Gemeindefeuerwehr will sich durch Alarmpläne besser wappnen

Nach dem Brand in Notre-Dame: Feuerfalle St.-Sigismund-Kirche?

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Das Osterfeuer an der Alten Aller stellt keine Bedrohung für die Daverdener Kirche dar – auch wenn das hier anders erscheint.

Daverden - Von Michael Mix. Notre-Dame, die große Kathedrale in Paris, stand am Montag lichterloh in Flammen, ist beim Großbrand stark beschädigt worden. Im Flecken Langwedel gibt es zwar nicht ein derart weltberühmtes Gotteshaus, aber mit der evangelisch-lutherischen Kirche St. Sigismund in Daverden immerhin einen Sakralbau, der Ende des zwölften Jahrhunderts auf dem Geestrücken über dem Tal von Aller und Weser errichtet wurde und damit zu den ältesten Kirchen im Kirchenkreis Verden zählt. Was ist, wenn es dort brennt? Und droht dieses gespenstische Szenario sogar ausgerechnet zu Ostern, dem höchsten Fest der Christenheit?

Das Osterfeuer, das am Samstagabend von der Landjugend an der Weißen Brücke entzündet wird, stelle für die Kirche keine Gefahr dar, sagt Stefan Jathe, Daverdens stellvertretender Ortsbrandmeister, auf Nachfrage. Zwischen dem Veranstaltungsort für das Brauchtum an der Alten Aller und dem mittelalterlichen Bauwerk lägen „viele hundert Meter Entfernung“. Selbst von dem Osterfeuer ausgehender Funkenflug könne der Kirche, die St. Sigismund, einem Burgundenkönig aus dem sechsten Jahrhundert, der von der katholischen Kirche als Heiliger verehrt wird, geweiht ist, nichts anhaben. Im Übrigen seien Kräfte der Feuerwehr zur Sicherheit vor Ort.

In Brand geraten kann eine Kirche aber natürlich auch aus anderen Gründen. Ist die örtliche Feuerwehr auf solch einen Ernstfall vorbereitet?

Eine Brandschutzübung hat es an St. Sigismund schon lange nicht mehr gegeben. Vor mehr als 20 Jahren sei die Daverdener Feuerwehr dort mal probeweise im Einsatz gewesen, erinnert sich Jathe. Einzelheiten wisse er aber nicht mehr.

Im Fall eines tatsächlichen Brandes in dem Backsteinbau mit seinem 24 Meter hohen Glockenturm sei die Truppe bisher nicht optimal gewappnet, räumen Jathe und Ortsbrandmeister Hartmut Puvogel ein. Aber für alle gewerblichen Gebäude im Flecken Langwedel und größere, schützenswerte Objekte wie die Kirche werde die Feuerwehr in der Gemeinde demnächst sogenannte Alarm- und Einsatzpläne erstellen. Damit könnten der Brandschutz und die -bekämpfung im Einzelfall deutlich verbessert werden, sind sich Puvogel und Jathe, der im Mai neuer Daverdener Ortsbrandmeister wird, einig.

Mit der Aufgabe ist federführend ein Mitglied der Ortsfeuerwehr Langwedel betraut. Heiko Kruse, vom Feuerwehrkommando im Flecken zum Gemeindesicherheitsbeauftragten ernannt, will die Pläne in den kommenden Monaten „in Absprache mit den Ortsbrandmeistern“ in die Tat umsetzen.

Unabhängig vom Drama in Paris solle damit eine Lücke im Hinblick auf die gewachsenen gesetzlichen Anforderungen auf diesem Sektor geschlossen werden. Denn für gewerbliche Neubauten und öffentliche Einrichtungen, die heutzutage entstehen, liefern nach Angaben von Kruse bereits die Architekten die Brandschutzpläne gleich mit.

Daten, die im Ernstfall entscheidend sein können. Denn wenn es gilt, Menschen, Tiere oder Sachgüter vor Flammen oder beißendem Qualm zu retten, kommt es auf jede Minute oder mitunter sogar auf jede Sekunde an.

Deshalb werden in den Alarm- und Einsatzplänen laut Kruse zum Beispiel „besondere Gefahrenpunkte“, wie Depots von gefährlichen Stoffen, die Lage von Gashähnen oder die Löschwasserversorgungsmöglichkeiten rund um ein Objekt aufgelistet, aber auch dortige Ansprechpartner „rund um die Uhr“ und etwaige Schlüsselaufbewahrungsorte benannt. Zudem würden geeignete Sammelplätze für die Einsatzkräfte oder die beste Parkposition für eine Drehleiter dargelegt.

Sollte es in der St.-Sigismund-Kirche, in der ein wertvolles Gemälde von Fritz Mackensen hängt, brennen, würde die Daverdener Feuerwehr von benachbarten Kräften unterstützt, sagt Kruse. Der bei der Rettungsleitstelle des Landkreises eingehende Anruf, der über ein Geschehen informiert, spiele bei einer Alarmierung eine wesentliche Rolle.

„Beim Einsatz ist es wichtig zu wissen, ob etwa Menschen während eines Gottesdienstes in Gefahr sind“, erläutert Heiko Kruse. „Oder ob das Feuer im weitgehend hölzernen Dachstuhl wütet und dadurch innerhalb kürzester Zeit enormen Schaden anrichten kann.“

Bei einem Turmbrand, ergänzt Kruse, würden die Drehleitern der Feuerwehren Verden und Achim anrücken. Kämen die aber nicht nahe genug an das Flammenmeer heran, müsste notfalls „spezielles Equipment“ angefordert werden. Das Mercedes-Werk in Bremen, konkretisiert Heiko Kruse mit Blick auf den Daverdener Kirchturm, verfüge über einen „Spezialmasten mit einer 50-Meter-Hubbühne“.

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