Keine neuen Bohrungen

Erdgas-Förderung bei Verden: Wintershall Dea bestätigt Rückzug bis 2036

Bis zum Jahr 2036 sollen die Förderanlagen der Wintershall Dea im Landkreis Verden demontiert und die gepachteten Flächen den Landwirten zurückgegeben werden. Das bestätigte ein Sprecher des Unternehmens. Foto: Jens Wenck
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Bis zum Jahr 2036 sollen die Förderanlagen der Wintershall Dea im Landkreis Verden demontiert und die gepachteten Flächen den Landwirten zurückgegeben werden. Das bestätigte ein Sprecher des Unternehmens.

Verden - Erdgasförderer Wintershall Dea wird keine neue Bohrungen im Landkreis Verden ausführen und die Fördermenge weiter reduzieren. Sie liege jetzt schon bei unter 50 Prozent dessen, was vor zehn Jahren noch aus Tiefen von bis zu fünf Kilometern geholt wurde.

Das ist die Kernbotschaft, die der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Dirk Warzecha, dem zweithöchsten Gremium des Landkreises mitgebracht hatte. Der Chef des nach eigenen Angaben in Europa führenden unabhängigen Gas- und Ölunternehmens schilderte vor dem nichtöffentlich tagenden Kreisausschuss seine Sicht der Dinge. Gleichzeitig bestätigte Warzecha der politischen Spitze des Landkreises den geplanten Ausstiegstermin im Jahr 2036. „Es war ein konstruktives und problembewusstes Gespräch“, sagt Landrat Peter Bohlmann (SPD) auf Nachfrage.

Breiten Raum nahm das Thema Erdbeben ein. Er gehe davon aus, erklärte Warzecha, das Phänomen sei in Zukunft nicht auszuschließen, es bestehe aber nicht die Gefahr, dass es die Intensität der beiden Erdstöße aus dem vergangenen November erreiche. „Strukturelle Schäden an Gebäuden sind nicht zu erwarten“, sagte Warzecha. Er beziehe sich auf Berechnungen universitärer Forschungsprojekte und Gutachten. Unternehmens-Pressesprecher Heinz Oberlach bestätigte diese Aussagen.

Erdbeben bleiben für Kreis Verden ein wichtiges Thema

Die Kreisverwaltung begleitet die Ausführungen mit Skepsis. „Wir werden das mit Argusaugen beobachten“, sagt Landrat Bohlmann: „Schon vor einem halben Jahrzehnt hieß es, sei ein Erdbeben erfolgt, und damals hatte es ein solches gegeben, dann habe sich die Spannung entladen, und es sei nicht mehr mit weiteren Stößen zu rechnen. Diese Aussage hat keine lange Halbwertzeit behalten, wie man jetzt weiß.“ Er kündigte an, die seismografischen Auswertungen des Landesbergbauamtes zum zurückliegenden Erdbeben abzuwarten, und sie in öffentlicher Sitzung vorzustellen.

Auch die Politik bewertet die Aussagen Warzechas mit gemischten Gefühlen. „Uns ist der Zeitraum bis zum endgültigen Ende der Gasförderung im Jahr 2036 viel zu lang“, sagt auf Nachfrage CDU-Fraktionschef Wilhelm Hogrefe. Gleichzeitig unterstütze man die Intension, dass die zuständige Landesbehörde eine abgesicherte Einschätzung hinsichtlich weiterer Erdbebenrisiken vornehme. Hogrefe: „Falls nicht auszuschließen ist, dass sich künftig stärkere Beben im Kreisgebiet einstellen könnten, ist ein zeitnaher Förderstopp unumgänglich.“

Erdgasförderung in Wasserschutzzonen soll bald enden

Speziell unter die Lupe genommen wurde die Erdgasförderung in Wasserschutzzonen. Die Politik hat bereits klare Vorstellungen. Hogrefe: „Hier sollte ein möglichst baldiges Ende erfolgen.“ Derweil bleibe die Verwaltung der bisherigen Linie treu, wie Bohlmann erklärt: „Unsere Skepsis zeigt sich daran, dass der Landkreis bereits Mitte letzten Jahres zwingend eine Umweltverträglichkeitsprüfung für Bohrungen in Wasserschutzgebieten verlangt hatte. Da war die Landesregierung noch auf einem völlig anderen Pfad.“ Auch jetzt werde man die Ereignisse genau im Blick behalten.

Die umstrittenste Fördervariante, das sogenannte Fracking, wird indes nicht weiterverfolgt. Wintershall-Dea-Pressesprecher Heinz Oberlach: „Für uns keine Option. Das Thema ist durch.“

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