Fünf Hofstellen mussten weichen

Vortrag: Wie entstand die Staustufe Langwedel?

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Alte Fotografien dokumentieren den mühevollen Bau der Staustufe – viele Arbeiten mussten auch nach Wiederaufnahme der Bauarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg in Handarbeit verrichtet werden.

Langwedel/Achim - Das Stadtarchiv Achim hatte am späten Sonntagvormittag in Kooperation mit der Geschichtswerkstatt und dem Heimatverein zu einem Gemeinschaftsvortrag in den Ratssaal eingeladen. Etwa 50 Gäste lauschten dem Vortrag von Harald Gerken und sahen eine Filmdokumentation von Wilhelm Meyer.

Unter dem Titel „Vor 80 Jahren: Beginn der Kanalarbeiten für die Staustufe Langwedel“ präsentierte Harald Gerken Dokumente, Fotografien und Baupläne der Kanalarbeiten, die 1938 begannen, nach dem zweiten Weltkrieg fortgesetzt wurden und schließlich 1958 endeten. 

Sein Vortrag erzählte von der Enteignung ansässiger Landwirte, welche das zuständigen Landratsamt Syke über ein ein entsprechendes Gesetz von 1874 genehmigte. Besonders leiden musste ein Bauer Klüver in Magelsen, der etwa 14 Hektar seines Besitzes zur Verfügung stellen musste.

Etwas wehmütig berichtete Harald Gerken über die Beseitigung von insgesamt fünf Hofstellen im Bereich Etelsen und Daverden. „Ich erinnere mich noch gut an die vollen Obstwiesen der Familien Rogge oder Benecke, die wir als Kinder auf dem Weg zur Weser durchstreiften“, berichtet der der 81-jährige Daverdener. Viele Orts- und Straßennamen wie Meyerwiede, Heemhude, Schogrinden oder „Auf den Öhren“ erinnern noch heute an ehemalige Hirten- oder Fährstellen am Weserstrom.

Referent Harald Gerken (re.), hier mit Filmvorführer Wilhelm Meyer, informierte über Bauarbeiten und Fertigstellung der Staustufe. Erinnerungen und Anekdoten bereicherten den Vortrag.

Die gesamte Baumaßnahme folgte einem länderübergreifenden Ausbauplan des Wasserweges, der bereits 1905 begann. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die Schachtstaustufe in Minden, Staustufe und Kraftwerk Dörverden und das Wehr in Hemelingen fertiggestellt. 

Die gesamte Anlage überwindet ein Gefälle von 37 Metern, um die Weser auf einer Länge von 158 Kilometern schiffbar zu machen. Eindrucksvoll zeigte ein Modell, wo Häuser und Dämme niedergelegt werden sollten und wo Hecken erhalten bleiben mussten, um bei einem Hochwasser einen zielgerichteten Abfluss ohne Erosion sicherzustellen.

Harald Gerken präsentierte Archivmaterial, das Pläne von Büro- und Wohnbaracken für die Arbeiter in Etelsen zeigt. Der Transfer zur Baustelle erfolgte mit einer Dampfschienenbahn. Mit der Durchführung vor und noch während des Krieges war die Firma Gottlieb Tesch beauftragt, die für die harte Arbeit zunächst junge Männer der Gegend verpflichtete und später, als diese nicht mehr verfügbar waren, russische Kriegsgefangene einsetzte. 

Immer bessere Werkzeuge und Maschinen machten die Arbeit leichter

Als nach dem Zweiten Weltkrieg das Wirtschaftswunder einsetzte, seien Arbeitskräfte überall sehr gefragt gewesen, berichtet Gerken, und die Arbeiter auf der Kanalbaustelle hätten zu dem Zeitpunkt sehr gut verdient. Während zu Beginn die Werkzeuge und Hilfsmittel noch sehr einfach waren, konnten die Nachkriegsbaufirmen zunehmend bessere Maschinen einsetzen – Raupen- und Dieselfahrzeuge lösten Dampflok und Dampfbagger ab.

Viele Anekdoten des Zeitzeugen Harald Gerken und überlieferte Ereignisse rund um die Baumaßnahme machten den Vortrag zu einem besonderen Ereignis. Nach einer Pause folgte ein passender Filmvortrag von Wilhelm Meyer aus Etelsen, der den Abriss und Neubau der Kanalbrücke in Hagen-Grinden von 2011 bis 2012 dokumentierte. 

sch

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