Nachfrage steigt schnell und enorm an

Auf einmal gibt es zu wenig Krippenplätze im Flecken

Die zweite neue Krippe in Daverden ist erst vergangenes Jahr fertig geworden. Die nächste neue Krippe will die Gemeinde im neuen Baugebiet Giersberg-Ost bauen – nur weiß noch niemand, wann das sein wird. Und schon jetzt fehlen Plätze. - Archiv-Foto: Wenck

Langwedel - Von Jens Wenck. Da wähnte man sich in Langwedel selbstbewusst und auch wohl ein bisschen stolz auf der sicheren Seite, zumindest für die nächsten zwei bis drei Jahre, und jetzt das: Im Laufe des Kindergartenjahres 2018/19 fehlen im Flecken bis zu 40 Krippenplätze. Was aber nicht an plötzlich rasant gestiegenen Geburtenzahlen liegt, so Hauptamtsleiter Rolf Korb am Dienstagabend im Jugend-, Sozial- und Sportausschuss.

„Die Nachfrage ist gestiegen. Das war so nicht vorherzusehen“, meinte Korb, der den Politikerinnen und Politikern die zukünftige Belegung der Kindertagesstätten in der Gemeinde zur Kenntnis brachte.

Von ersten Warnzeichen bzw. einer sich abzeichnenden Warteliste hatte Korb den politischen Gremien allerdings schon im Frühjahr berichtet. Jetzt werden rund 30 Eltern, die einen Krippenplatz für ihren Sprössling beantragt haben, aus dem Rathaus eine Absage bekommen. Allerdings erst im Juni – und nicht wie sonst üblich im Mai.

Mit ein Grund dafür ist laut Korb die ganz neue Regelung in Niedersachsen, das jetzt die Eltern von sogenannten „Kann-Kindern“ selbst entscheiden dürfen, ob ihr Nachwuchs schon in die Schule geht oder noch ein Jahr im Kindergarten bleibt. Einige Kinder, mehr als sonst, bleiben nun noch in der Kita. Diese Zahlen habe man relativ spät erhalten, so Korb.

Bewusst ist man sich in Langwedel der Tatsache, dass die Eltern der Ein- bis Dreijährigen ein verbrieftes Recht auf einen Krippenplatz haben. Deswegen hat man im Flecken schon vor Jahren damit begonnen, neue Krippen zu bauen: eine mit zwei Gruppen in Etelsen, eine mit zwei Gruppen in Daverden direkt am Kindergarten, eine weitere Krippe für zwei Gruppen (also 30 Kinder) ist gerade im vergangenen Jahr in Daverden fertig geworden.

Durch weniger Anmeldungen bei den Drei- bis Sechsjährigen könnte man in der Kita Etelsen-Berkels eine gemischte Gruppe und damit acht zusätzliche Krippenplätze anbieten. In Cluvenhagen lässt sich – auch durch weniger Anmeldungen bei den Großen – eine Kindergartengruppe in eine Krippengruppe umwandeln. Das würde 15 zusätzliche Plätze schaffen, braucht aber kleinere Umbauten und zusätzlichen Anschaffungen. Das nötige Personal hat man die Gemeinde schon eingestellt. Nur eine Erzieherin fehlt noch. Im Rathaus ist man aber optimistisch, auch sie noch unter Vertrag nehmen zu können.

Trotz alledem werden aber im Kindergartenjahr 2018/19 etliche Krippenplätze fehlen.

Bei der Suche nach Mitteln und Wegen für neue Plätze, kam man auf die Idee, am Kindergarten Völkersen anzubauen. Eventuell ließe sich dort eine Krippengruppe (also 15 Kinder) unterbringen. Ob das überhaupt geht, ist noch zu untersuchen – und würde selbst im Idealfall einige Zeit dauern.

Suche nach Grundstücken für neue Krippen läuft

Die Verwaltung ist dabei, nach Grundstücken für neue weitere Krippen zu suchen, prüfe ob sich bestehende Gebäude zur Krippe umnutzen ließen. Bislang allerdings erfolglos. „Wir haben in Langwedel ein Problem“, so Rolf Korb. „Wir haben kaum noch eigene Grundstücke. Ohne fremde Grundstückeigentümer werden wir nichts machen können.“ Die müssen auch erst einmal dazu bereit sein, zu verkaufen.

Dann tut sich noch ein weiteres Problem auf, dass eine kurzfristige Schaffung von neuen Krippen verhindert: Alle bis jetzt ins Auge gefassten Grundstücke brauchen eine Bauleitplanung. Heißt: Es müssen Bebauungspläne geändert werden, und das allein dauert schon ein gutes Jahr.

Eine Krippe ist nicht von heute auf morgen gebaut, die neueste in Daverden hat ohne Grundstück übrigens rund 1,5 Millionen Euro gekostet. Seitens der Verwaltung ist „abzusehen, dass kurzfristige Maßnahmen nicht zu realisieren sind“, schreibt Rolf Korb in der Beratungsvorlage.

Im Ausschuss fehlte nicht der Hinweis, dass man vonseiten des Bundes bei der Schaffung des Rechtes auf einen Krippenplatz damit gerechnet wurde, dass etwa 25 Prozent der Eltern bei den Kommunen vorstellig werden würden und noch einmal zehn Prozent bei Tagesmüttern und -vätern. In Langwedel hat man es geschafft, für gut 53 Prozent aller Ein- bis Dreijährigen einen Platz anbieten zu können. Im aktuellen Kindergartenjahr blieben noch zehn Plätze frei. Jetzt ist die Nachfrage sprunghaft gestiegen. Das wird sich laut Frauke Stomberg, Fachberaterin für Kindertagesstätten, auch nicht mehr ändern. „Das ist der gesellschaftliche Wandel.“

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