Gelungener Auftakt der Langwedeler Kulturtage mit Lesung von Petra Mattfeldt

Eigentlich ist die Oma schuld

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Künstler und Organisatoren: Autorin Petra Mattfeldt (vorn), die Musiker Norbert Tesch und Ulrike Nehring sowie Frank-Peter Adam, Karin Sievers und Andreas Brandt (von re.)

Langwedel - Den ersten Applaus des „Herbstzaubers“, so das Motto der Langwedeler Kulturtage, bekamen Norbert Tesch und Ulrike Nehring. Die Musiker unterhielten das Publikum zu Beginn und in der Pause mit Gitarrenmusik.

Gebannt und gespannt verfolgten die rund 80 Gäste auch die Lesung von Caren Benedikt. „Das Gesicht mag Ihnen bekannt vorkommen, doch sie ist es nicht“, scherzte Bürgermeister Andreas Brandt, als die Autorin ihren Platz auf der Bühne einnahm. Doch, es ist Petra Mattfeldt, die aus ihrem unter Pseudonym geschriebenen historischen Roman „Die Rache der Duftnäherin“ las. Es war völlig still im Bürgersaal des Rathauses. Kein Wunder, die Daverdenerin verstand es trefflich, ihr Publikum zu fesseln: Sie las mit lebhafter Stimme, ja, sie lebte ihre Texte. So konnte sich jeder bildlich den Streit der Zwillinge Robert und Raphael vorstellen, aber auch die Verzweiflung Lenas, als sie erfährt, dass ihr Mann ermordet worden ist, und ebenso die erschöpften Ratsherren, die aus der Gefangenschaft der Grafen von Hoya heimkehrten.

Nach der Lesung die Fragestunde. Mattfeldt nahm sich Zeit, alle Fragen zu beantworten. „Ich habe inzwischen zehn Bücher geschrieben, doch es ist das erste Mal, dass ich die Premierenlesung hier in Langwedel habe“, schob sie vorweg, ist „Die Rache der Duftnäherin“ doch erst vor kurzem erschienen.

„Was ich über die Historie Bremens und des Umlands geschrieben habe, ist wahr“, sagte die Autorin. Alles genau in Archiven recherchiert. „Das hat mein Mann erledigt, und inzwischen kennt er sich in der Geschichte der Region besser aus als ich“, erzählte Mattfeldt lachend. Beispielsweise gab es die Fehde Bremens mit Hoya tatsächlich, die Ratsherren sind historisch belegt – bis auf einen, der ihrer dichterischen Freiheit entsprang – und auch die Morde wurden verübt.

„Wie bist du auf deinen Künstlernamen gekommen?“, wollte eine Besucherin wissen. – „Ich hatte vor, nur einen Roman zu schreiben, den aber unter Pseudonym. Als das Buch gedruckt werden sollte, fiel der Lektorin auf, dass ich noch keines hatte. Wir waren unter Zeitdruck, und sie schickte mir eine Liste mit Vor- und eine mit Nachnamen“, berichtete Mattfeldt. Für Caren entschied sie sich prompt, weil sie eine sehr nette Erzieherin dieses Namens kennt. Und als sie den Namen Benedikt auf der Liste entdeckte: „So heißt der deutsche Papst.“

Wie sie ihre Themen auswählt? Klingt ganz einfach. „Es muss ein Thema sein, das mich reizt, und ich muss das Gefühl haben, eine Geschichte drumherum erzählen zu können“, sagte die Autorin. Sie würde gern ein Buch „rund um den Verdener Dom“ schreiben.

„Wann hast du deine Liebe zum Schreiben entdeckt?“, fragte jemand. – „Als Kind. Meine Oma war eine begeisterte Vorleserin“, antwortete Mattfeldt. Geschichten vor dem Einschlafen liebten beide besonders. Die regten die Phantasie der kleinen Petra an, die die Geschichten dann auf ihre Art erzählte. Geschichten, die immer besser wurden. So gut, dass die Oma einschlief, wenn das Mädchen erzählte.

Erstaunen machte sich breit, als die Autorin berichtete, dass sie beim Schreiben zwar Anfang und Ende eines Romans wisse, aber nicht, welche Ereignisse dazwischen liegen: „Da lasse ich mich überraschen.“

Nach rund zweieinhalb angenehmen Stunden resümierte Bürgermeister Brandt: „Es war ein gelungener Auftakt der Langwedeler Kulturtage.“

is

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