Windrad soll 2018 Strom liefern

Genossenschaft hat rund 900.000 Euro gesammelt

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Wolfgang Köhler-Naumann, Christoph Schulte im Rodde, Axel Eggers, Thomas Grüter und Ulf Jacob (von links) vom Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft Bürgerenergie Bremen vor „ihrem“ Windrad. 

Etelsen - Noch steht das Windrad still. „Jetzt ist es fast geschafft, das ist unsere Anlage“, sagte Ulf Jacob vom Aufsichtsrat der Genossenschaft Bürgerenergie Bremen (Begeno) freudestrahlend und zeigte auf die riesige Windmühle.

Wobei Anlage im doppelten Wort zu verstehen ist: zum einen als Windenergieanlage, also Windrad, zum anderen als Geldanlage. Bei Tee und Keksen präsentierten Mitglieder der Begeno, deren Vorstand und Aufsichtsrat jetzt ihre Anlage im Windpark Giersberg-Ost.

Einige Zahlen: 200 Meter misst die Windmühle, deren Nabenhöhe 149 Meter und Rotordurchmesser 101 Meter beträgt. „Mehr als 190 Mitglieder aus dem Kreis Verden und aus Bremen, aber auch einige von weiterher sind stolze Besitzer der Anlage. Die meisten sind Kleinanleger, außerdem haben sich zwei Genossenschaften aus dem Energiesektor beteiligt“, sagte Jacob. In einem Jahr haben er und seine „Energiegenossen“ rund 900.000 Euro gesammelt und das Windrad schlüsselfertig von der Firma Ecojoule gekauft. „Energie in Bürgerhand“ lautet das Motto der Begeno.

Strom für rund 3.000 Haushalte pro Jahr

Die Eigentümer sind stolz auf ihr Windrad. „Die Jahresleistung beträgt 7668 Millionen Kilowattstunden, was reicht, um ungefähr 3000 Haushalte mit Strom zu versorgen“, hat der Achimer Axel Eggers vom Vorstand der Genossenschaft ausgerechnet. Die Anlage stelle die Genossenschaft auf solide Beine, und anschließend können neue Projekte angeschoben werden. „Dann sind wir unserem Ziel, regionalen Strom aus eigener Anlage anzubieten, einen Schritt nähergekommen“, sagte Eggers. Ganz wichtig ist ihm: „Es werden rund 4000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr eingespart.“

Die Anlage soll sich aber auch rechnen, also Rendite abwerfen. „Denn das führt dazu, dass die Energiewende funktioniert“, meint Aufsichtsratsmitglied Dr. Florian Kleinmanns. So könne man Vorbild für andere Anlagen werden. Die Genossen dürfen sich 20 Jahre lang – so lange ist die Einspeisevergütung festgesetzt – über durchschnittlich sieben Prozent Rendite freuen, wenn alles glatt läuft, sagte Kleinmanns. Nach 15 Jahren soll sich das Windrad amortisiert haben.

Windpark weiterhin umstritten

Eggers, Jacob und Kleinmanns sind zuversichtlich, dass ihr Windrad in diesem Jahr in Betrieb genommen werden kann. „Es müssen nur noch Kabel eingezogen werden. Der Netzanschluss ist entscheidend, denn das Windrad soll sich noch in diesem Jahr drehen, weil wir dann höhere Einspeisepreise als im kommenden Jahr erhalten“, erklärte Kleinmanns und ergänzte: „Der Bauleiter meint, dass es zu schaffen ist.“

Der Bau des Windparks war und ist umstritten. Anwohner haben 2008 den Verein „Bürger gegen den Windpark Giersberg“ gegründet und Einwendungen gegen den Bau der Anlagen beim Landkreis Verden eingereicht. Gegen die vor einem Jahr erteilten Genehmigungsbescheide legten viele Bürger Widerspruch ein. Dennoch durften die Genehmigungen sofort umgesetzt und die Anlagen somit gebaut werden. Dadurch verloren die Widersprüche der Bürger ihre aufschiebende Wirkung.

Klageverfahren läuft

Das Verwaltungsgericht in Stade lehnte die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Widersprüche ab, und das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg bestätigte die Entscheidung. Momentan läuft ein Klageverfahren, in dem es auch um Belange der ausgeführten Umweltverträglichkeitsprüfung geht.

„Im Genehmigungsverfahren wurden alle Punkte geprüft. Wir haben uns alle Gutachten genau angesehen und festgestellt, dass der Naturschutz eingehalten wird. Wo wir ein Problem mit dem Naturschutz sehen, bauen wir nicht“, sagte Eggers auf Nachfrage. „Die Umweltverträglichkeitsprüfung war Bestandteil des Genehmigungsverfahrens, und es wurden uns Betreibern der Windräder Auflagen erteilt, beispielsweise die Anlagen während der Flugzeiten der Fledermäuse und wenn rechnerisch Schattenschlag auf Häuser fällt, abzuschalten.“

Weitere Informationen über das Bürgerwindrad gibt es im Internet unter www.begeno.de. - is

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