Kabarettistin Annie Heger erklärt ostfriesische Lebensart auf Platt

Heiße Gerüchte – kühles Bier

Im Abendkleid feuerte die Ostfriesin Annie Heger im zweiten Teil ihrer Show ihre Pointen ab. Matthias Monka unterstützte sie dabei musikalisch. - Foto: Hustedt

Daverden - Ostfriesen gelten gemeinhin als unterkühlte, eher einfach gestrickte Menschen. Der plattdeutsche Kabarett-Abend mit Annie Heger gab Gelegenheit zum Abgleich zwischen Klischee und Wirklichkeit. Mit Witz, Charme und einer großartigen Stimme bezirzte die gebürtige Ostfriesin das Publikum der Daverdener Freilichtbühne. „Watt’n Skandaal“ hieß ihr Programm. Und dass die junge Frau bei anderen aneckt, ist ihr schon früh zur zweiten Natur geworden: Denn als sie vor 33 Jahren geboren wurde, waren es die schwarzen Haare, die im blonden Ostfriesland einfach anders waren als normal.

Annie Heger wurde in Aurich in einer Künstlerfamilie geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Ostfriesland, genauer gesagt in Spatzenfehn. Da wurde sie dann unweigerlich mit der plattdeutschen Sprache konfrontiert.

Mit zwei Flaschen Bier kam Annie Hegers Pianist Matthias Monka, der aus Bremen-Nord kommt, wie er betonte, auf die Bühne. Doch Bier bei einer Aufführung? Das geht gar nicht! So wurde der Gerstensaft – in Anspielung auf die Geselligkeit und Trinkfestigkeit der Ostfriesen – kurzerhand in „Fassbrause“ umbenannt.

Geschichten aus ihrem Heimatort Spatzenfehn und ihrer Familie gab die Entertainerin ebenso zum Besten wie heiße Gerüchte und bewegende Erinnerungen an die ostfriesische Jugendzeit. Sie klärte über die ostfriesische Namensgebung auf und erklärte, dass sie bei mehreren Geschwistern Geduld, den Gebrauch der Ellbogen und Toleranz gelernt habe. Mit Musik ist sie aufgewachsen, denn schon im Kindesalter nahm ihr Vater sie zu Konzerten mit. Augenzwinkernd erzählte sie auch von den ostfriesischen Teegewohnheiten.

Den ersten Teil ihres Auftritts nannte sie Probe, und stand dabei keck mit Sonnenhut auf der Bühne. Nach der Pause kehrte sie dann im festlich kurzen Abendkleid und einem Glas Sekt in der Hand zurück auf die Waldbühne. Bei der Temperatur fröstelten die Besucher schon beim Zuschauen. Es folgte eine nachdenkliche Anekdote über eine Frau aus Mecklenburg, die zum Pilze sammeln dicht an den Sperrgürtel gegangen war. Als sie dort einen roten Ballon entdeckte, robbte sie in diese Sperrzone, um ihn zu holen. Der Ballon kam natürlich aus Ostfriesland und dahin schrieb sie dann. Nach der Wende besuchte dann ein Ossi den anderen Ossi...

Bezaubern konnte die dunkelhaarige Ostfriesin mit ihren Liedern, mal rockig, dann wieder ganz leise und mit viel Gefühl und tiefgründigen Botschaften vorgetragen. Dazu das wunderbare Zusammenspiel mit ihrem Pianisten Matze Monka, der gelegentlich auch die gesangliche Begleitung übernahm.

Die Besucher mussten allerdings manchmal ganz genau hinhören, um das ostfriesische Platt zu verstehen. Zwar hatte die Künstlerin diese Mundart für die Freilichtbühne schon etwas abgemildert, doch trotzdem mussten die Besucher höllisch aufpassen, um auch die Pointen mitzubekommen.

Die Stimmung war hervorragend auf der Freilichtbühne, so dass die Künstler ohne Zugabe nicht von der Bühne kamen. Annie Heger und Matze Monka sangen gemeinsam mit ihrem Publikum „De Maand de is nu upgahn“ (Der Mond ist aufgegangen), bevor sich die quirlige Künstlerin unter anhaltendem Beifall von den begeisterten Besuchern verabschiedete.

Der Vorsitzende des veranstaltenden „Fördervereins Freilichtbühne Daverden“, Günther Kothe, bedankte sich bei Annie Heger, die mehr als 90 Minuten singend und plaudernd Geschichten aus Ostfriesland und umzu vorgetragen hatte, mit einem großen Blumenstrauß. 

hu

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