Prozess um Selbstjustiz eines Vermieters aus Langwedel am Landgericht Verden fortgesetzt

„Gefallen wie ein Baum“

Langwedel – Dreieinhalb Stunden dauerte gestern alleine die Befragung eines Augenzeugen, der am 7. Januar 2020 miterlebt hatte, wie in einem Mehrfamilienhaus in Langwedel auf seinen Nachbarn eingeprügelt wurde. Bei elf beteiligten Juristen galt es, eine Menge Fragen zu beantworten. Dass niemandem der Geduldsfragen gerissen ist, mag auch daran gelegen haben, dass das Verdener Landgericht in der klimatisierten Stadthalle verhandelte. Den drei Angeklagten wird versuchter Totschlag vorgeworfen.

Zuletzt war ein 54 Jahre alter Angeklagter aus Langwedel aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Gemeinsam mit seinen Söhnen, einem 30-Jährigen aus Verden und einem 29-Jährigen aus Daverden, erschien er zum gestrigen dritten Verhandlungstag als freier Mann. Die Söhne waren schon vor Prozessbeginn aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Alle drei Angeklagten sind geständig. Zu klären gilt es, wie brutal sie in diesem Fall von Selbstjustiz gegen einen seit mehreren Monaten nicht mehr zahlenden Mieter des 30 Jahre alten Angeklagten vorgegangen sind. Der 29 Jahre alte gestern gehörte Zeuge wohnte mit seiner Frau in derselben Etage wie das Opfer. Aus Angst, dass nach seiner Aussage „Leute bei uns vor der Tür stehen“, seien sie später ausgezogen.

An jenem Morgen hatten sie Lärm im Treppenhaus gehört, berichtete der Zeuge. Mit dem Versuch, die Wohnungstür des Nachbarn einzutreten, seien die Brüder zunächst gescheitert. „Heute oder morgen wird dein letzter Tag sein. Wenn du raus kommst, bist du tot“, habe der 30 Jahre alte Vermieter dem Opfer gedroht. Wenige Minuten später seien sie zu dritt, mit Eisenstangen und einem Axtstiel wiedergekommen. Der Nachbar habe „lautstark um Hilfe und nach der Polizei gerufen. Der hatte panische Angst“. Die Situation sei „sehr krass“ gewesen.

Als die Tür aufgebrochen worden und auf den Nachbarn eingeschlagen worden sei, „da bin ich raus“, so der Zeuge. Unmittelbar zuvor sei der Nachbar mit einem Faustschlag niedergestreckt worden. Der 51-Jährige sei „gefallen wie ein Baum“. Er selbst habe noch versucht, die Männer von weiteren Taten abzuhalten, sei aber zurück in seine Wohnung gedrängt worden. Von dort habe er die Polizei gerufen. Auf Wunsch der Notrufzentrale beobachtete der Zeuge das weitere Geschehen durch den Türspion. Nicht aufklären ließ sich, ob mit Holzbrettern, wie damals im Notruf bezeugt, auf das Opfer eingeprügelt wurde, oder mit den Schlagwerkzeugen, wie er es heute sagt. „Mit den Holzbrettern komme ich gerade nicht auf einen Nenner“, bekannte der Zeuge, sichtlich um eine wahrheitsgemäße Aussage bemüht.

Ein Rechtsmediziner stufte als Sachverständiger die Verletzungen teilweise als potenziell, aber nicht akut lebensgefährlich ein. Diese könnten von Schlägen mit Gegenständen kommen, eine Kopfverletzung könne aber auch vom Sturz stammen. Zur Intensität der Schläge konnte er nichts Konkretes sagen. Wäre mit voller Wucht zugeschlagen worden, seien schwerere Verletzungen „durchaus vorstellbar“.

Der Prozess soll am 20. August um 9 Uhr fortgesetzt werden.

Von Wiebke Bruns

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Das etwas andere St. Petersburg erleben

Das etwas andere St. Petersburg erleben

Laubbläser und Laubsauger für den Einsatz im Herbst

Laubbläser und Laubsauger für den Einsatz im Herbst

Lebensmittel aus dem Netz

Lebensmittel aus dem Netz

Im legendären 100er-Bus durch die Hauptstadt

Im legendären 100er-Bus durch die Hauptstadt

Meistgelesene Artikel

Schulbusbeförderung in Thedinghausen: Probleme, Pannen und ausgesetzte Grundschüler

Schulbusbeförderung in Thedinghausen: Probleme, Pannen und ausgesetzte Grundschüler

Schulbusbeförderung in Thedinghausen: Probleme, Pannen und ausgesetzte Grundschüler
Zu viel Schweine für den Langwedeler Ortsrat

Zu viel Schweine für den Langwedeler Ortsrat

Zu viel Schweine für den Langwedeler Ortsrat
„Die Leute kommen her, um zu schnacken“

„Die Leute kommen her, um zu schnacken“

„Die Leute kommen her, um zu schnacken“

Kommentare