„Es gibt hier ja eine richtige Szene...“

Dr. Wolfgang Jahn referiert über „Waffen vom 15. bis 17. Jahrhundert“

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Dr. Wolfgang Jahn, Direktor des ostfriesischen Landesmuseums (links), prüft historische Dokumente, die Besucher mitgebracht haben. Dr. Wolfgang Ernst (2. von links) vom Langwedeler Kulturverein freut sich über das Interesse.

Langwedel - „Es gibt hier ja eine richtige Szene“, staunte Dr. Wolfgang Jahn, Direktor des ostfriesischen Landesmuseums, als er mit Besuchern sprach. Er kam am Freitagabend ins Langwedeler Häuslingshaus, auf dem Programm stand sein Vortrag „Waffen vom 15. bis 17. Jahrhundert“. Den Abend hatte Dr. Wolfgang Ernst vom Langwedeler Kulturverein im Rahmen der Ausstellung „Die Burg Langwedel und mehr“ organisiert.

„Ich war neugierig auf Ihr Haus“, gestand Jahn. Denn in langen Telefonaten mit Ernst hatte er einiges über das Gebäude erfahren und es sich jetzt einmal genau angesehen. Die Bekanntschaft zu Ernst besteht aber schon länger. „Ein Mitarbeiter des Landesmuseums restaurierte den Degen, der vor einigen Jahren im Ort gefunden wurde“, erklärte der Langwedeler.

„Der Krieg gehört zur menschlichen Geschichte“

Überwiegend Männer waren es, die sich den Vortrag anhörten. Am Beispiel der Rüstkammer in Emden zeigte Jahn, welche Waffen es in der frühen Neuzeit gab; Dias gaben einen ersten Eindruck von Bewaffnung und Schutzausrüstung: Harnische, Luntenschlossmusketen, Wallbüchsen und Fahnen von Bürgerkompanien. Jahn erklärte präzise und doch für Laien verständlich, ließ sein enormes Fachwissen einfließen. Das betraf außer Waffen die geschichtlichen Hintergründe – meist Kriege – im Europa der damaligen Zeit. „Kriege sind gesellschaftliche Phänomene, und Waffen dienten dazu, um Gewalt auszuüben und den Feind wehrlos zu machen, aber auch zur Verteidigung“, sagte der Referent. Das Publikum folgte seinen Ausführungen hochkonzentriert.

„Waffen sind auch heute noch sehr faszinierend. Der Krieg gehört zur menschlichen Geschichte, das zeigen auch viele Redensarten“, leitete Jahn seinen rund anderthalbstündigen Vortrag ein. „Lunte riechen“, etwas „in die Ecke feuern“ und „den Vogel abschießen“ sind nur einige davon.

Früher kämpften oft keine Berufssoldaten, sondern Bauern und Bürger

„Zu Beginn der Neuzeit setzten die Landesherren auf Bauern und Bürger, denn es gab kein stehendes Heer“, sagte Jahn. Damit deren Bewaffnung einheitlich war, legte man Rüstkammern an, in denen die Waffen vorgehalten wurden. „Die Infanterie bestand aus Musketieren und Pikenieren. Erstere sind mit Rüstung, Sturmhaube, Blankwaffen für den Nahkampf, Pulverflasche, Luntenschlossmuskete und Forquette ausgestattet“, zählte Jahn auf. Um einen Schuss abzugeben, wurden Kugel und Pulver in den Lauf gestopft, Pulver auf die am hinteren Ende des Laufs befindliche Pfanne gegeben und die Lunte angezündet. „Wenn der Schuss losging, blitzte es vor den Augen des Schützen. Das Schießen musste geübt werden, denn man durfte nicht verreißen“, führte Jahn aus. Trainiert wurde damals in Schützenvereinen. Übrigens: Die Lunte roch stark, und da die Waffen auch für die Jagd verwendet wurden, musste der Jäger geschickt vorgehen, damit das Wild nicht „Lunte roch“ und davonlief.

Publikum zeigte sich begeistert

Die Musketiere waren gemeinsam mit den Pikenieren im Einsatz. Letztere waren nach ihrer bis zu vier Meter langen Hauptwaffe, der Pike, benannt und wehrten die Kavallerie ab. „Der Kampf mit dem Spieß erforderte Mut, denn man war dem gegnerischen Musketenfeuer ausgesetzt“, sagte Jahn. Daher stammt die Bezeichnung „Spießbürger“, die heute abfällig verwendet wird.

Jahn zeigte Dias von der schweren Wallbüchse, die von Gestellen oder Mauernischen abgefeuert wurde, von der Rondartsche, einem runden Schild, der vor Musketenschüssen schützte, und dem Bidenhänder, einem schweren Schwert, auch als Gassenhauer bekannt, mit dem Schneisen in die gegnerische Abwehr geschlagen wurden, und vielem mehr.

Das begeisterte Publikum dankte mit Beifall. Wolfgang Ernst brachte es auf den Punkt: „Wir sind schlauer geworden.“

is

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