Tanz des Angeklagten endet in Haft

Erfundener Krebs und andere Lügen

Langwedel/Verden - Vom gut gelaunten Entertainer war bei dem Angeklagten nichts mehr zu erkennen. In Selbstmitleid zerfließend saß der selbstständige Tanzveranstalter auf der Anklagebank des Landgerichts Verden.

Der 53-Jährige aus Peine hat sich wiederholt des vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis schuldig gemacht. Um die Berufungsverhandlung zu verhindern, hatte er dem Gericht sogar ein gefälschtes Attest vorgelegt. Doch zulange ist er der Justiz auf der Nase herumgetanzt. Sechs Monate muss der Mann nun in Haft.

Eine Fahrt zu einer Tanzveranstaltung in einer Langwedeler Gaststätte im Dezember 2015 ist dem Angeklagten zum Verhängnis geworden. Seine damalige Freundin begleitete ihn, warum nicht sie gefahren ist, blieb offen. Zwei Männer, darunter ein ehemaliger Geschäftspartner oder Mitarbeiter, geklärt wurde auch dies nicht, hatten sich vor dem Lokal auf die Lauer gelegt.

„Sie planten, den Angeklagten des Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu überführen, um sich für dessen früheres Verhalten zu revanchieren“, stellte das Amtsgericht Achim im Juni 2016 fest. Mit einem Handy filmten sie wie der Angeklagte in seinem Mazda vorfuhr und ausstieg. Die Freundin soll gegenüber der Polizei zunächst noch behauptet haben, dass sie gefahren sei. Doch sie war die Beifahrerin.

Anfechtung des ersten Urteils

Das erstinstanzliche Urteil wurde von dem 53-Jährigen angefochten, aber nur hinsichtlich des Strafmaßes. Schon vor Beginn der Berufungsverhandlung bei der 5. Kleinen Strafkammer des Landgerichts wirkte der Angeklagte ungewöhnlich nervös und nicht weniger als ihm das Wort erteilt wurde. „Ich habe Angst, meine Existenz zu verlieren. Ich habe richtig Probleme“ und dergleichen, stammelte er. Es folgten Erklärungsversuche, warum er mit seinem „Ex-Mitarbeiter“ im Zwist liegt.

„Das erklärt aber nicht das Fahren ohne Fahrerlaubnis“, betonte der Vorsitzende Richter Joachim Lotz. Seit Oktober 2015, dem letzten Urteil des Amtsgerichts Walsrode, sei er auch nicht mehr gefahren, argumentierte der Angeklagte. Der Vorsitzende staunte: „Aber diese Tat betrifft den 5. Dezember 2015.“

Totale Fälschung vorgelegt

Dann kam zur Sprache, dass der 53-Jährige über seinen scheinbar gutgläubigen Verteidiger ein Attest eingereicht hatte. Der Vorsitzende hatte dieses jedoch als „Totalfälschung“ enttarnt. Vorgetäuscht wurde damit eine stationäre Behandlung wegen eines Krebsleidens im fortgeschrittenen Stadium, Tumore hätten sich bereits gebildet. Von Ende März bis Oktober 2017 sei eine stationäre Behandlung in einer Klinik unverzichtbar.

Der Vorsitzende berichtete, dass man ihm auf Nachfrage in der Praxis erklärt habe, dass der Angeklagte unter den bezeichneten Krankheiten gar nicht leide. „Ihr Schreiben liegt jetzt der Staatsanwaltschaft vor“, merkte Lotz an und ließ auch die Begründung des Angeklagten, dass er das Dokument in „Kurzschlusspanik“ erstellt habe, nicht gelten.

„Und sie wollen, dass ich am Ende sage, ich glaube an das Gute in Ihnen?“, so Lotz. Damit war der Tanz schnell beendet. Der Angeklagte nahm seine Berufung auf Empfehlung des Vorsitzenden zurück. Bis zum Haftantritt bleibt der 53-Jährige auf freiem Fuß.

wb

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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