„Dorfgeschichte erlebbar machen“

AG „Rundweg“ stellt Route entlang historischer Stätten in Völkersen auf die Beine

+
Die AG „Rundweg“ hat die erste Hinweistafel vor dem Feuerwehrhaus aufgestellt: (von links) Kornelia Gerwien-Siegel, Bijanka Müller, Cornelia Kettenburg, Nils Schorling, Karin Atzpodien, Andreas Noltemeyer und Inge Vogel. Bernd Sackretz, Rainer Labrenz und Volker Wrede fehlen hier.

Völkersen - Von Michael Mix. „Wir müssen die Zukunftsgestaltung des Dorfes selbst in die Hand nehmen“, ist Völkersens Ortsbürgermeister Andreas Noltemeyer überzeugt. Die Schließung von Banken, Gaststätten und Läden entlang der Landstraße in den vergangenen Jahren waren für ihn, aber auch andere der rund 1 500 Einwohner  Alarmsignale.

Das Wegbrechen der Infrastruktur könnte zu einem Ausbluten der lange vitalen Ortschaft führen, befürchtet manch einer. 2017 beteiligte sich Völkersen am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Laut Noltemeyer die Initialzündung für etliche Bürger, die nichts mehr dem Zufall überlassen wollten und den obigen Titel zum Programm erhoben. Der Interessengemeinschaft (IG) „Unser Dorf hat Zukunft“ gehören Vertreter aller örtlichen Vereine an. 

Und die haben sich überlegt, mit welchen Handlungsschritten Völkersen lebenswert(er) gestaltet werden könnte. Die IG oder auch Dorfgemeinschaft, in der die Freiwillige Feuerwehr, der TSV „Eintracht“, Tennisclub, Theaterverein, Schützenverein und der Ortsrat zusammengeschlossen sind, hat sieben Arbeitsgruppen auf die Beine gestellt. Diese kümmern sich um verschiedene Aufgabenfelder. Aktivistin Bijanka Müller zählt sie auf: Wohnen im Alter, Schnelles Internet, Verkehr, Zentraler Dorfplatz für Völkersen, Freizeitanlagen, Erstellen einer neuen Homepage für die Dorfgemeinschaft und Rundwege.

„Ahlers Backhus“ stand einst auf dem Feuerwehrareal.

Der letztere Punkt soll als erstes in die Tat umgesetzt werden. Die AG „Rundweg“ will noch in diesem Sommer die erste von drei geplanten Routen durch Völkersen und seine Umgebung fertigstellen. Die 2004 von einem Arbeitskreis herausgegebene Dorfchronik diente den zehn AG-Mitgliedern dabei als Grundlage. Denn historische Gebäude und Plätze sowie ihre Entwicklung bis in die Gegenwart bilden eine Art Leitplanken für die Wege. „Wir wollen die Dorfchronik lebendig machen“, sagt Inge Vogel. Und dafür haben sie und ihre Mitstreiter sich in den vergangenen Monaten ins Zeug gelegt.

„Der erste Rundweg führt durch den alten Dorfkern“, berichtet Nils Schorling bei einem Pressetermin. Start für die rund drei Kilometer lange Strecke ist an der Schule. Von dort geht es dann weiter über die Rotenburger Straße, Hinterm Damm, Zum Bockhoop, Heideweg, Völkerser Landstraße, Im Neuen Felde, Grüne Straße und wieder die Völkerser Landstraße zum Ausgangspunkt zurück. Auf dem Weg gibt es eine Menge zu entdecken – und zu lesen. Denn entlang der Route werden die lokalhistorisch interessierten Spaziergänger rund 30 Hinweistafeln vorfinden. „Damit wollen wir besondere Örtlichkeiten, wie alte Höfe oder Betriebe, hervorheben“, erläutert Noltemeyer. Die Tafeln sollen „bis vor den Sommerferien“ auf Eichenpfählen oder an Gebäuden angebracht werden. Die „kurzen, prägnanten“ Texte dazu seien bereits geschrieben und auf Datenträgern gespeichert.

Dieses Bauernhaus samt Stall brannte 1941 ab.

Von den ansprechend in Wappenform gestalteten und mit Glas überzogenen Tafeln sind bisher zwei fertig. Eine Legende, die ihren Platz vor dem Feuerwehrhaus hat, erinnert an die dortige ehemalige Hofstelle „Ahlers Backhus“. Die zweite Tafel gegenüber zeigt ein altes bäuerliches Anwesen, das mehrfach durch Brände zerstört wurde. Heute ist Nils Schorling mit seiner Familie auf dem Grundstück zu Hause.

Der Ortsbrandmeister spielte bei der Aktion gerne den Vorreiter. Denn nun soll Tafel um Tafel erstellt werden. „Wir stehen in den Startlöchern, um mit allen 30 Haus- und Grundeigentümern entlang der Strecke die genaue Textfassung abzuklären“, informiert Inge Vogel.

Die rührige AG betreibt bei ihrem Vorhaben viel Eigenleistung. Sie hofft aber auch auf finanzielle Zuschüsse der Gemeinde und eines Geldinstituts. Zudem seien Sponsoren willkommen; Ansprechpartner sind Bijanka Müller, Telefon 0173/6873938, oder Andreas Noltemeyer, Telefon 0172/9704584.

Die beiden anderen Rundwege – „eher Strecken für Radler“ – sollen ins Moor beziehungsweise in den Spanger Forst und entlang der Hünengräber nach Haberloh führen. Müller spricht von „erlebbarer Geschichte. Damit sich auch die Nachfahren ein Bild von Völkersen machen können.“

Die IG „Unser Dorf hat Zukunft“ trifft sich an jedem ersten Freitag im Monat um 19 Uhr im „Grashoffs“. Dazu ist jeder Interessierte willkommen. „Wir würden uns auch über die Mitarbeit von jungen Leuten freuen“, betont Vogel.

Noltemeyer ist indes froh, dass es nun erste Erfolge gibt. „Wir müssen ja auch mal was vorweisen“, merkt er an. „Die Leute wollen Ergebnisse sehen, sonst erlahmt doch das Interesse an unserer Arbeit.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fotostrecke: Werder-Profis verabschieden sich in den Sommerurlaub

Fotostrecke: Werder-Profis verabschieden sich in den Sommerurlaub

100 Liter pro Quadratmeter: Straßen im Süden unter Wasser

100 Liter pro Quadratmeter: Straßen im Süden unter Wasser

Bewertungen beim Onlineshopping nicht blind vertrauen

Bewertungen beim Onlineshopping nicht blind vertrauen

Der Mann mit der roten Kappe: Niki Lauda bleibt unvergessen

Der Mann mit der roten Kappe: Niki Lauda bleibt unvergessen

Meistgelesene Artikel

Bestes Wetter am Flohmarktstand

Bestes Wetter am Flohmarktstand

Hund beißt zehnjähriges Mädchen in Emtinghausen

Hund beißt zehnjähriges Mädchen in Emtinghausen

Überholmanöver endet mit Unfall: Auto touchiert Traktor und kollidiert mit Baum 

Überholmanöver endet mit Unfall: Auto touchiert Traktor und kollidiert mit Baum 

Wie viel Dodenhof steckt noch in der Einkaufsstadt in Posthausen?

Wie viel Dodenhof steckt noch in der Einkaufsstadt in Posthausen?

Kommentare