Gleich anzeigen und nicht warten

Bürgerinitiativen mit Infoabend zu Erdbebenschäden in Langwedel

Gero Landzettel von der BI gegen Gasbohren Langwedel gab am Anfang des Infoabends einen Überblick über die rechtlichen Möglichkeiten von Bebengeschädigten.
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Gero Landzettel von der BI gegen Gasbohren Langwedel gab am Anfang des Infoabends einen Überblick über die rechtlichen Möglichkeiten von Bebengeschädigten.

Langwedel – Als es mitten in der Nacht am 13. September rund in und um Langwedel herum knallte, die Erde bebte, tags drauf die Wintershall Dea von einem „seismischen Ereignis“ sprach, war eigentlich alles wie immer. Nur: Es tritt hier kein Gewöhnungseffekt ein. Das Erdbeben versetzte die Menschen in der Region immer noch in Angst und Schrecken. Es entstanden wieder Schäden an Gebäuden, die Schadensregulierung gestaltet sich für die Betroffenen nach wie vor nicht einfach, der Beratungsbedarf bleibt groß.

Den Beweis lieferte ein Infoabend, den die Bürgerinitiativen gegen das Gasbohren im Landkreis Verden am Donnerstag in Langwedel angeboten hatten. Der Saal in Klenkes Gasthaus war unter Coronabedingungen voll.

Gero Landzettel, im Hauptberuf Rechtsanwalt, von der Bürgerinitiative (BI) Flecken Langwedel gegen Gasbohren lieferte einen kurzen, knackigen Einstieg zum Thema „Schadensregulierung“. Mittlerweile wird nicht mehr darüber gestritten, dass die Förderung aus dem Erdgasfeld Völkersen für die Beben in der Region verantwortlich ist. Die Wintershall Dea hat eine E-Mail-Adresse eingerichtet (fb-gasnord@wintershall.de), bei der Betroffene ihren Schäden melden können. Dass die Regulierung dann in der Regel für die Geschädigten alles andere als voll zufriedenstellend abläuft, wurde in Langwedel mehr als deutlich.

Nach einem gemeldeten Schaden schickt die Wintershall Dea einen Gutachter (oder bisweilen auch nicht), der schlägt möglicherweise eine Summe zur Schadensregulierung vor – die aber eigentlich nie den tatsächlichen Kosten entspricht, die Handwerker vorher für die Beseitigung des Schadens errechnet haben. Da seien schon 7 000 Euro veranschlagt worden, geboten habe der Gutachter dann 250 Euro, so Gero Landzettel.

Zu beachten ist bei dem Thema: „Die ganze Beweislast liegt beim Kläger, also bei Ihnen.“ Helfen kann dabei, wenn das Landesamt für Bergbau und Energie (LBEG) einen Einwirkungsbereich für ein Erdbeben veröffentlicht. Nur passiert das nicht immer, und für Normalbürger ist überhaupt nicht abzuschätzen, ob und wann das passiert. Auch für das Erdbeben im September wurde noch kein Einwirkungsbereich festgelegt. Außerdem wird ein „Einwirkungsbereich“ nur festgelegt, wenn bei einem Beben „starke makroseismische Aktivität“ und eine bestimmte Intensität der Bodenschwinggeschwindigkeit“ festgestellt wurde. Und das ist erst einmal, für das Beben am 20. November 2019, passiert.

„Ich kann Ihnen da nur raten, einen Schaden gleich anzeigen und nicht zu warten“, erklärte Landzettel. Kommt auf eine Schadensmeldung keine oder nur eine zögerliche Reaktion: „Nerven Sie, fragen Sie nach, setzen sie eine Frist.“ Kommt es zu keiner Einigung bei einer Schadensregulierung, sei ein Gang zur Schlichtungsstelle, die ist für die hiesige Region beim Landkreis Rotenburg angesiedelt, angezeigter als ein Gang vor Gericht. Dort haben nämlich die Geschädigten wieder die volle Beweislast und müssen alle Kosten (auch die für Anwalt und Gutachter) selbst tragen – weil eine normale Rechtsschutzversicherung in solchen Fällen nämlich nicht zahlt, weil Bergschäden in deren Klauseln ausgeschlossen wurden, so die Beobachtung von Gero Landzettel.

Hat man ein Angebot zur Schadensregulierung bekommen: „Bitte prüfen Sie das Angebot sehr, sehr genau.“ Das gilt gerade für das Kleingedruckte, in dem das Förderunternehmen mit der Annahme der Zahlung die Begleichung eventueller weiterer Folgeschäden schon ausschloss. Wer noch Fragen habe, der könne im Internet nach seiner Kanzlei suchen, am besten eine E-Mail schreiben und ein bisschen Geduld für eine Antwort mitbringen. Oder bei Fragen und Interesse bei einer der Bürgerinitiativen nachschauen.

Infos und Initiativen:

www.bi-langwedel.de

gegen-gasbohren.de

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