Eine Liebe, ein Leben mit dem „Waldschlößchen“

Ulla und Wolfgang Gründler haben diamantene Hochzeit

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Auch wenn sie das „Waldschlößchen“ schon vor Jahren abgegeben haben: Selbstverständlich feiern Ulla und Wolfgang Gründler in dem Gasthaus, das fast 100 Jahre ihrer Familie gehörte.

Daverden - Auf 60 glückliche Ehejahre blicken heute Wolfgang und Ulla Gründler zurück. Fast jeder zwischen Etelsen und Langwedel kennt die Beiden, schließlich galt ihre große Leidenschaft dem „Waldschlößchen“, das sie bis 2002 betrieben. Aber wo haben sich Ulla und Wolfgang Gründler eigentlich kennengelernt?

Natürlich im „Waldschlößchen“. Dort gab es Ende der 1950-er bis Mitte der 60-er beliebte sonntägliche Tanzabende. Mit Musik vom automatischen Plattenteller, der Musikbox. Diese Sonntagabende zogen auch Ulla Struhs aus Etelsen an und so dauerte es nicht lange, bis Wolfgang auf seine Ulla aufmerksam wurde.

Wolfgang Gründler wurde am 17. Februar 1934 geboren, Ulla Struhs am 2. November 1940. Als sie sich am 14. Februar 1958 verlobten, war Ulla also noch im Teenageralter von 17 Jahren. Wolfgang Gründler lernte im Bremer Ratskeller als Kellner, Ulla Struhs war Verkäuferin in der Bremer Schlachterei Könecke. Sie waren also beide vom Fach, als sie das „Waldschlößchen“ übernahmen.

Für das Gasthaus erhielt Wilhelm Gründler, Wolfgangs Großvater, 1907 die Schankerlaubnis. Als dieser 1939 starb, erhielt Wolfgangs Vater Georg die Konzession. Gemeinsam mit Ehefrau Betty betrieb Georg das Gasthaus. Georg Gründler fiel 1943 im 2. Weltkrieg, sodass Betty, besser bekannt als „Tante Betty“, die Gastwirtschaft allein führte. Das „Waldschlößchen“ war da schon eine bekannte und beliebte Institution – und blühte noch weiter auf.

Am 8. Mai 1958 schlossen Ulla und Wolfgang vor dem Daverdener Standesbeamten Hinrich Gätje den Bund für Leben, am 9. Mai traute Pastor Victor Kühn das Paar. Vor der Kirche wartete schon der festlich geschmückte Wagen, mit dem es zum „Waldschlößchen“ ging – und Schornsteinfeger Kalli Scheele, der viel Glück wünschte.

Mit 150 Gästen wurde die Hochzeit ausgiebig gefeiert. Tante Betty hatte noch das Regiment und bewirtete die Gäste vorbildlich. „Sieben Personen – ein Huhn“, so wurde damals gerechnet. Die Hochzeitsreise ging an die Weser bei Rinteln.

Am 20. September 1958 kam Tochter Birgitt auf die Welt. Am 21. Juni 1962 wurde Sohn Ingo geboren und am 2. August 1967 Tochter Heike. Heute gehören mit Ilka (31), Marco (27) und Marcel (25) drei Großkinder zur Familie.

Der Anfang im „Waldschlößchen“ war für Ulla alles andere als einfach. Der Schwiegermutter war sie einfach noch zu jung und unerfahren. Als Wolfgang Gründler dann später das „Waldschlößchen“ übernahm, wirbelte Ulla in der Küche. Proteststürme beim Publikum gab es, als Gründlers den Montag als freien Tag einführten, das „Waldschlößchen“ also zu blieb. Aber schließlich wollte die junge Familie ja auch einen Tag in der Woche für sich haben.

Allein beim Gasthaus ließ man es nicht bewenden. „Wir haben über 30 Jahre lang auch die Schützenfeste in Cluvenhagen und Daverden als Festwirte organisiert, aber auch Erntefeste.“ Zudem gab es im „Waldschlößchen“ Fremdenbetten. 1962 kam das Gästehaus hinzu, dessen acht Unterkünfte waren heiß begehrt. Auch nachdem das „Waldschlößchen“ 2002 den Besitzer gewechselt hatte, betrieben die Gründlers das Gästehaus noch weiter – bis vor drei Jahren.

In jedem Jahr fuhren die Gründlers nach Grassau im Achental/Chiemgau, hier faszinierte beide die Blasmusik. 51 Jahre lang waren sie treue Gäste in Grassau und als die Blaskapelle des TSV Daverden Jubiläum feierte, kamen die Blasmusiker aus dem Chiemgau nach Daverden. Gemeinsam mit der Trachtengruppe waren sie auch am bayerischen Wochenende in Daverden dabei. „Von der bayerischen Volksmusik sind wir begeistert“, so Ulla Gründler.

Die Schützenvereine haben es Wolfgang Gründler angetan, aber auch die Kyffhäuser-Kameradschaft Daverden, die er lange leitete. Mit großem Erfolg führte er die Doppelkopfturniere im Schützenverein Daverden wieder ein. Gekegelt hat er auf der Kegelbahn im „Waldschlößchen“, Ulla war sogar Sportkeglerin, sorgte mit ihren Häkelsachen aber auch für die Bereicherung vieler Tombolas.

Doch das ist inzwischen Vergangenheit. Seit einem Jahr wohnen sie in Cluvenhagen, aber dicht am „Waldschlößchen“. Und so ganz ohne Hobby geht es nicht. Vor einem Jahr wurde ein Wohnmobil gekauft, natürlich ein Oldtimer. Mit diesem fahren sie zu den Oldie-Treffen, im vergangenen Jahr zu Pfingsten nach Mönchengladbach und in diesem Jahr geht es nach Landsberg am Lech. Auch in Dänemark war man bereits. „Franziskus“ wurde das Gefährt übrigens getauft, auf dem „Ulla und Wolfgang on Tour“ zu lesen ist.

Weil Betty Gründler im Sterben lag, wurde vor zehn Jahren die goldene Hochzeit nicht gefeiert. Das wird jetzt nachgeholt, natürlich im „Waldschlößchen“. 

hu

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