Lagerstättenwasser: Gekürzte Studie wertlos

„No Fracking“: Maßlos enttäuscht

Völkersen - Bei der Erdgasförderung fällt immer auch so genanntes Lagerstättenwasser an. Mit dem Wasser kommen je nach Förderplatz unterschiedliche Mengen Salz und Schwermetalle an die Oberfläche – und die Erdgasproduzenten stehen vor der Frage: „Wohin damit?“

Was genau mit dem Lagerstättenwasser passiert, interessiert auch einige Bürgerinitiativen brennend.

Am besten sei, man verpresse das Lagerstättenwasser wieder dorthin, wo es herkommt, das sei die nachhaltigste und umweltverträglichste Option. Das habe jedenfalls eine Studie ergeben, versicherte die RWE-Dea Ende 2013. Zuvor hatte das Unternehmen bereits einen Antrag gestellt, in Völkersen (Düvelshagen) Lagerstättenwasser verpressen zu dürfen.

Die besagte Studie liegt jetzt in einer Kurzversion dem Völkerser Ortsbürgermeister Andreas Noltemeyer vor – der zugleich auch Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „No Fracking“ ist. Und hier ist die zusammengefasste Studie gar nicht gut angekommen. Man sei „maßlos enttäuscht darüber, was das Unternehmen mit dieser Kurzfassung der Öffentlichkeit anbietet“, heißt es in einer Erklärung der BI.

Die einzigen verwertbaren Erkenntnisse würden sich daraus ergeben, dass der Kurzfassung zu entnehmen sei, dass die Studie ausschließlich von privatwirtschaftlich orientierten Fachbüros, die teilweise schon häufiger oder länger für das Unternehmen gearbeitet haben, erstellt worden ist. Unabhängige Stellen, wie z.B. universitäre Einrichtungen, seien nicht beteiligt.

Dann ergebe sich aus der Studie noch als verwertbare Tatsache, dass im Bereich des Förderbetriebs Niedersachsen jährlich ca. 90 000 m³ Lagerstättenwasser anfallen und diese Menge in den kommenden beiden Jahren auf 130 000 m³ pro Jahr ansteigen werde. Außerdem könne man entnehmen, welche Stoffe das in Niedersachsen geförderte Lagertättenwasser konkret pro Jahr enthält: 9 600 Tonnen Salz, 1,25 Tonnen an Schwermetallen (u.a. Arsen, Blei, Quecksilber), 52,2 Tonnen an einkernigen Kohlenwasserstoffen (u.a. Benzol), und an radioaktiven Stoffen (Radium 226 + 228, Blei 210 u. Polonium 210) 4360 Mega-Bequerel pro Jahr.

Hierbei sei es in der Kurfassung der Studie nun so, dass insbesondere die Schwermetalle und radioaktiven Stoffe nicht namentlich benannt würden, sondern lediglich mit ihren chemischen Bezeichnungen, die man erst mühsam habe übersetzen müssen. Außerdem würden die einzelnen Metalle etc. mengenmäßig nicht differenziert.

Dahinter vermutet Noltemeyer als Grund, dass man sonst zum Beispiel hätte ausrechnen können, wie viel Quecksilber über Jahre hinweg im Wasserschutzgebiet bei Verden verpresst worden ist.

Das vernichtende Urteil der BI: „Die Kurzfassung ist als Grundlage für eine öffentliche Diskussion über die Entsorgungsproblematik schlicht wertlos.“

Die behaupteten Ergebnisse würden an keiner Stelle nachvollziehbar belegt bzw. auch nur ansatzweise durch Zahlen, Daten, Fakten untermauert und könnten daher auch nicht überprüft werden.

Dabei werde dem Ganzen ein in den Augen der Initiative scheinwissenschaftlicher Anstrich gegeben, indem eine sog. „Bewertungstabelle“ zu Grunde gelegt werde, die völlig unzureichend erläutert werde, zumindest in der Kurzfassung der Studie.

„Der Widerstand gegen ein Verpressen des Lagerstättenwassers, ob in Völkersen oder anderswo, wird zumindest so lange weitergehen, wie sich das Unternehmen weigert, die vollständige Studie vorzulegen“, meint Andreas Noltemeyer. · jw

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