Ingrid Meinking findet historische Postkarte

Flamingos vor dem Etelser Schloss

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Etelsen – Elefanten auf der Bahnhofstraße, Flamingos auf dem Parkgelände und Löwen im Mausoleum – was heute wie ein bizarrer Traum klingt, war in Etelsen Anfang der 60er-Jahre Realität. Ingrid Meinking erinnert sich noch ganz genau an die Zeit, als der Schlosspark ein Tierpark war. „Ich habe gegenüber vom Schloss gewohnt und bin früher viel dort gewesen“, erzählt die alteingesessene Etelserin, die damals Anfang 20 gewesen sein muss. „Als junge Mutter war ich oft mit meiner Nachbarin, die auch Kinder hatte, im Park spazieren.“ „Park“, nicht etwa Tierpark, habe es schlicht geheißen. „Als die Kinder laufen konnten, war es mit dem Park schon wieder vorbei“, erinnert sie sich.

Beim Aufräumen – für so viele in der Corona-Zeit eine beliebte Beschäftigung – fand Ingrid Meinking eine alte Postkarte, die diese Erinnerungen zurückbrachte. Das Motiv zeigt etwa vier Dutzend Flamingos, die wie selbstverständlich vor dem Panorama des Etelser Schlosses dahinschreiten und ihre langen Hälse in die Höhe recken. Vor dem Schloss sind auch einige Menschen zu erkennen.

„Da gab es eine Terrasse, auf der man Kaffee trinken konnte“, erinnert sich die 83-Jährige. Wie ein mittlerweile vergriffener Bildband über die Geschichte des Schlosses Etelsen zeigt, gab es im Cafégarten 1500 Plätze. Zudem beherbergte der heutige Konzertsaal im Schloss ein Restaurant, ein Café und eine Tagungsstätte. Die Einrichtung war im Stil der 50-er Jahre gehalten, Jagdmotive zierten die Wände.

Das weckt Erinnerungen: Ingrid Meinking fand die Postkarte in einer Schachtel mit anderen alten Bildern.

Und der Schlosspark Etelsen war damals auch überregional eine beliebte Adresse, erzählt Meinking: „Die Leute sind mit Bussen aus Bremen gekommen.“ Vom Fenster ihres Elternhauses aus habe sie manchmal die Menschenscharen aus den Fahrzeugen steigen sehen. Ein bemerkenswerter Anblick an der damals noch wenig befahrenen Durchgangsstraße.

Am 24. Februar 1960 wurde der „Tierpark Schloss Etelsen“ eröffnet. Tierparkbesitzer war in der Zeit von 1959 bis 1965 der Bremer Kaufmann Alwin Trey. Er ist ebenfalls im Bildband fotografisch festgehalten, neben sich ein Kamel am Halfter haltend.

Ingrid Meinking erinnert sich zudem, dass das Eingangstor, das etwas versetzt zur heutige Lage stand, mit diversen Tierfiguren verziert war. „Tägliche Raubtierdressuren, Flamingos, Kamele, Wasserbüffel, Bisons, Zebus, Lamas, Antilopen, Wapitis (eine Art Hirsch, Anm. d. Red.), Yaks und Löwen (im Mausoleum) sowie Modenschauen auf einer Bühne im Schlossgarten sorgten für entsprechende Attraktionen“, heißt es in dem Fotobuch.

Weiter findet sich in dem Druckerzeugnis sogar ein Lageplan des ehemaligen Zoos. Daran lässt sich erkennen, wo die exotischen Tiere jeweils gehalten wurden. Eingezeichnet ist nicht nur die Raubtiergrotte im Mausoleum, sondern auch eine Gibbon-Insel, die in direkter Nachbarschaft zur Flamingowiese gewesen sein müsste. Es könnte also sein, dass der Fotograf von Ingrid Meinkings Postkarte genau auf diesem (vielleicht erst später eingerichteten) Affengehege gestanden hat.

Aber der Zoo hielt sich nur knapp fünf Jahre. Einst als Attraktion gestartet, ließ das Besucherinteresse im Laufe der Jahre nach. Die Geschäfte liefen immer schlechter – und auch ein versuchsweise eingeführter Spielcasinobetrieb konnte das Ende des Tierparks nicht abwenden.

„Viele Etelser kennen die Geschichte“, sagt Meinking. „Aber diejenigen, die jetzt neu zugezogen sind, haben das alle noch nicht gesehen.“ Heute ist der Park vor allem für seinen Baumbestand bekannt, den der Schlossparkverein Etelsen pflegt und zu dessen Erhalt schon viele Etelser mittels Baumspenden beigetragen haben.

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