Alle bekommen in Langwedel die Kurve

Flüchtlingshilfe bringt Syrerinnen und Kenianerin Radfahren bei

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„Vorsicht auf dem nassen Untergrund!“ Katja Brammer, Kontaktbeamtin bei der Polizei Achim, gibt den Flüchtlingsfrauen beim Training auf dem Cluvenhagener Sportgelände wichtige Hinweise. Ingrid Künzel (l.) von der Flüchtlingshilfe Langwedel hat den Kurs organisiert.

Langwedel - Jedes Kind lernt in Deutschland selbstverständlich Fahrrad fahren, aber das ist nicht überall auf der Welt so. „Insbesondere Musliminnen bekommen das meist nicht vermittelt“, weiß Katja Brammer, Kontaktbeamtin bei der Polizei Achim. Die Flüchtlingshilfe Langwedel hat jetzt vier Frauen aus Syrien und eine Kenianerin zu Radfahrerinnen gemacht.

„Das klappt doch schon super“, lobte Initiatorin Ingrid Künzel gestern die auf dem Kunststoffplatz im Lesseler Holz in Cluvenhagen ihre Runden drehenden Schützlinge. Nur hin und wieder muss eine Radfahrerin auf dem nass-rutschigen Untergrund mal abstoppen, weil sie sonst die Kurve nicht bekommt. Seit Montag haben die Asiatinnen und die Afrikanerin laut Künzel jeden Tag jeweils zwei Stunden auf dem Sportgelände geübt.

Etwas Angst vor den vollen Straßen

Die ehrenamtliche Helferin, die auch diesen zweiten Kurs für Flüchtlingsfrauen aus dem Flecken Langwedel organisiert hat, freut sich, dass sie dabei von vielen Kräften unterstützt wird. Mit Polizistin Brammer ist sogar eine Expertin für Verkehrsfragen dabei, die wiederum Wilhelm von der Höhe, Vorsitzender der Achimer Gruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, für die Aufgabe in Cluvenhagen gewonnen hat.

Hier ist Wilhelm von der Höhe vom ADFC Achim mit einer Syrerin und einer Begleiterin auf der Straße unterwegs.

Wie alle anderen ist der 67-Jährige mit viel Herzblut, aber eben auch Fachwissen dabei. „Am Anfang haben wir die Pedalen abgenommen, damit die Teilnehmerinnen das Gleichgewicht zu halten besser trainieren konnten“, berichtet von der Höhe.

Hanaa Almasir, die 2015 aus Aleppo nach Deutschland flüchtete, bewegt sich zum Ende der Kurswoche schon recht sicher mit dem Fahrrad. Warum sie dabei ist? Sie wolle zum Einkaufen oder zum Arzt radeln und auch mit Mann und Tochter gemeinsame Touren unternehmen. „Ich habe aber ein bisschen Angst auf der Straße zu fahren, weil da viele Menschen unterwegs sind“, verrät die 34-Jährige. Als sie wenig später zusammen mit Begleitern vom Übungsgelände rollt, um genau das zu trainieren, ruft ihr Katja Brammer aufmunternd zu: „Ganz ruhig, Hanaa, du schaffst das!“

Die Räder, mit denen die Syrerin und die anderen fit für den Straßenverkehr gemacht werden, stammen aus der Fahrradwerkstatt in Nindorf, die von Flüchtlingen betrieben wird. Die gespendeten und aufgearbeiteten Vehikel dürfen die fünf Frauen behalten. „Sie mussten dafür aber einen kleinen Betrag bezahlen“, fügt Künzel an, „damit sie diese Errungenschaft auch wertschätzen.“

mm

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