Choche Ballesteros: Flucht vor der Diktatur, Corona und die Musik

Fröhlich und traurig - ein Konzert aus Langwedel

Beim Jahresabschlusskonzert des Langwedeler Kulturvereins im Dezember 2019 (so lange ist das schon her) traten Yuly Allende (li.) und Choche Ballesteros (re.) noch vor Publikum auf.
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Beim Jahresabschlusskonzert des Langwedeler Kulturvereins im Dezember 2019 (so lange ist das schon her) traten Yuly Allende (li.) und Choche Ballesteros (re.) noch vor Publikum auf.

Langwedel – Am kommenden Sonnabend, 29. Mai, beginnt um 20 Uhr das zweite Online-Konzert des Langwedeler Kulturvereins. Unter dem Motto „Lieder aus unserem Land“ interpretieren Yuly Allende (Gesang und Percussion), Choche Ballesteros (Gitarre und Gesang) und Juan José Vélez Pena an den Percussions Folklore aus Lateinamerika. Rolf Göbbert sprach mit dem gebürtigen Chilenen Jorge Ballesteros, genannt Choche, der Bremen zu seiner Wahlheimat erklärt hat, und zwar nicht nur über Musik.

Wie hast du die vergangenen Monate der Pandemie erlebt?

Choche: Ich wurde im Oktober letzten Jahres positiv auf Corona getestet. Ich war fünf Wochen im Krankenhaus und hatte Probleme mit meiner Lunge. Jetzt bin ich wieder gesund, obwohl ich Langzeitschäden behalten werde. Ich hatte während der Coronakrise keine Aufträge und keine Arbeit. Ich habe einen Antrag auf Grundsicherung gestellt und hoffe, dass es irgendwann weitergeht.

Was hat dich nach Deutschland geführt?

1979 bin ich als Folge des Putsches unter Pinochet aus politischen Gründen geflüchtet. Mithilfe von Amnesty International sollte ich nach Schweden gebracht werden. Ich machte in Amsterdam einen Zwischenstopp und eine Bekannte überredete mich nach Bremen zu kommen. Dort bin ich geblieben und habe Asyl beantragt.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Ich habe mit acht Jahren angefangen, Gitarre zu spielen, und habe nebenbei in Chile immer Musik gemacht. Ich war in Chile Buchhalter. In Deutschland habe ich auf Industrieelektroniker umgeschult und habe mich wenig später für eine Selbstständigkeit als Musiker entschieden.

Wo siehst du die Unterschiede zwischen der chilenischen und der deutschen Gesellschaft?

Die Chilenen bezeichnen sich als die Engländer Lateinamerikas. Wir stimmen in Chile gerade über eine neue Verfassung ab. Dort sind aktuell die Sozialisten und Linken vorne. Der Staat leidet unter Korruption und Vetternwirtschaft. Das macht dem Volk zu schaffen. Da ist man hier in Europa weiter.

Ist dir der Erhalt eines Wertesystems für deine Musik wichtig?

Ja, meine Musik richtete sich früher gegen die Politik des Diktators Pinochet. Ich sang sozialkritische Texte, die sich gegen die Missstände und die Willkür der Behörden richtete.

Ist lateinamerikanische Folklore in der Mitte der deutschen Gesellschaft angekommen?

Ich denke ja, denn viele ältere Mitbürger hören unsere Musik. Die lateinamerikanische Folklore ist eine Mischung aus verschiedenen Kulturen. Sie hat sowohl europäische wie auch afrikanische und indianische Wurzeln. Sie kann fröhlich aber auch traurig sein. Der Rhythmus ist anders als bei der europäischen Folklore. Die Tatsache, dass die Konzerte gut besucht werden, zeigt, dass unser Publikum lateinamerikanische Musik mag.

Das Internet-Konzert, dass der Langwedeler Kulturverein über das Internet aus dem Häuslingshaus überträgt, ist kostenlos. Besucher müssen sich für die Zoomübertragung per E-Mail an rolf.goebbert@web.de anmelden. Von hier gibt es dann die entsprechende Zoom-Einladung zurück. Wer bislang mit seinem Handy, Tablet, Laptop oder PC noch nie an einem Zoom-Meeting teilgenommen hat, dem empfiehlt der Kulturverein, sich etwa zehn Minuten vor Konzertbeginn anzumelden. Dann kann man sich das benötigte Programm noch herunterladen (das geht flott, der Nutzer wird angeleitet).

Ab 19.55 Uhr werden die angemeldeten Gäste in den virtuellen Konzertsaal eingelassen. Sollten die Veranstalter aus technischen Gründen oder aus Versehen die Mikrofone der Besucher nicht zentral stumm geschaltet haben, werden die gebeten, ihre Mikrofone auf dem Empfangsgerät selbst auszuschalten.

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