„Das hat mit Politik zu tun – nicht mit den Menschen“ 

Hazar Göze: Studentin aus Istanbul arbeitet bei Kultur im Norden als Webredakteurin

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Hazar Göze aus Istanbul studiert Übersetzungswissenschaften, steht kurz vor dem Bachelor-Abschluss – und arbeitet in diesem Sommer für Kultur im Norden.

Etelsen - Ausgerechnet jetzt. Über 90 Prozent der Deutschen halten derzeit einen Urlaub in der Türkei nicht für angebracht. Die jahrhundertelangen freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nationen sind so schlecht wie noch nie. „Das hat mit Politik zu tun“, sagt Hazar Göze. „Nicht mit den Menschen.“ Die 23-jährige Studentin macht gerade ein dreimonatiges Praktikum und arbeitet für Kultur im Norden – KUNO. Warum ausgerechnet das denn?

Kultur im Norden – KUNO e.V. ist kein großer Verein. Maßgeblich steckt Paul Kroker aus Etelsen dahinter. Aktiv ist der Verein nicht nur aber schon stark und besonders im Internet.

Genau hier ist Hazar Göze auch auf KUNO und dessen Stellenanzeige gestoßen. Die 23-Jährige studiert Übersetzungswissenschaften, war im vergangenen Jahr zum ersten Auslandssemester an der Universität Mainz (bzw. der entsprechenden Fakultät in Germersheim). „Eine der besten in diesem Fachbereich, die es in Deutschland gibt“, findet Paul Kroker.

Soziale Netzwerke pflegen 

„Ich bleibe diesen Sommer in Deutschland“, hatte die Erasmus-Studentin beschlossen. Ein auf ihren Beruf hin orientiertes Praktikum war da Ziel. Erasmus? Hinter diesem Namen steckt seit 30 Jahren ein Programm der EU, anfangs ein reines Austauschprogramm für Studenten, mittlerweile auch im Bereich Schul-, Berufs- und Erwachsenenbildung aktiv. Bei KUNO hatte man schon zwei Erasmusstudenten, jetzt suchte man ganz konkret eine Webredakteurin. Nicht nur für die Website, sondern gerade für einen stärkeren Auftritt in sozialen Medien wie Twitter oder Facebook.

Erst einmal hat Göze angefangen, die Kulturszene im Norden zu erkunden. Veranstaltungen besucht wie eine Ausstellungseröffnung in Syke. Die Kreise, die sie dabei zieht, werden immer größer.

Die NordArt in Büdelsdorf steht genauso auf dem Besuchs- und Berichtsprogramm wie ein Streetartfestival in Wilhelmshaven. Oder der Çanakkale Art Walk in Osnabrück. Im vergangenen Herbst wurde die Biennale in Çanakkale, der türkischen Partnerstadt Osnabrücks abgesagt, die künstlerische Leiterin nach Informationen von ndr.de wegen Anfeindungen von Nationalisten zurückgetreten. Restriktionen der Erdogan-Regierung hätten mit der Absage direkt nichts zu tun gehabt. Die Organisatoren wollten sich nicht in die politische Diskussion hineinziehen lassen.

Geplant hatte man im Vorfeld einen Ableger der Biennale in Osnabrück. Jetzt sind in Osnabrücker Museen und Ausstellungsräumen Arbeiten von Künstlern aus 17 Ländern zu sehen, die meisten kommen aus der Türkei.

Frische im Netz

„Selbstständig zu kulturellen Informationen Stellung zu beziehen“ soll Hazar Göze bei ihrer Arbeit für kunoweb.de. Und zudem eine junge Sicht auf die Dinge, eine sprachliche Frische in den Internetauftritt einbringen. Einen eigenen Blog hat Hazar auf kunoweb auch. Was ist eigentlich mit türkischer Literatur in Deutschland, werden deutsche Autoren in der Türkei gelesen? Da tut sich was, hat Göze beobachtet. Wenn auch in kleinem Rahmen.

In ihren Redaktionskonferenzen, die selbstverständlich nicht nur in Etelsen, sondern auch über das Internet und Skype stattfinden, haben Kroker und Göze noch mehr angedacht: Beiträge der Praktikantin zum Kulturleben in ihrer Heimatstadt Istanbul, Rezensionen türkischer Bücher in deutscher Sprache.

„KUNO fördert in unserer Gesellschaft das kulturelle Miteinander von Menschen, präsentiert Kunst und Kultur sowie Kulturschaffende, initiiert eigene Projekte“, heißt es in der Selbstbeschreibung des Vereins, der im Übrigen auf seiner Internetseite klar und deutlich Stellung zur Situation von Künstlern, Schriftstellern und inhaftierten Journalisten in der Türkei bezieht. Und übrigens auch Tipps zu aktuellen Filmen, Musikalben usw. bereithält.

Für Paul Kroker passt die Arbeit von Hazar Göze für KUNO ausgerechnet im 30. Jahr des Programms vollkommen in den Geist des Erasmus-Programmes. Dass die Kulturleute, sei es nun in Osnabrück oder bei KUNO mit ihrer Arbeit die politische deutsch-türkische Eiszeit auftauen können, glauben sie natürlich nicht. Aber einen kleinen Kontrapunkt kann man setzen. Einen Dialog in Gang setzten und in Schwung halten. Und wenn es nur ein bisschen ist.  

jw

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