SPD hatte eingeladen / Diskussion zur Abschaffung der Förderschulen

Werben für das neue Schulgesetz

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Uwe Santjer (re.), Bildungsexperte der SPD im niedersächsischen Landtag, erläuterte das neue Schulgesetz.

Langwedel - Zu einem Fachgespräch über die Auswirkungen des geplanten neuen niedersächsischen Schulgesetzes auf die Grundschulen hatte die SPD jetzt in Klenkes Gasthaus nach Langwedel eingeladen. Der SPD-Kreisvorsitzende Bernd Michallik begrüßte an die 50 interessierte Lehrer, Elternvertreter und Kommunalpolitiker. Gemeinsam mit Jutta Liebetruth, der stellvertretenden Landesvorsitzenden der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung, moderierte er die Veranstaltung.

In seinem Grußwort unterstrich Kirchlintelns Bürgermeister Wolfgang Rodewald als Vertreter eines Schulträger, dass im ländlichen Raum viele Gemeinden unter Geldnot leiden. Problematisch sei es auch, dass in einigen Orten fast nur noch ältere Mitbürger wohnen, was natürlich auch Auswirkungen auf die Schullandschaft hat.

Ein Problem sei es auch, dass über 50 Prozent der Grundschüler auf die Gymnasien wechseln. „Wir brauchen gute Sekundarschulen, um den Kindern weite Schulwege zu ersparen. Die Gymnasien bereiten auf das Studium vor, wir brauchen aber auch Nachwuchs für die Handwerksberufe.“ Rodewald beklagte zudem, dass es bei jedem Regierungswechsel eine Schulreform gebe.

Diesen Ball nahm Uwe Santjer auf, Bildungsexperte der der niedersächsischen SPD-Landtagsfraktion. Er stellte den Entwurf des neuen Schulgesetzes vor, zu dem inzwischen 51 Verbände gehört wurden, lediglich der Philologenverband habe den Gesetzesentwurf abgelehnt.

Santjer erläuterte die Planungen für den Bereich der Grundschulen. In vielen Fällen sei die Förderung der Kinder und die Hausaufgabenbetreuung durch Eltern und andere Einrichtungen erfolgt – wo doch besonders Lehrerinnen und Lehrer hierfür qualifiziert sind.

Sinn mache es daher, dass auch nachmittags in den Schulen unterrichtet wird und die Kinder danach auch wirklich Feierabend hätten.

Für die bestehenden Ganztagsschulen gelte Bestandsschutz, doch sollten alle 1200 Grundschulen gleichbehandelt werden. Santjer sprach sich für eine Erweiterung des pädagogischen Gestaltungsspielraums mit auch außerunterrichtlichem Angebot aus. Dafür stelle die Landesregierung bis 2017 weitere 260 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Schullaufbahnempfehlung nach der Grundschule soll im neuen Gesetz entfallen. Dafür werde es zwei dokumentierte Elterngespräche geben, um auch den Schulträgern Planungssicherheit zu geben. Weiter soll den Grundschulen freigestellt werden, ob sie Noten erteilen oder einen Leistungsbericht erstellen.

Dominik Lerdon, Rektor der Hauptschule Achim, kritisierte in der Diskussion den Wegfall der Schullaufempfehlung. Santjer entgegnete, dass diese Empfehlung auch bisher von den Eltern kaum gefolgt wurde.

Die „Integrierte Gesamtschule“ (IGS) wird ersetzende Schulform. Die unterschiedliche Behandlung zur Oberschule werde so beseitigt, meinte Uwe Santjer. Die IGS könnte organisatorisch mit Grundschulen zusammengefasst werden. Gewollt sei ein gleitender Übergang für die Kinder.

„Wir wollen ein modernes Abitur nach 13 Schuljahren“, so Santjer

Schrittweise sollen die Förderschulen aufgehoben werden – was aber längst nicht für alle Förderschulen gilt, sondern nur für die Förderschulen „Lernen“ ab Klasse 1 aufsteigend.

Die vorhandenen Förderschulen „Sprache“ sollen Bestandschutz haben. Auch Einrichtungen wie die Helene-Grulke-Schule in Cluvenhagen, eine Förderschule mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“, sollen keineswegs aufgelöst werden, sondern werden bestehen bleiben.

Die Änderungen hinsichtlich der Förderschulen sorgte für viel Diskussion. Gerade Lehrer, die teilweise an andere Schulen abgeordneten werden, könnten in so einer Situation weder in der Förder- noch in einer Grundschule Heimatgefühle entwickeln, das Pendeln zwischen zwei Arbeitsstellen sei nur mit einem Privatauto zu bewerkstelligen, hieß es aus dem Publikum.

Auch wurde kritisiert, dass Förderlehrer nur an zwei Stunden in der Woche an anderen Schulen eingesetzt werden sollen. Die Förderschullehrer müssten mehr in die Grundschulen eingebracht werden. „Geben Sie uns mehr Fachlehrer der Förderschulen“, forderte Reinhild Hunold, Leiterin der Lintler-Geest-Schule, der Grundschule in Bendingbostel.

Zudem bereiteten traumatisierte Flüchtlingskinder den Schulen Probleme. Hier fehle es oft an Fachkompetenz. Auch der Einsatz mobiler Dienste wurde erörtert. Santjer äußerte abschließend den Wunsch, dass mehr Kinder mit Migrationshintergrund Abitur machen sollten, um später als Lehrer in Klassen mit Migrationskindern arbeiten zu können.

hu

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