Flüchtlingskrise: CDU Langwedel lädt zur Informationsveranstaltung ein

Gegen Halbwissen und Parolen

Thomas Müller, Integrationsbeauftragter der Polizei Verden, Wilhelm Hogrefe und Thomas Maruhn bestritten den Info- und Diskussionsabend in Langwedel - Foto: Wenck

Langwedel - Die so genannte Flüchtlingskrise? Ist das Thema nicht schon wieder aus der Welt? „Nein. Überhaupt nicht“, war sich Kreistagsmitglied Wilhelm Hogrefe am Donnerstagabend im Saal des Gasthauses Klenke sicher. Die CDU Langwedel hatte zu einem öffentlichen Informations- und Diskussionsabend „Die Flüchtlingskrise - wie gehen wir damit um? Zwischen Hilfsbereitschaft und Überforderung“ eingeladen.

Sollte das in Langwedel die Eröffnung des Wahlkampfes für die Kommunalwahl im September sein? Vielleicht auch ein Stück weit. Natürlich nutzte die CDU den Abend, um die eigenen politischen Positionen darzustellen. Aber der Abend stand vor allem unter der Devise: „Weniger Halbwissen, mehr Handlungskompetenz“. Also nutzte man weite Teile der Veranstaltung dazu, um betont sachlich Informationen zu vermitteln.

Dies übernahm neben Wilhelm Hogrefe als Gastredner Thomas Müller, Polizist in Bremen, dort Integrationsbeauftragter der Polizei. Hogrefe wie Müller erläuterten, was Flucht, was Migration und Integration bedeuten.

„60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, Die Hälfte davon sind Kinder“, so Müller. Und die allermeisten kommen gar nicht nach Europa oder Deutschland. „Die meisten Flüchtlinge werden in Ländern direkt an den Krisengebieten aufgenommen.“

Anfang der 90-er Jahre gab es eine größere Zahl von Flüchtlingen und Aussiedlern im Landkreis Verden, Ende 2002 gab es im Kreis (auch und gerade wegen der Balkankrise) 1373 Flüchtlinge und Asylbewerber. Ende September 2015 waren 1408. Ende März 2016 waren es dann 2072 Menschen.

Im Flecken Langwedel waren es zu diesem Zeitpunkt 112 Menschen: davon 66 Asylbewerber, 46 Abgelehnte bzw. Geduldete. Der Haken: Niemand weiß, ob diese Zahlen tatsächlich stimmen, die Menschen bleiben in Bewegung. Nach dem Verteilungsschlüssel im Landkreis müsste der Flecken noch 132 Menschen mehr aufnehmen.

Sicher ist für Hogrefe aber: Gut Zweidrittel der Asylbewerber werden bleiben dürfen. Das sind 150 bis 160 Menschen, was gerade einem Prozent der aktuellen Bevölkerung entspricht, die in Langwedel bleiben. Sie sollen und können integriert werden. „Das muss ja wohl gelingen.“

Wer nicht bleiben darf, soll schnellstmöglich das Land wieder verlassen, so Hogrefe. Dass das in Deutschland nicht, wie nach Schweizer Vorbild und von der Kanzlerin und der CDU geplant, klappt, sei „ein Unding“ und liege an der SPD, die ein entsprechendes Gesetzt verwässert habe.

Bessere Unterstützung für die Flüchtlingslager rund um Syrien, ein Aussetzen des „Familiennachzugangs“, Integration von Anfang an, eine Verpflichtung zum Erlernen der deutschen Sprache, eine Verpflichtung der Einhaltung der Normen des Grundgesetzes und eine Verpflichtung zur beruflichen Qualifikation nannte Hogrefe als Eckpunkte der Flüchtlingspolitik.

„Auch wir im Landkreis Verden brauchen Zuwanderung. Allein aus wirtschaftlichen Gründen“, so Wilhelm Hogrefe angesichts von Stichworten wie „schrumpfende Bevölkerung“ und „Fachkräftemangel“. Allerdings müsse man müsse darüber nachdenken, wen man überhaupt ins Land lässt – leider gebe es in Deutschland kein Einwanderungsgesetz. „Um die Sache hätte sich die CDU/CSU schon vor 10, 15 Jahren kümmern sollen.“

Dabei sei Deutschland nicht nur bis in die 50-er Jahre ein klassisches Auswandererland gewesen, sondern auf der anderen Seite schon lange ein klassisches Einwandererland, hatte Thomas Müller gemeint. „Nur: Wir mögen es irgendwie nicht zugeben.“ Zum Ende des Abends, den Langwedels CDU-Chef Thomas Maruhn gekonnt moderierte, kam man zu dem Punkt, der ursprünglich mal als Auslöser für die Organisation der Veranstaltung galt: der mögliche Bau einer Massenunterkunft für Flüchtlinge im Daverdener Gewerbegebiet, die bis zu 60 Menschen Platz bieten sollte.

„Es gab Sorgen: Wer kommt denn dahin?“, so Maruhn. In der CDU habe man den Standort für beileibe nicht ideal gehalten. „Wir hätten sie lieber in der Mitte der Gemeinde gehabt.“ Was im Übrigen alle Fraktionen im Langwedeler Gemeinderat genauso wie die ehrenamtlicher Flüchtlingsbetreuer fanden, die am Donnerstag ebenfalls bei der CDU-Veranstaltung waren.

Eine größere Containerunterkunft am Rande des Ortes im Gewerbegebiet könne nur eine Notlösung sein, wenn man die Menschen anders nicht unterbekommt. „Ich gehe gar nicht davon aus, dass es dazu kommt“, meinte Wilhelm Hogrefe. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Flüchtlingszahlen nicht dramatisch erhöhen." - jw

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