Regina Haack informiert in Langwedeler Grundschule

Ganze Erwachsenenwelt in der Hosentasche – zu viel für Kids

Zwei aus der „Generation Kassettenrekorder“: Rektorin Berit Blottner (links) und Referentin Regina Haack. - Foto: Sommerfeld

Langwedel - „Wir gehören zur ‚Generation Kassettenrekorder‘. Wer von Ihnen noch?“, fragte Regina Haack in die Runde. Lachend meldeten sich etwa 30 Eltern. Also alle, die zum Vortrag über Mediennutzung in die Langwedeler Grundschule gekommen waren. Auch Rektorin Berit Blottner.

„Spielen, zappen, klicken – Medien im Kinderalltag und was Eltern dazu wissen sollten“ lautete der Titel des gut einstündigen Referats, das Regina Haack von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention hielt. Wobei sie sich gern von Fragen der Eltern unterbrechen ließ.

„Kinder müssen im Umgang mit digitalen Medien angeleitet und begleitet werden – vergleichbar mit der Begleitung im Straßenverkehr“, sagte Haack. Dabei laute die grundsätzliche Frage: Wieviel und was? Dass übermäßiges Fernsehen die geistige Entwicklung beeinträchtigt, verdeutliche eine Studie an Vorschulkindern. Weitere Erhebungen zeigen, dass doppelt so viele Jungen wie Mädchen digitale Spiele spielen, und das auch doppelt bis dreifach so lange. „Bildschirmkonsum ist okay, aber achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht zuviel davor sitzt“, riet Haack. Für Grundschulkinder bedeutet das: eine Stunde am Tag, aber alle Bildschirme zusammengerechnet – Fernsehen, Nintendo und Smartphone.

Die digitale Welt habe auch positive Aspekte: „Kinder lernen beim Spielen Geschicklichkeit, Ausdauer, Konzentration, Kreativität, räumliches Denken, zudem soziale Kompetenzen wie sich in Gruppen einfügen und mit Niederlagen umgehen“, zählte die Fachfrau für Medienfragen auf. Sie ergänzte sofort: „Aber nur, wenn es nicht zuviel ist“ und „am besten auf pädagogisch unbedenklichen Seiten, die es kostenlos gibt“. Der Spiele-Affe gehöre nicht dazu. Für Grundschulkinder gebe es eine „riesige Auswahl“ auf klick-tipps.

Was macht Computerspiele für Kinder und Jugendliche so faszinierend? „Da ist einmal die Präsentation des Spiels: eine märchenhafte Welt, in die man versinken kann“, erläuterte Haack. Zudem können Spieler auch als „Bösewicht“ agieren – und zum dritten den „Flow“ erleben, also in einer Art Rausch Raum und Zeit vergessen.

„Nichts ist heutzutage so verfügbar wie digitale Medien. Da Kinder von allein nicht in der Lage sind aufzuhören, müssen Eltern ihnen Grenzen setzen, also ein Stück Selbstkontrolle geben“, betonte die Referentin.

Immer mehr Kinder kommunizieren über Whats App. „Whats App ist nützlich, ich will es nicht verteufeln. Doch im Grundschulalter muss es nicht sein“, stellte Haack klar. Denn es überfordere Kinder massiv. Haack rief den Eltern ins Bewusstsein: „Im Wort Smartphone ist der Wortteil -phone irreführend. Es ist kein Telefon, sondern ein Computer.“

Zusammengefasst: „Die gesamte Erwachsenenwelt in der Hosentasche von kleinen Kindern – damit sind sie überfordert.“ Einige Beispiele: jugendgefährdende Inhalte, Kettenbriefe, Mobbing, Ausgrenzung, Kostenfallen.

Die Frage „Wie gehen wir mit den Medien um?“ werde ihr immer wieder auf Elternabenden gestellt, erzählte die Präventionsfachkraft. Ihre Empfehlung: „Eltern sollten sich absprechen und austauschen.“

Auch hier ein Beispiel: „Alle haben Whats App, nur ich nicht.“ Viele Eltern, die diesen Satz aus dem Munde ihres Sprösslings hören, fürchteten, ihr Kind werde Außenseiter. „Das ist aber nicht in jeder Klasse der Fall“, weiß Regina Haack.

Mit dem Nachwuchs gemeinsam Startseiten anlegen, Kindersicherungen einrichten und Jugendschutzfilter seien weitere Möglichkeiten, um Kinder sicher an digitale Medien heranzuführen. Aber: „Jugendschutzprogramme ersetzen nicht die Präsenz der Eltern.“

Stattdessen: „Interessieren Sie sich für die Vorlieben Ihrer Kinder, spielen sie gemeinsam. Schließen Sie mit Ihren Kindern einen Mediennutzungsvertrag, dessen Regeln Sie gemeinsam ausarbeiten.“

Alternativen in der analogen Welt wie gemeinsame Unternehmungen zeigten Kindern, dass es nicht nur Computerspiele gibt. Und, wichtig: „Seien Sie Vorbild.“

Fragen beantwortet Regina Haack in der kostenlosen Mediensprechstunde am Donnerstag, 27. Oktober, von 14 bis 17 Uhr in der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention in Achim, Feldstraße 2, Anmeldung ist nicht erforderlich. Weiteres ist unter www.medien-schlau.de zu erfahren.  

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