Eine Frau und ihre Widerstandskraft: „Regen auf dem Jakobsweg“

Das zweite Buch von Jutta Winter aus Etelsen

Ihr neues Buch, wieder ein biografischer Roman, ist gerade erschienen: Jutta Winter.
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Ihr neues Buch, wieder ein biografischer Roman, ist gerade erschienen: Jutta Winter.

Jutta Winter aus Etelsen hat ihren zweiten biografischen Roman herausgebracht. Bei „Regen auf dem Jakobsweg“ geht es um die Widerstandskraft einer Frau, die sich gegen alle Härten des Lebens durchsetzen kann - und doch die Hilfe einer Freundin braucht.

Etelsen – Es lässt sich nicht verleugnen: Menschen und ihre ganz persönlichen Geschichten vor dem Hintergrund des Zeitgeschehens haben es Jutta Winter angetan. Wenn sich das noch mit einem Suchtproblem („Ich bin schreibsüchtig. Ich schreibe immer weiter.“) verknüpft: Dann kommen biografische Romane dabei heraus, von der Etelserin ist jetzt das zweite Werk erschienen: „Regen auf dem Jakobsweg“.

So sieht das Cover des neuen Werkes aus.

In ihrem ersten Roman hat sie in „Wir haben es wieder zu etwas gebracht“ die Geschichte ihrer Familie aufgeschrieben. Wenn die zusammensaß und erzählte, war Jutta Winter wie gebannt. Sobald sie im Ruhestand ist, schreibt sie das auf, hatte die Etelserin beschlossen – und es auch getan.

Ihr zweiter Roman hat ebenfalls mit Zuhören zu tun. „Regen auf dem Jakobsweg“ hat Elke Odenwald als Hauptfigur. „Sie gibt es wirklich. Den Nachnamen habe ich aber geändert.“ Elke ist mit ihrer Freundin auf dem berühmten Pilgerpfad unterwegs. Das ist sie nicht nur in dem Roman, das war sie auch in Wirklichkeit, zusammen mit Jutta Winter. Die Autorin kommt als Person nicht vor, die Begleitung hat sie komplett neu erfunden.

Aber sonst sei die Geschichte schon sehr authentisch. „Ich habe gar nicht so viel dazu erfunden und schon mein Tagebuch benutzt.“ Nun sollte die geneigte Leserin oder der geneigte Leser keinen „Ich bin dann mal Weg“-Bericht à la Hape Kerkeling erwarten. „Unser Weg war ganz sicher anders.“ Nämlich versehen mit Unwettern, schlechten und schlecht ausgeschilderten Wegen und anderen Unwägbarkeiten.

Aber auch für Elke Odentals Pilgerweg gilt: Wer so jeden Tag läuft, der geht anders. Die beiden Frauen erzählen viel, bei Elke kommen Kindheitserinnerungen wieder hoch – und die sind alles andere als durchweg heiter, im Gegenteil. „Elke hat mit zwei, drei Jahren schon viel mehr erlebt, als mancher in seinem ganzen Leben.“

Die Familie wird aus den Sudeten vertrieben, der Vater bleibt im Krieg, die Mutter stirbt, Elke landet im Kinderheim eines Klosters.

Die Pädagogik der 40er bis 60er Jahre des vorherigen Jahrhunderts war eine andere als die heute. „Kinder am Tisch, stumm wie ein Fisch“, zitiert Jutta Winter einen Spruch aus dieser Zeit. Der ist aber noch harmlos.

Im Kinderheim der Nonnen gehören für Elke körperliche Züchtigungen und Demütigungen zum Alltag. „Aber Elke ist ein eigensinniges Kind. Das hat sie vielleicht ein bisschen gerettet.“ Erstaunlich genug: Elke behält das Vertrauen zu sich selbst, sogar das Vertrauen in andere Menschen. „Mit 14 kommt sie in ein Mädchenheim in Düsseldorf. Da wird alles anders. Elke wird gefördert, unterstützt.“ Die junge Frau kann sich schulisch freischwimmen, macht später im Beruf ihren Weg.

Doch die Erfahrungen aus Kindheit und Jugend haben Spuren hinterlassen, begleiten Elkes weiteres Leben, bestimmen ihr Verhalten mit, fordern posttraumatisch ihren Tribut. Die Elke von heute hat am damals zu knabbern. „Wie das so ist: Es kommt im Alter vieles hoch“, sagt Jutta Winter.

Der Roman ist in zwei Ebenen gegliedert: 1. Der Jakobsweg, die beiden Frauen und ihre Gespräche, eine wachsende Freundschaft. 2. Elkes Kindheit und Jugend.

Hier ist der Autorin absolut bewusst, dass sie nicht immer leichte Muse abliefert, gar nicht abliefern kann und will. „Es ist schon nicht leicht, mitzuerleben, wie Kinder geschlagen und gedemütigt werden.“

Jutta Winter hat bildende Kunst, Erziehungswissenschaften und Psychologie studiert, weiß mithin also, wovon sie schreibt, in „Regen auf dem Jakobsweg“.

„Resilienz“ ist eigentlich das Thema des Buches, erzählt wird von einer Frau und ihrer Widerstandskraft, ihrer Fähigkeit trotz schlechter Startbedingungen Boden unter die Füße zu bekommen.

Die Heimerziehung im 20. Jahrhundert, hier die Zeit in der 1940er bis 1960er ist für Jutta Winter „noch längst nicht aufgearbeitet“.

Für Interessierte hat sie im Nachwort einen fundierten Überblick über die Heimpädagogik jener Jahre und die Folgen für die Betroffenen zusammengestellt.

Elke helfen die Gespräche auf dem Jakobsweg, sich mit den Traumata aus ihrer Kindheit heilsam auseinanderzusetzen, im Idealfall bietet der Roman so anderen Betroffenen vielleicht ein Stück literarische Lebenshilfe.

Um an dieser Stelle auf die eingangs erwähnte Schreibsucht der Jutta Winter zurückzukommen: Ihr dritter Roman ist quasi fertig.

Es geht darin um die wechselvolle Geschichte der deutsch-dänischen Grenzregion im 19. und 20. Jahrhundert, um die Menschen in dieser Gegend – und eine starke Frau. Das Buch kommt voraussichtlich im kommenden Jahr auf den Markt.

In der Tat hat Jutta schon das nächste Projekt in Arbeit, über Anita Augspurg. „Das ist eine sehr brillante Frau gewesen.“

Die Stadt München vergibt einen Preis im Namen der studierten Juristin, Aktivistin der bürgerlich-radikalen Frauenbewegung und Pazifistin zur Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen. In Verden gibt es einen Anita-Augspurg-Platz, unweit vom Dom zu Ehren der 1857 geborenen Tochter der Stadt. „Aber in Verden kennt man sie nicht wirklich“, glaubt Jutta Winter. Vielleicht kann frau da etwas dran arbeiten. „Aber dieser Tage kommt man in kein Archiv“, bedauert Winter.

Was noch wichtig ist: „Regen auf dem Jakobsweg“ ist als Paperback, 233 Seiten, bei BoD (Books on Demand) erschienen, mit Nummer ISBN Print 978-3-7534-6100-7 überall im Buchhandel (auch online) zu bestellen und kostet 9,50 Euro.

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