„Der Flecken schreit nach innerörtlicher Verbindung“

Initiative will Bürgerbus in Langwedel auf Weg bringen

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Wolfgang Ewert, Sprecher der Bürgerbus-Initiative Langwedel, hat schon einen groben Plan erarbeitet, wo der Bürgerbus entlangfahren könnte. Doch erst einmal will die Initiative wissen, ob der Bus überhaupt gewünscht wird.

langwedel - „Der Flecken Langwedel schreit nach innerörtlicher Verbindung und an die Anbindung an bestehende Buslinien“, so lautet das Fazit der Langwedeler Bürgerbus-Initiative. Denn die Bestandsaufnahme des öffentlichen Nahverkehrs hat ergeben, dass es zwar Bahn- und Busverbindungen nach Bremen, Achim und Verden gibt, doch die innerörtliche Verkehrsanbindung, beispielsweise zu Ärzten, zum Einkaufen, zu Sport und Kultur fehle, sagt Sprecher Wolfgang Ewert. Dafür sei der Bürgerbus perfekt geeignet.

Der Bürgerbus ist ein zusätzliches Angebot im öffentlichen Nahverkehr, ein Linienbus mit acht Sitzplätzen. Acht Sitzplätze, weil für Wagen mit bis zu acht Plätzen kein Busführerschein benötigt wird, der Kleinbus also mit ganz normalem Autoführerschein gefahren werden darf. Die kleinen wendigen Busse bieten Platz für Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen, die über eine Rampe in den Bus gelangen.

„Bürger fahren für Bürger“ – nach dem Prinzip werden die Bürgerbusse gefahren. Heißt: Hinter dem Steuer sitzen ehrenamtliche Fahrer, meist Bürger aus der Gemeinde. Wie die großen Linienbusse verkehren auch Bürgerbusse nach Fahrplan und zum im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) gültigen Tarif. Sie bringen Fahrgäste aus abgelegenen Orten zu den Haltestellen der bestehenden Linien und zum Bahnhof. Damit wird Menschen ohne Auto, aber auch Senioren und Behinderten mehr Selbstständigkeit ermöglicht, Kinder und Jugendliche können außerhalb der Schulzeit Freundschaften pflegen, Vereine und Veranstaltungen besuchen, und es gibt Gelegenheit für sinnvolles ehrenamtliches Engagement. Ein Verkehrsunternehmen unterstützt den Verein.

Doch bis zur Vereinsgründung dauert es in Langwedel noch ein wenig: Ewert und seine Mitstreiter, Ortsbürgermeister und -vorsteherin sowie drei Bürger, die er namentlich nicht nennen möchte, bereiten momentan den Fragebogen vor, der im Frühjahr an alle Haushalte im Flecken verteilt werden soll. Fragen, um Kenntnis darüber zu erhalten, wann und wie die Bürger von A nach B kommen – kurz gesagt, um zu erfahren, ob der Bürgerbus gebraucht wird.

„Wir hoffen, dass die Ergebnisse der Fragebogenaktion bestätigt, dass Bedarf vorhanden ist“, sagt der Cluvenhagener. Dass innerörtliche Verbindungen fehlen, verdeutlichten die anstehenden Bauarbeiten der Bahn, sagt er: 800 Meter beträgt der Weg, den Fahrgäste vom Etelser Bahnhof zur Haltestelle des Ersatzbusses an der Bremer Straße gehen müssen, 300 Meter sind es vom Langwedeler Bahnhof zur Haltestelle an der Großen Straße.

Sammelboxen für ausgefüllte Fragebögen

Damit jeder Einwohner erkennt, dass es sich bei dem Fragebogen um eine wichtige Wurfsendung handelt, soll das Gemeindewappen aufgedruckt und der Bogen von der Gemeinde verschickt werden, hat Bernd Michallik als „einfacher Bürger“ beantragt. Er rechnet mit Kosten in Höhe von 2500 Euro, die in den Haushalt für dieses Jahr eingestellt werden mögen. „Für den Rücklauf der ausgefüllten Fragebögen sollten in ortsansässigen Betrieben oder öffentlichen Einrichtungen Sammelboxen aufgestellt werden“, beantragte er ebenfalls. Das Thema wird am Montag, 29. Januar, im Verkehrsausschuss beraten.

Ob ein Bürgerbus, hier der des Vereins Bürgerbus Samtgemeinde Thedinghausen, auch bald durch den Flecken Langwedel fährt?

Derzeit arbeiten um die acht Leute in der Initiative mit. „Für den Anfang reicht das, doch wir brauchen bald weitere Mitstreiter“, wirbt Ewert um Interessenten. Es kommt mehr Arbeit auf die Bürgerbusler zu, unter anderem müssen Sponsoren geworben, Gespräche mit Ärzten wegen der Gesundheitsuntersuchungen der künftigen Fahrer geführt, der passende Bustyp ausgewählt und der Fahrplan entwickelt werden. Was Letzteres betrifft, haben Ewert und sein Team schon einige Vorarbeit geleistet. Basierend auf dem Ergebnis der eingangs erwähnten Bestandsaufnahme könnten drei Linien bedient werden. Die erste könnte Steinberg, Etelsen, Cluvenhagen und Hagen-Grinden miteinander verbinden, die andere Langwedel, Förth, Nindorf, Holtebüttel, Dahlbrügge, Völkersen und Haberloh. Die dritte Linie könnte die beiden Linien miteinander verknüpfen.

Bürgerbus erst in einem Jahr

Aber das ist noch Zukunftsmusik. Erst einmal müssen die Fragebögen verschickt werden. Stellt sich heraus, dass die Langwedeler den Bürgerbus wollen, steht die Vereinsgründung an. Ewert schätzt, dass der Bus frühestens im kommenden Jahr seinen Betrieb aufnimmt, und ergänzt: „Wir lassen uns nicht hetzen.“

Wer in der Bürgerbus-Initiative mitarbeiten möchte, meldet sich bei Wolfgang Ewert unter Telefon 04235/ 8465.

is

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