Wie sich Familien um ein Stück Natur kümmern

Idylle in Daverden: Harzer Ziegen und Honigbienen

Gruppenbild mit sieben Harzer Ziegen: Die Daverdener Familien mit ihren heutzutage doch eher ungewöhnlichen Haustieren.
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Gruppenbild mit sieben Harzer Ziegen: Die Daverdener Familien mit ihren heutzutage doch eher ungewöhnlichen Haustieren.

Aus einem Kurs für Imkerei und einem Familienkurzurlaub auf einem Bauernhof ist in Daverden ein echtes Naturidyll geworden. Zumindest ist man auf dem Weg dahin. Daverdener Familien pflanzten Bäume, Büsche, Sträucher, säten Wildblumen aus, stellten Bienenkästen auf - und legten sich Ziegen zu.

Von Wolfgang Hustedt

Daverden – Ein kleiner, idyllischer Garten ist da am Ortsrand von Daverden entstanden. Spaziergänger, die auf dem Geestrücken wandern, lassen ihren Blick gern in die weite Wesermarsch schweifen. Doch was ist denn das da unten? Es sind sieben Ziegen. Und die fühlen sich offensichtlich wohl.

Die Idee, in Daverden ein kleines Idyll zu schaffen, kam Andreas Cordes während eines Imkerkurses im Daverdener Küstergarten im Jahr 2019. Schon seit 2013 bildet der Imkerverein Verden hier den Imkernachwuchs aus, bietet entsprechende Kurse an, die sich eines großen Zuspruchs erfreuen, sodass pro Jahr bis zu 15 Neuimker für sich ein attraktives Hobby entdecken und dann auch fachgerecht ausüben.

Nach so einem Kurs hatte Andreas Cordes den Wunsch, eine Ecke Natur in Daverden insektenfreundlich zu gestalten. Die Idee wurde gemeinsam mit weiteren Kursteilnehmern in die Tat umgesetzt. Inzwischen haben Cordes und Uwe Smolarczyk auf der ausgeguckten Fläche mehrere Bienenkörbe aufgestellt.

„Ohne die Honigbiene kein Leben! Albert Einstein sagte einst: Wenn die Bienen aussterben, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“, so Andreas Cordes. Mögliche Passanten werden auf einem Schild gewarnt: „Vorsicht Bienen! Sie verteidigen ihren Bienenstock bei Störungen!“

Zunächst war es nur ein Bienenstand. Doch gemeinsam mit Marc-Andreas und Marion Hustedt und Tochter Karina verbrachte Andreas Cordes mit Ehefrau Antje, Tochter Nele und ihrem Freund Fabian Anfang 2019 ein Wochenende auf einem Ziegenmilchviehbetrieb südlich von Magdeburg.

„Na, wie wäre es denn mit einem kleinen Wettlauf für den Fotografen?“ Die Reaktion der Tiere ist eindeutig: „Null Bock“.

Der Bio-Ziegenmilchhof in Glinde wird von einer Bauernfamilie auf eigenen und kommunalen Weideflächen in den Elbauen betrieben. Sie widmen sich dabei auch dem Erhalt einer vom Aussterben bedrohten Nutztierrasse, der Braunen Harzer Ziege.

Sie galt in den 1920er Jahren schon als ausgestorben, doch die genügsame und robuste Harzziege wurde neu gezüchtet. In der sogenannten „Roten Liste“ werden fünf Ziegenrassen geführt.

Die Ziege galt auch in Daverden gerade nach dem Zweiten Weltkrieg noch als die „Kuh des kleinen Mannes“. Ziegen, in der Regel in Kleinstbeständen gehalten, sicherten der ländlichen Bevölkerung die Milch- und Fleischversorgung und sie wurde zudem sogar als Zugtier vor den Milch- und Heukarren gespannt. Ziegen sind vegetarische Allesfresser mit besonderer Vorliebe für Blätter, Zweige, Wurzeln oder Baumrinde. Daher kommen sie heutzutage auch in der Landschaftspflege zum Einsatz.

Wenn man schon auf einem Ziegenhof Urlaub macht, dann bucht man auch gleich ein Ziegenkäseseminar hinzu. So lernten die Daverdener, aus gesunder Milch leckeren Käse herzustellen. Am Abend war Ziegenquark, Frischkäse sowie frischer und gereifter Weichkäse fertig und konnte mitgenommen werden. Wieder zu Hause angekommen, wurde die Idee weitergesponnen, ob man sich nicht auch in Daverden mit der Ziegenhaltung arrangieren könnte. Andreas Cordes sprach diese Idee im Freundeskreis an und schon auf dem Weihnachtsmarkt 2019 waren befreundete Paare Feuer und Flamme für diese Idee. Allerdings war auch klar, dass man nicht in die Milch- und Käseproduktion und auch nicht in die Zucht einsteigen wollte.

Im Frühjahr 2020 wurden die Pläne in die Tat umgesetzt, neben den Bienen auf der kleinen Weide auch Ziegen zu halten. Sieben Familien sind es geworden. Jede hat eine Ziege, die gleich als Landschaftspfleger in den verwilderten Naturflächen eingesetzt wurde.

Zunächst wurde eine 700 Quadratmeter große Teilfläche aufbereitet und als Blühfläche für die Bienen nutzbar gemacht. Die Freunde säten sechs verschiedene Blühpflanzenmischungen mit über 80 verschiedenen Einzelpflanzen aus, um verschiedenen Wildbienen, den Honigbienen und Schmetterlingen eine vielfältige Nahrungsgrundlage anzubieten. Diese Fläche kann später als Anschauungs- und Inspirationsobjekt für Naturliebhaber dienen. 60 Büsche und Bäume, teilweise Obstbäume, wurden ebenfalls gepflanzt. So ist ein richtiges Kleinbiotop entstanden.

Als alles soweit war, setzte man sich mit dem Ziegenhof in Verbindung und holte sieben Ziegenkitze, die sechs bis acht Wochen alt waren. Inzwischen haben sich die sechs Ziegenböcke und die eine Ziege gut entwickelt und fühlen sich auf der naturbelassenen Fläche pudelwohl.

Ein Jahr ist mittlerweile vergangen, und die sieben Familien sind seitdem an sieben Tagen in der Woche eingespannt, denn jede Familie hat einmal in der Woche Futter- und Pflegedienst. Im Winter kommen die Ziegen natürlich in den Stall. So ist ein sinnvolles Hobby für die Familienmitglieder im Alter von neun bis 82 Jahren entstanden, bei dem jeder seine Fähigkeiten einbringt, viele neue Dinge lernen konnte und sich dabei ganz praktisch für den Erhalt der Natur engagiert. Inzwischen wurde von Andreas Cordes und Michael Jahn auch ein Ziegenmobil gebaut, in dem die Ziegen Schutz finden, einen Salzleckstein haben sowie eine Heuraufe, Futtertröge und eine Wassertränke vorfinden. „Wir pflegen damit ein schönes Stück Natur“, schwärmen die sieben Familien unisono.

Ach, ja: Hecken wurden ebenfalls gepflanzt, aber auch Fliederbüsche und mehrere Weinstöcke. Übrigens wurde dieses idyllische Fleckchen Daverden früher „Wienhoff“ genannt.

Ziegen sind ganz besonders schlaue Tiere. Allerdings haben sie auch einen schwachen Punkt: Leckerlis. Damit lockt die Halterin sie vor die Linse des Fotografen.

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