Im Bauausschuss sind alle Fraktionen für die Schließung des Bahnübergangs Am Holdorf

Das Ende zeichnet sich ab

Noch gibt es den Bahnübergang in Daverden. Die Anlage ist dringend sanierungsbedürftig. Spätestens auf den zweiten Blick ist die Schrankenanlage und ihr ganzes Drumherum in keinem besonders guten Zustand. Fotos: Wenck

Daverden - Von Jens Wenck. Schön hier. Die Luft ist an diesem Morgen recht lau. Büsche und Bäume haben schon die ersten Knospen. Vögel singen mit Macht auf den Frühling zu. Nicht weit entfernt klopft ein Specht. Was ist das? Weiter weg, Richtung Häsenberg... klingt wie eine Motorsäge. Die Sonne guckt kurz raus und spiegelt sich im Wasser, das sich hier in den Schlaglöchern gesammelt hat. Ein Stück weiter liegen die Reste eines Jägerzauns und gammeln vor sich hin. Unter der verblichenen Aufschrift „Km 95“ hängt ein Schaltkasten mit dem Schild „Außer Betrieb“. Die roten Warnlampen fangen an zu blinken. Die Halbschranken gehen herunter, schon ist der Zug da, nur ein kurzer Güterzug, der ist schnell durch. Die Lampen gehen aus. Ist das das Rost rund um das verlöschende Licht?

Es ist eine Menge Rost – und nur ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Daverdener Bahnübergang Am Holdorf nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist und dringend saniert werden muss. Oder man schließt den Übergang ganz? Dazu gibt es einen Vorschlag der Deutschen Bahn. Über dieses Angebot diskutieren derzeit die politischen Gremien im Flecken.

Der Ortsrat Daverden hat sich dafür ausgesprochen, den Übergang zu behalten. An der Sanierung müsste sich die Gemeinde mit einem Drittel beteiligen. Mindestens 300 000 Euro stehen da als Gemeindeanteil im Raum. Die Bahn hat angeboten, den Seitenweg neben der Bahnlinie Bremen-Hannover für die Landwirtschaft auszubauen, auf eigene Kosten. Der Weg würde im Eigentum der Bahn bleiben, der Übergang Am Holdorf aber genauso wie die Lärmschutzwand zwischen Daverden und Langwedel geschlossen werden.

„Der Übergang entspricht nicht mehr den Sicherheitsvorschriften. Das ist unstrittig“, erklärte Wolfgang Ewert am Dienstagabend im Bau- und Verkehrsausschuss des Fleckens. Eine Sanierung würde eine Belastung der Gemeinde bedeuten. Wenn man zum Erhalt des Bahnüberganges „Ja“ sage, heiße das auch „Ja“ zur Kostenübernahme. „Wir gehen diesen Weg nicht“, so Ewert für die SPD.

Am Morgen nach der Bauausschusssitzung kommt eine Reiterin mit ihrem Pferd über den Bahnübergang. „Schreiben Sie einen Artikel? Das ist gut. Bitte offenlassen.“ Sie reitet hier immer ihre Tour, erzählt sie. Und nutzt den Bahnübergang, um auf der Daverdener Seite in den Wald zu kommen. Die Zählung zur Nutzung des Übergangs, die die Bahn durchgeführt hat, könne nicht stimmen, die sei nicht realistisch. „Das war ein total verregneter Tag.“ Normalerweise würden viel mehr Leute den Übergang benutzen.

Am Abend zuvor hat Andreas Noltemeyer (Gruppe WGL/Noltemeyer) im Bauausschuss erklärt, er habe die Querungszahlen der Bahn mit den Kosten hochgerechnet. Wenn der sanierte Bahnübergang 100 Jahre halten würde, hätte die Gemeinde nach seiner Rechnung 80 Euro pro Querung bezahlt. „Diese Kosten sind nicht zu rechtfertigen.“

„Das ist schon ziemlich viel Geld, das wir da in die Hand nehmen müssten“, befand Marco Bachmann (CDU). „Das ist bei dem Verkehr da nicht zu verantworten.“

„Letztlich sind das doch zwei Sandwege, die dann durch einen superduper Bahnübergang verbunden würden“, meint der Bauausschussvorsitzende Jochen Davids (CDU) noch.

Die Empfehlung des Bauausschusses an den Gemeinderat ist einstimmig: Man will das Angebot der Bahn annehmen und kein Geld in die Sanierung stecken. Die Entscheidung fällt nun am 2. April der Rat ab 19 Uhr in öffentlicher Sitzung.

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