Am Hang vertrocknen die Buchen

Baumkletterer im Schlosspark Etelsen

Mit Kettensäge im Gepäck schickt sich Jakubowski an, seitliche Äste zu entfernen.
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Mit Kettensäge im Gepäck schickt sich Jakubowski an, seitliche Äste zu entfernen.

Etelsen – Das Geräusch von Motorsägen hallt unüberhörbar vom Mausoleum im Schlosspark Etelsen herüber. Wenige Momente später stürzt ein gut 20 Meter hoher Baumriese in die Schneise am Hang. Der Flecken Langwedel hat die Firma Hünecke aus Bierden beauftragt, um mithilfe von Baumkletterern zwei alte Buchen zu fällen. Sie waren wegen der Hitze der vergangenen drei Sommer trockengefallen.

„Das betrifft besonders die Bäume am Hang, weil sich hier bei Regen das Oberflächenwasser nicht halten kann“, erklärt Andreas Brandt, Bürgermeister des Fleckens Langwedel und zugleich Vorsitzender des Schlossparkvereins.

Die Gemeinde lässt jährlich die Bäume im Schlosspark überprüfen, denn im öffentlichen Raum hat sie die Verkehrssicherungspflicht. Und das trockene Gehölz könne aufgrund seiner beachtlichen Höhe bei ungünstiger Witterung eine Gefahr für Spaziergänger, Jogger und andere Parkbesucher darstellen, sagt Brandt und empfiehlt: „Um sicher zu gehen, sollten Spaziergänger bei Wind oder Sturm den Park nicht besuchen.“ Schäden durch herabfallende Äste habe es bislang nicht gegeben, „auch im Straßenbereich nicht“.

Zur Baumprüfung kommt die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Verden in den Schlosspark. Zu fällende Bäume werden mit einem Kreuz gekennzeichnet. Müssen an einem Baum nur einzelne Äste weg, erhält er eine Punkt-Markierung.

Auch am Mausoleum befinden sich einige solcher „kopflastigen“ Exemplare. Bei den Arbeiten sind zwei zertifizierte Baumkletterer im Einsatz. „Das müssen wir zu zweit machen, obwohl meist nur einer im Baum arbeitet. Bei gefährlichen Situationen muss aber jemand unten schnell reagieren können“, sagt Arne Christiansen. Natürlich ist sein Kollege Julian Jakubowski beim Ästeabsägen mit einem Klettergurt gesichert. Während er im Baum nach Halt sucht, schickt ihm Christiansen die Kettensäge in einer Seilschlaufe nach oben. Stück für Stück sägt er dann die über den Weg bis zur Mauer des Gebäudes gewachsenen Äste ab.

„Wir wollen die Wege nicht ruinieren, daher die Kletterer“, erklärt Geschäftsinhaber Heinrich Hünecke. Die Pflege der Wege übernimmt der Schlossparkverein, den auch Manfred Köster viele Jahre tatkräftig unterstützt hat. „Wir haben die Wege so angelegt, wie sie ursprünglich waren. Wo jetzt der Schlosspark ist, war früher ein reiner Buchen- und Eichenwald“, erzählt Köster. Etwa 75 Prozent Buchen, schätzt der Etelser. Das Alter der beiden nun gefällten Baumgiganten schätzt er auf 200 bis 250 Jahre. Köster zufolge haben es Buchen als Flachwurzler schwer, in abschüssiger Lage zu gedeihen.

Die Fallrichtung der Bäume dürfe man nicht dem Zufall überlassen, so Hünecke. Schon ein Windstoß könne dafür sorgen, dass das historische Gemäuer des Mausoleums beschädigt wird. Damit der Baum sich genau in die andere Richtung neigt, nutzen die Fachleute Seile und eine Art Flaschenzugsystem.

Nach rund vier Stunden haben die Kletterer ihren Auftrag erledigt. Ihre Ausrüstung nehmen sie mit – das Holz der gefällten Bäume haben sie teilweise zersägt, aber nicht aufgeräumt. „Die Natur muss sich wieder selber entwickeln“, sagt Andreas Brandt. Die zurückgelassenen Stämme dienen Tieren und Pflanzen als Lebensraum. Das sieht man auch an anderen Stellen des Parks. Manfred Köster deutet auf einen hohlen Baum, den der Landkreis nicht zum Fällen freigegeben hatte. Dort habe sich zwischenzeitlich der Specht eingenistet, „aber nun wohnt da wohl ein Eichhörnchen“. Etwa zehn bis zwölf Bäume müsse die Gemeinde jährlich wegnehmen. Für Nachwuchs ist gesorgt: „Der Schlossparkverein pflanzt im Herbst 2021 neue Bäume“, so Köster.

Von Lisa Duncan

Gut gesichert zieht sich Julian Jakubowski nach oben.
Die Fachleute zersägen den Baum, überlassen aber den Großteil der Natur.
Freier Blick auf das unversehrte Mausoleum.

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