Oberschülerinnen und Oberschüler pflegen Gedenkstein / Nachfolger gesucht

Daverden „Es ist erschreckend“

So – erst das das Foto machen, dann wird von den Oberschülerinnen und Oberschülern rund um den Gedenkstein für die Zwangsarbeiterkinder neu gepflanzt.
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So – erst das

Daverden – Es klingt vielleicht anfangs komisch, war aber so: Durchaus mit einem gewissen Maß an Begeisterung besuchten Schülerinnen und Schüler der Oberschule Langwedel den Friedhof in Daverden – und kümmerten sich um Blumenschmuck rund um den Gedenkstein für 23 gestorbene Kleinst- und Kleinkinder von Zwangsarbeiterinnen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Die jungen Leute im Alter von 13 bis 15 Jahre sind im Wahlpflichtkurs (WPK) Politik von Lehrer Derik Eicke – und sie waren nicht zum ersten Mal beim Gedenkstein in Daverden.

„Vor zwei Jahren hatten wir in der Oberschule einen Stand aufgebaut und dort Kuchen sowie Waffeln verkauft“, erklärt Baran. Vom Verkaufserlös, immerhin 120 Euro, wurden zweimal im Jahr die Blumen für eine Bepflanzung gekauft. „Dieses Geld ist nun aufgebraucht“, berichtet Derik Eicke.

„Es ist erschreckend, dass die Kinder gestorben sind“, so Baran. „Sie wurden umgebracht, da sie von Zwangsarbeiterinnen geboren wurden. Die Kinder waren höchstens zwei Jahre alt, manche wurden nicht einmal ein Jahr alt. Sie starben in einer sogenannten Verwahranstalt in Cluvenhagen. Das war ein ehemaliger Schweinestall. Beerdigt wurden sie dann auf dem Daverdener Friedhof. Seit einigen Jahren erinnert ein Gedenkstein auf dem Friedhof an das Schicksal der Kinder.“ Man merkt, an der Oberschule in Langwedel steht auch regionale und lokale Geschichte auf dem Lehrplan – und hinterlässt Eindruck.

„Dieses Thema hat uns relativ schnell mitgenommen. Wir haben nicht nur zweimal jährlich die Blumen gepflanzt, sondern wir haben auch zu Weihnachten einen kleinen Tannenbaum vor den Gedenkstein gestellt. Der hatte sogar Weihnachtskugeln“, erzählt Lennox. „Rund um eine Laterne wurden auch 23 Teelichter gestellt“, Aber nicht die umweltfeindlichen Sorten. „Wir legen Wert auf Nachhaltigkeit“, führt Lennox weiter aus.

Deswegen sollte der Blumenschmuck vor dem Gedenkstein bienenfreundlich sein. „An der Schule haben wir auch ein Insektenhotel gebaut“, ergänzt Lennox mit Stolz.

Bei der aktuellen kleinen Pflanzaktion auf dem Daverdener Friedhof halfen sich Schülerinnen und Schüler, die Blumen aus den Töpfen zu bekommen, ohne die Wurzeln zu beschädigen. Danach wurde noch Pinienrinde ausgebracht und die kleine Fläche damit aufgehübscht.

Derik Eicke bedankte sich vor allem bei Friedhofsgärtner Werner Diekmann, der am Tag zuvor die Fläche vor dem Gedenkstein hergerichtet und auch in den Vorjahren die Aktion der Jugendlichen nach Kräften unterstützt hatte.

In das Blickfeld und das Interesse der Jugendlichen geriet der Daverdener Friedhof übrigens wegen seines Ehrenfriedhofes am Rande der Geestkante. Hier sind Tafeln mit den teilweise sehr, sehr jung Gefallenen der Weltkriege angebracht und Soldaten bestattet, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges in Daverden fielen. Manche von ihnen waren kaum älter als die heutigen Oberschüler.

Vielleicht gibt es im kommenden Jahr wieder einen Politik- oder Geschichtskurs, der sich um den Gedenkstein in Daverden kümmern mag – hofft Derik Eicke.  whu

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