Fehlerhafte Abwassermessungen: Langwedeler wollen von Verden Geld zurück

Rat auf Konfrontationskurs

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Im Klärwerk Verden landen die Abwässer aus dem südlichen Flecken Langwedel. Gezahlt wird dafür von den Langwedelern nach dem Grad der Verschmutzung ihrer Abwässer – und da wurde in den vergangenen Jahren falsch gemessen. Archiv-

Langwedel - Für die Langwedeler Bürger hatte der Langwedeler Gemeinderat auf seiner letzten Sitzung des Jahres 2015 noch eine gute Botschaft: Einstimmig wurde am Montagabend beschlossen, die Abwassergebühren kräftig von 3,03 Euro auf 2,60 Euro zu senken. Das aber hat so gar nichts mit weihnachtlicher Schenkfreude zu tun und friedvolle Stimmung mochte sich im Rat des Flecken Langwedel auch nicht wirklich einstellen, als es um die Stadt Verden und deren Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung, also das Klärwerk, ging.

Die Verdener entsorgen für die Langwedeler einen Teil ihrer Abwässer, stellen dafür ihre Leistung nach dem Grad der Verschmutzung in Rechnung. Seit 2011 gingen die Forderungen der Stadt Verden an Langwedel kräftig in die Höhe. Was im Rat des Flecken alle Jahre wieder zu Unglauben und Protesten führte. Die Grünen legten Beschwerden ein und riefen die Kommunalaufsicht an, die WGL „hat schon früh in einem Antrag eine gutachterliche Prüfung gefordert“, so Gerd Landzettel von der Wählergruppe.

Die Prüfung hat es in diesem Jahr gegeben, der Flecken Langwedel hatte die Firma hanseWasser aus Bremen mit einer Messkampagne und Langzeitproben beauftragt. Ergebnis: Wenn aus Langwedel erheblich verschmutzte Abwässer in Richtung Verden unterwegs sind, kann man nicht ein Unternehmen allein dafür verantwortlich machen. Die im Rat sinngemäß geäußerte Klage „Einer macht den Dreck und alle müssen zahlen“ stimmt so nicht, es sind mehrere Großeinleiter am Werk.

Gemessen hat hanseWasser aber nicht nur an mehreren Stellen im Flecken. Nach gleichzeitigen Messungen in Langwedel und dem Klärwerk Verden, die im Ergebnis komplett und massiv auseinander liefen, stellte man Untersuchungen auf der Kläranlage in Verden an.

„Es bleibt festzustellen, dass das seit 2011 auf der Kläranlage installierte Messgerät direkt am Zulauf angeordnet war und somit durch Verwirbelungen zu erhöhten Messergebnissen geführt hat“, heißt es dazu in einer Beratungsvorlage für den Langwedeler Gemeinderat.

Dass falsch gemessen wurde, sieht man auch bei der Stadt Verden so. Was das Jahr 2014 anbelangt. Hierfür haben die Verdener den Langwedelern eine Erstattung von 42.321,09 Euro angeboten.

„Nur auf den ersten Blick ein verlockendes Angebot“, befand Gerd Landzettel. „Hier geht es um das Geld der Langwedeler Gebührenzahler.“ Folglich seien auch die Jahre 2011 bis 2013 mit einzubeziehen. Hier nahm man sich bei der WGL die Mittelwerte der Abwasserabrechnung aus den Jahren 2005 bis 2010 zu Hilfe und kam unter dem Strich auf eine Summe von 225.842 Euro, die die Stadt Verden an den Flecken Langwedel an zuviel erhobenen Gebühren zurück zu zahlen hätte. „Das ist wahrscheinlich noch günstig gerechnet. Das Verden uns hier mit 42.000 Euro abspeisen will, ist eine Zumutung.“

Dass die Nachbarn aus der Domstadt dann auch noch weiter auf Abschlagszahlungen in der Höhe der vergangenen (falsch gemessenen und berechneten) Jahren bestehen, sorgte im Langwedeler Rat noch für zusätzlichen gehörigen Unmut. „Eine Berechnung nach Gutsherrenart ist nicht mehr drin“, erklärte Hans-Ulrich Knopp (SPD). Man sollte „sich nicht vor einer Auseinandersetzung scheuen“, meinte Thomas Maruhn (CDU). „Verden muss ordnungsgemäße Abrechnungen erstellen“, so Gerd Landzettel (WGL).

Und zwar für die Jahre 2011 bis 2014. Genau für diesen Zeitraum will man dann auch Rückforderungen gegen über der Stadt Verden geltend machen, die rund 42.000 Euro für 2014 allein reichen dem Rat nicht. Der fasste seinen Beschluss einstimmig, der auch „unverzüglich“ an die Kommunalaufsicht beim Landkreis Verden weiter gegeben werden soll. Letztere sieht man in Langwedel als Schiedsrichter mit im Boot.

jw

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