Ausstellung „Zoom“ im ehemaligen Käsewerk Etelsen öffnet Sonntag noch einmal

Forschende Blicke

Die New York-Fotos von Sigi Brüns bilden einen Teil der Ausstellung im ehemaligen Etelser Käsewerk. Fotos: Hägermann

Etelsen - Von Bernd Hägermann. Die Ausstellungen im ehemaligen Betriebsgebäude des Etelser Käsewerkes sind gewöhnlich kurze Vergnügen. Sie dauern nur ein Wochenende, aber wirken länger nach. Diesmal zeigten drei Künstlerinnen ihre Werke. Sigi Brüns, Stephanie Roscher und Monika Jessing sind im Leben freundschaftlich verbunden und waren es für dieses Wochenende auch künstlerisch-thematisch. Gezeigt wurden Exponate aus den Bereichen Malerei, Mode und Fotografie.

Letztgenannte war Ausstellungsschwerpunkt und titelgebend. „Zoom“ benennt ein Objektiv, das Fotografen die Möglichkeit verschafft, im Handumdrehen Perspektiven zu verengen oder zu erweitern. Zur Ausstellung sprach Christina Duckwitz. Sie arbeitet als Museumspädagogin an der Kunsthalle Bremen und ist vertraut mit den Arbeiten der drei Künstlerinnen.

Sigi Brüns erfüllte sich in diesem September einen Traum. Sie reiste nach New York, um dort auf den Straßen zu fotografieren. „Dafür ist New York ein Paradies.“ Namhafte Fotografen haben dort ihre Karriere begründet. Nur einige: Winogrand, Meyrowitz, Gilden, der den Leuten sogar sein Blitzlicht ins Gesicht knallte, ohne Schwierigkeiten zu bekommen.

Sigi Brüns ging behutsamer vor. Sie fotografierte Paketzusteller, Kunststoffdinos, einen ausgestopften Schaufensterbären, Lichtreklamen, Gebäudefassaden oder Passanten. Dabei lief ihr auch eine Frau über den Weg, die betont lange Wimpern trug so wie die Anmutung einer Amy Winehouse. In den Fotos von Brüns ist die Bildschärfe von nachrangiger Bedeutung. Viel wichtiger sind ihr Spontanität und atmosphärische Verdichtungen.

Monika Jessing zeigte Mode und Fotografien. Die Bilder sind „en passant“ entstanden – beiläufig womöglich, aber nicht beliebig. Im Gegenteil. Jessings kunstfertiges Spiel ist das mit der Bewegung von Kamera und Motiv. Die Fotos überzeugen mit strahlender Farbigkeit, mit guter Komposition und entfalten ihre ganze Wirkkraft in Serie. So sind sie im Etelser Käsewerk gehängt. Dabei werden Assoziationen geweckt und Bezüge zu Malern wie Rothko oder Yves Klein deutlich. Als Fotografin ist Jessing ihnen auf der Spur.

Bei Stephanie Roscher lacht dem Betrachter die Natur entgegen. Erkennbar ist der gestalterische Wille, im Park oder andernorts mehr zu entdecken als das Offensichtliche. Roscher taucht ein in Makrowelten oder gewichtet die Zwischenräume von winternacktem Geäst. Darin sind unzählige Formen zu entdecken. Die Suche lohnt.

Die Ausstellung „Zoom“ erfordert forschende Blicke und erlaubt weitere. Die Ausstellung wird diesmal verlängert. Am Sonntag, 10. November, ist sie in der Zeit von 14 bis 17 Uhr noch einmal für die Öffentlichkeit zugänglich.

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