Frank Bethge ist seit 25 Jahren Leiter des Bauamtes im Flecken / Der etwas andere Langwedeler Weg

„Die Zeiten haben sich geändert“

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…und 25 Jahre später ist der Mann, der mal einer der jüngsten im Rathaus war, fast einer der ältesten. Auf alle Fälle der Dienstältesten.

Langwedel - Von Jens Wenck. Ja, sieh mal einer an: Wer ist den der junge Mann mit dem Schnäuzer da. Die digitale Welt vergisst ja angeblich nichts, aber auch wenn man alte Zeitungsbände durchguckt, kann man einen kleinen Schatz erwischen. 25 Jahre ist das her, da wurde 1990 der Amtsantritt von Frank Bethge, gerade 30 Jahre alt, als Langwedeler Bauamtsleiter vermeldet. Das wurde doch bestimmt gefeiert, oder?

„Nein, da war nichts“, meint Bethge. 2003 hat er sein 25-jähriges Dienstjubiläum im öffentlichen Dienst gefeiert. 2018 sind es schon 40 Jahre. „Da kann man mal was machen.“ Und nach 25 Jahren als Bauamtsleiter mag er auch nicht in der Zeitung eine Art Leistungsbilanz ziehen. Es soll man keiner denken, die wollten sich im Bauamt wichtig machen, was sie so alles leisten. Aber zwei Männer, die die 50 (mal mehr, mal weniger) überschritten haben, die könnten doch ein bisschen und auch öffentlich über die vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte sinnieren? „Hm. Ja. Können wir machen.“

Ob bei der Zeitung oder der Arbeit im Rathaus – in den 90-ern startete eine Geschichte namens „Internet“ erst mit langsamen Leitungen, dann aber immer schneller durch. Die Technik hat Leben und Arbeitswelt verändert. „Internet? Mails? Manchmal ein Segen, manchmal ein Fluch“, findet Bethge. Früher gab es im Rathaus noch ein Schreibbüro. Kam von einem Bürger eine schriftliche Anfrage, wurde die Antwort auf Band gesprochen, abgetippt, noch mal gelesen und dann verschickt.

„Heute kommen am Tag 30 bis 40 Mails. Teilweise halbanonym.“ Und nicht immer höflich formuliert. „Wie früher selbst vorbeikommen, die Sache Auge in Auge besprechen – das macht heute fast keiner mehr. Die Zeiten haben sich geändert.“ Auch der Umgangston in den Gremien, mit den Lokalpolitikern ist zum Teil ein anderer geworden. „Kommunalaufsichtliche Beschwerden gegen die eigene Verwaltung? Hat es früher nie gegeben. Undenkbar.“

Stimmt. Da ging es nach Sitzungen des Bauausschusses noch auf ein Bier ins Gasthaus. Der in Langwedel frische Lokalredakteur wurde gleich mit eingeladen. Da saßen dann alle – meistens Männer – einträchtig. Streiten ja, aber man musste sich hinterher in die Augen gucken können.

Oft genug kamen in den Sitzungen gewichtige Sachen auf den Tisch, die zuvor öffentlich gar nicht groß diskutiert worden waren. Abgestimmt, beschlossen, Projekt auf dem Weg. „Verdammter Langwedeler Klüngel“, hat der Reporter da anfangs geknurrt.

Frank Bethge schmunzelt. Na, ja. Es gab und gibt schon einen Langwedeler Weg, wenn man das mal mit anderen Gemeinden vergleicht. Wenn die Langwedeler Ideen oder Projekte umtreiben, dann wird erst einmal geguckt: Was geht überhaupt, finden sich Leute und ganz wichtig – Investoren, die das Ganze mittragen. Es sei doch wenig hilfreich, wenn man zu früh in die Öffentlichkeit geht und alles zerredet.

1990 hatte der Flecken Langwedel 11.200 Einwohner, heute sind es 14.600. Besonders gewachsen ist der Flecken in den 90-ern. „Da machte das Wort von ‚Boomtown Langwedel‘ die Runde.“ Die Nachfrage nach Baugebieten war riesig. „Gerade aus Bremen. Die erste Welle kam damals in Achim und Oyten an, die zweite in Langwedel.“

Und hier hat man für das Bevölkerungswachstum die passenden Infrastruktur geschaffen, Schulen, Kindergärten neu gebaut.

„Da waren in Langwedel die Bürgermeister Möller und Schindel. Joachim Stünker hat für Langwedel unheimlich viel getan. Männer im Rat wie Roseland, Intemann, Helmut Luttman, Behling – das waren noch Typen.“ Die Zusammenarbeit, das Arbeitsklima im Langwedeler Rathaus, das hat immer gestimmt und stimmt noch heute. „Und dann gab es immer Leute, die mich unterstützt haben.“ In Langwedel waren das Hans-Hermann Runne und Horst Jüntgen. „Was haben diese Leute für Langwedel nicht alles getan.“

Aber redet da heute noch einer von, würden die Namen der Mehrheit im aktuellen Gemeinderat noch was sagen? Achselzucken.

„Prägend“, so Bethge, war für ihn auch der Maler Norbert Sauer. Mit ihm hat er eine Ausstellung im Rathaus organisiert, aus der die Kulturtage wurden. Aus deren Organisation ist Bethge raus, das macht mittlerweile der Kulturverein.

Mit 55 denken so manchen schon so langsam an den Ruhestand oder Altersteilzeit… „Nee. Ich nicht“, kommt es fast empört.

Dann ist es auch langsam gut mit schnacken. Das Telefon hat zwischendurch schon ein paar Mal geklingelt. „Hier nichts los? Kenn ich gar nicht.“ Irgendwo scheint dem Jubilar, der diesmal keiner sein wollte, das auch noch zu gefallen.

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