Auch Schulen im Flecken schalten auf Szenario B / Für viele heißt das: Weitermachen wie gehabt

Die Wechselfälle des Lernens in Langwedel

Ein Tag Schule, ein Tag Homeschooling: Ab sofort treffen Schüler im Landkreis Verden nur jeden zweiten Tag im Klassenzimmer zusammen. Zuvor waren rund 43 Prozent der Schulen ohnehin im Wechselbetrieb.
+
Ein Tag Schule, ein Tag Homeschooling: Ab sofort treffen Schüler im Landkreis Verden nur jeden zweiten Tag im Klassenzimmer zusammen. Zuvor waren rund 43 Prozent der Schulen ohnehin im Wechselbetrieb.

Langwedel – Ab Montag, 23. November, wechseln alle Schulen im Landkreis Verden für zwei Wochen vom täglichen Lernort Schule ins sogenannte Szenario B: halbierte Klassen und verpflichtendes Lernen zu Hause. Das schreibt eine Allgemeinverfügung des Landkreises wegen drastisch gestiegener Infektionszahlen vor. Mit den Gymnasien und den Berufsbildenden Schulen befänden sich bereits rund 43 Prozent aller Schüler des Kreises in diesem Modell, schreibt die Landkreisverwaltung in einer Mitteilung. Auch die vier Grundschulen und die Oberschule in Langwedel müssen sich kaum umstellen. Der überwiegende Teil der Schulen lief schon im Wechselbetrieb. Eine Notwendigkeit, die Vor- und Nachteile birgt. Das ergab eine Umfrage unserer Zeitung bei den Bildungseinrichtungen.

„Wir haben Glück, für uns ist das nahtlos“, sagt Kerstin Burgard. Und das meint die Leiterin der Grundschule Etelsen gar nicht ironisch: „So ein Hin und Her ist für eine Schule das Schlimmste.“ Abgesehen von dem Organisationsaufwand verunsichere es Lehrer und Schüler schlichtweg. Am Montag wäre der zweiwöchige Wechselbetrieb in Etelsen vorbei gewesen. Nun verlängert sich der Zustand um zwei Wochen. Zuvor gab es erst einen Covid-19-Fall an der Schule, ein zweites Kind steckte sich an, daraufhin ging eine Klasse in Quarantäne. „Klar waren es auch volle Klassen“, so Burgard. Letztlich sei dann der Unterricht in Halbgruppen eine Entlastung gewesen.

Das Homeschooling zwei bis dreimal pro Woche stelle Eltern vor ein Betreuungsproblem, darum werde auch die Notbetreuung rege (derzeit 12 bis 14 Kinder) genutzt. Es sei aber absehbar, dass diese Zahl bald steigen werde, so Burgard. Die Schule nehme jeden auf, der Anspruch anmelde, gleichzeitig bemühten sich die Eltern um Betreuungsalternativen: „Dat löpt.“

Diese Sorgen gibt es an der Grundschule Völkersen nicht: Bisher haben Eltern die Notbetreuung gar nicht in Anspruch genommen, sagt Schulleiterin Martina Schwarzenberg. Seit Montag, 16. November, befindet sich eine Klasse in Quarantäne. Weil auch einige Geschwisterkinder seither zu Hause bleiben müssen, sind nun täglich nur 25 Kinder im Präsenzunterricht. „Aus Schulsicht ist das ein gutes und intensives Arbeiten“, sagt Martina Schwarzenberg. „Aber es ist auch eine Umstellung für die Schüler, dass sie im Unterricht wieder darauf achten müssen, anderthalb Meter Abstand zu halten. Das ist nicht mal eben eine Armlänge.“ Viele kennen das zwar aus der Zeit vor den Ferien, dennoch müssten sie es nun wieder von Neuem einüben.

Berit Blottner, Leiterin der Grundschule Langwedel, organisiert die Schule schon zwei Wochen lang mit Halbgruppen und Wechselbetrieb. Grund war ein positiver Fall. „Der Wechselbetrieb hat viele Vorteile, aber auch einige Nachteile“, sagt Blottner. Die kleinen Gruppen ermöglichten ein sehr schülerorientiertes Arbeiten, was gerade schwächeren Schülern eine Hilfe sei. „Gleichzeitig hat es den Nachteil, dass diese Schüler natürlich am nächsten Tag fehlen und im Homeschooling meist nur wenig Hilfe erfahren“, weiß Blottner. Das digitale Homeschooling befinde sich im Aufbau: „Der Schulträger ist mit der Umsetzung der Möglichkeiten beschäftigt, aber vornehmlich haben wir Bücher und Arbeitshefte, in denen die Schüler Aufgaben bearbeiten.“

Schon routiniert ist die Oberschule am Goldbach: Nachdem Schüler und Lehrer im Frühjahr sogar ins Szenario C – Schüler haben komplett zu Hause gelernt – geschickt wurden, gehen sie nun wieder in den Schichtbetrieb. „Aufgrund der hohen Dynamik des Infektionsgeschehens befinden wir uns seit dem 12. November im Szenario B“, verkündet die Bildungseinrichtung auf ihrer Internetseite. „Mit unserem Konzept begegnen wir den komplexen Herausforderungen des Zusammenspiels von Präsenz- und Distanzunterricht und schaffen gemeinsam einen verlässlichen und verbindlichen Rahmen.“ Der Bildungsserver iServ erleichtere das Lernen zu Hause.

Da lassen sich nicht nur viele Dateien ablegen, es gibt Klassenordner und einen Messenger, in dem sich Schüler und Lehrer in Echtzeit eins zu eins oder in Gruppen austauschen können.

Die von der Stiftung Waldheim betriebene Helene-Grulke-Schule hatte laut Rektorin Meike Holsten „bisher keinen einzigen positiven Fall, auch nicht an den Kooperationsstandorten“. Fünf Klassen werden direkt am derzeitigen Sitz in Cluvenhagen unterrichtet, neun weitere sind Kooperationsklassen. hier sind Schüler mit Beeinträchtigungen in Regelschulen im gesamten Landkreis integriert. „Dort sind wir allerdings mitgegangen ins B-Modell“, erzählt Holsten.

Die Notbetreuungskinder werden nicht in einer Gruppe zusammengefasst, sondern in Kleingruppen verteilt. Für das Lernen zu Hause schnüren die Lehrkräfte Päckchen mit Arbeitsmaterialien, Lernspielen und Bildsymbolen, die sie teilweise auch digital verschicken. „Wir können aber an die meisten Schüler nicht einfach einen Link verschicken, sondern es braucht mehr Vorbereitung.“ Im Rahmen des Digitalpakts erhielt die Schule nach den Sommerferien acht Tablets, die aber bisher nur in der Schule Anwendung finden. Für die Schüler sei es eine große Belastung, wenn sie teilweise engste Familienangehörige plötzlich nicht mehr sehen dürften. „Es ist wichtig, dass wir in dieser Situation mit den Kindern ins Gespräch gehen und ihre Sorgen ernst nehmen“, so Holsten.

Von Lisa Duncan

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Lamberts Bay ist mehr als ein Fischerort

Lamberts Bay ist mehr als ein Fischerort

Wie fleischfressende Pflanzen Fleisch fressen

Wie fleischfressende Pflanzen Fleisch fressen

Spektakuläre Grottenschau im Gletschereis der Walliser Alpen

Spektakuläre Grottenschau im Gletschereis der Walliser Alpen

BVB nach Remis gegen Lazio Rom im Achtelfinale

BVB nach Remis gegen Lazio Rom im Achtelfinale

Meistgelesene Artikel

Campingplatz Bollen: Die Idylle ist dahin – Situation eskaliert 

Campingplatz Bollen: Die Idylle ist dahin – Situation eskaliert 

Campingplatz Bollen: Die Idylle ist dahin – Situation eskaliert 
Statt Slalom direkt auf die Autobahn

Statt Slalom direkt auf die Autobahn

Statt Slalom direkt auf die Autobahn
„Vor 2020 wird das nichts“

„Vor 2020 wird das nichts“

„Vor 2020 wird das nichts“
Die Stille des Sees entspannt genießen

Die Stille des Sees entspannt genießen

Die Stille des Sees entspannt genießen

Kommentare