Vortrag: Erdgas, Methan und Klimawandel

„Hoffe nicht, dass so etwas vorkommt“

Dr. Heinrich Bovensmann vom Institut für Umweltphysik an der Universität Bremen referierte jetzt in Langwedel. - Foto: Wenck

Langwedel - „Treibt Methan aus der Erdgasförderung den Klimawandel voran?“, fragt sich der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen – und erklärt im Folgenden noch weiter: „Es geht um die Methanbelastung in der Luft, die sich durch den Förderbetrieb und durch stillgelegte Altbohrlöcher ergibt.“

So stand es jedenfalls in der Einladung zu einem Vortragsabend, zu dem man ins Gasthaus Klenke nach Langwedel gebeten hatte. Referent des Abends: Dr. Heinrich Bovensmann vom Institut für Umweltphysik an der Universität Bremen.

Die Erdgasförderung in der Region und ihre Begleiterscheinungen sei beständig ein wichtiges Thema, so Susanne Hüneke vom Bündnis 90/Die Grünen-Kreisvorstand. Bürgerinitiativen und Grüne zögen an einem Strang. Es gelte auch immer, sich Fachleute, kompetenten Sachverstand und Rat dazu zuholen. So wie an diesem Abend Dr. Heinrich Bovensmann.

Über ihn und seine Arbeit hatte auch schon das Fernsehmagazin „Plusminus“ im Rahmen eines Beitrages mit dem Titel „Erdgasförderung: Klimaschäden durch Methan?“ berichtet. So viel vorweg: Einiges an der Darstellung in dem Bericht befand der Physiker als „ein bisschen unglücklich. Da muss man aufpassen.“

Bovensmann und sein Team haben 20 Jahre Erfahrung in der Fernerkundung von Luftschadstoffen, von Treibhausgasen gesammelt, nicht nur per Flugzeug, auch mittels Satellitentechnik. Er sei Fachmann für alles oberhalb der Erdkruste, was unterhalb geschehe, dafür sei er kein Experte. Und: „Unsere Stärke sind die Messdaten.“

Methan ist unbestritten ein Treibhausgas. 25 mal stärker als Kohlendioxid. Gerade darum sind Methanproduzenten weltweit gehalten Emissionen zu minimieren, wo es nur geht. Dabei kommt Methan aus vielfältigen Quellen, so Bovensmann. „Da herrscht eine Gemengelage. Das ist nicht so schwarz/weiß, wie es die Presse gerne hätte.“

Bovensmann stellte die verschiedenen Messmethoden vor, mit denen er und seine Studenten arbeiten. Vereinfacht ausgedrückt könnte man die Vorgehensweise so beschreiben: Erst mit dem Messkoffer vor Ort am Boden gucken, ob sich Methan nachweisen lässt. Ist das der Fall, können die Forscher vom Flugzeug aus Messdaten über den Austrittsort und die Methanverteilung ermitteln, wie es mit herkömmlichen Messmethoden noch nicht möglich war.

So kam man in den USA, wie vom NDR berichtet (siehe oben), nicht nur Müllkippen auf die Spur, aus denen Methan austrat, sondern auch Feldern der Erdgas- und Erdölförderung mit stillgelegten Bohrlöchern.

Ob diese teilweise recht alten Bohrlöcher auch wirklich alle verschlossen sind, ist nicht so sonderlich wahrscheinlich. Die Forscher gehen davon aus, dass es in den USA jede Menge alte offene Bohrlöcher gibt.

In Gebieten mit (ehemaliger) Kohleförderung tritt Methan aus. Im kommenden Jahr wolle man im ehemaligen Kohlerevier in Schlesien messen, berichtete Bovensmann.

Wo kommt nun das Methan in welchen Mengen her? In Deutschland aus der Kohle-, Öl- und Gasproduktion 300 Kilotonnen pro Jahr, aus Mülldeponien und Kläranlage 400 Kilotonnen pro Jahr, aus der Landwirtschaft 1 300 Kilotonnen (im Jahr 2015 laut Bundesumweltamt).

Ob Bovensmann und sein Team denn nicht mal mit dem Flugzeug über das Erdgasfeld Völkersen fliegen und messen könnten, kam eine Frage aus den doch sehr übersichtlich besetzten Zuhörerreihen im Saal des Gasthauses Klenke.

Dafür bräucht es schon Emissionen von mindestens fünf Kilotonnen, so Bovensmann. „Ich hoffe nicht, das so etwas vorkommt.“

Zumal in Deutschland alle alten Bohrungen mit Beton verschlossen werden.

Im Falle eines Falles würden er und sein Team auch erst einmal mit dem Messkoffer anrücken und vor Ort messen.

Zu verleihen ist der Koffer übrigens nicht – und sein nächster Einsatz bei Verfügbarkeit im erwähnten ehemaligen Kohlerevier in Schlesien vorgesehen.

Man gehe mit Methankameras selbst kleinsten Leckagen nach, versicherte DEA Deutsche Erdoel AG-Sprecher Derek Mösche, der auch den Weg nach Langwedel gefunden hatte. Man sei neuen Methoden gegenüber immer aufgeschlossen und gern bereit, die Bohrungen untersuchen zu lassen. „Ohne Erdgas keine Energiewende“, meinte noch Derek Mösche, stieß damit an diesem Abend aber nicht auf Gegenliebe.

„Erdgas ist Teil des Klimaproblems“, befand Susanne Hüneke. „Wir müssen da raus.“ J jw

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sido-Konzert im ausverkauften Pier 2

Sido-Konzert im ausverkauften Pier 2

Was Hunde im Alter brauchen

Was Hunde im Alter brauchen

Geld aus Rom: Notstand für Venedig beschlossen

Geld aus Rom: Notstand für Venedig beschlossen

"Death Stranding" im Test

"Death Stranding" im Test

Meistgelesene Artikel

Stimmungsvolle Dekorationsideen

Stimmungsvolle Dekorationsideen

Kreisarchäologie kann Fund aus Achim datieren: „Diese Runen sind ein Knaller“

Kreisarchäologie kann Fund aus Achim datieren: „Diese Runen sind ein Knaller“

Lehrer für „Wegweisendes Projekt“ ausgezeichnet

Lehrer für „Wegweisendes Projekt“ ausgezeichnet

Bierdener Jecken legen los

Bierdener Jecken legen los

Kommentare