 38) zum Vorverkaufspreis von 20 Euro oder an der Abendkasse (wenn es eine gibt, der Vorverkauf läuft dem Vernehmen nach mehr als ordentlich) zum Preis von 22 Euro erwerben. Veranstalter dieses Abends ist der Langwedeler Kulturverein.

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