Traditionelles Theater im Langwedeler Häuslingshaus

Ein dicker goldener Zimtstern am Himmel

So, Leonie hat geklingelt, flitzt auf ihren Platz zurück, nun kann es losgehen mit dem Puppentheater im Häuslingshaus. - Fotos: Wenck
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So, Leonie hat geklingelt, flitzt auf ihren Platz zurück, nun kann es losgehen mit dem Puppentheater im Häuslingshaus.

Langwedel - Vor dem Häuslingshaus blitzen die Lichter im Tannenbaum, drinnen ist kuschelig eingeheizt, die Diele ist mit kleinen und großen erwartungsvollen Leute gefüllt. Jetzt könnte es doch eigentlich los gehen, mit dem Theaterstück, dass der Langwedeler Kulturverein traditionell immer ein paar Tage vor Weihnachten anbietet, oder? Nee. Erst muss die kleine Leonie noch mit dem Glöckchen läuten.

„...und sie folgten dem Stern“, heißt die Geschichte, die Christoph Bendikowski mit seinem Ekke Neckepen-theater an diesem späten Nachmittag erzählen wird. „Wer von Euch war denn schon einmal im Theater?“, will Bendikowski von den Kindern wissen. Guck, da gehen sogar ein paar Hände hoch. „Also, wenn die Spieluhr zu spielen anfängt, geht das Stück los.“

„Und wer von den Erwachsenen war schon mal im Theater? Aha. Sie machen bitte die Handys oder zumindest den Klingelton aus.“

So, nun aber. Was jetzt kommt, entpuppt sich als überaus gelungene Mischung aus Erzählung, Schauspiel, Puppentheater, und Musik gibt es auch noch dazu. Zu Bendikowski gehört übrigens ein kleiner Stern. Der kann sprechen. Wenn er will. „Kennst Du den Stern von Bethlehem? Das ist ein Freund von mir.“ Hat der kleine Stern gesagt und seine Version der Weihnachtsgeschichte erzählt, die Bendikowski absolut nicht für sich behalten darf.

Christoph Bendikowski erzählte die Weihnachtsgeschichte aus einer ganz neuen Sicht. Da spielten dann die Freunde Flitzer, Justus und der dicke Bodo eine ganz besondere Rolle.

Natürlich kommt auch hier der Kaiser Augustus vor. „Manche nannten ihn auch den dummen August.“ Was Augustus selber natürlich überhaupt nicht findet. „Ich bin doch nicht blöd!“ Aber zum Zählen nimmt er noch seine Finger... und die der Theaterbesucher noch mit dazu. Reicht trotzdem nicht.

Also müssen wohl andere Leute für den Kaiser zählen, und seinem Volke wird befohlen sich zählen zu lassen. Das gilt auch für drei bitterarmen Freunde: Flitzer, der alten Justus und der dicke Bodo.

Die sehen auf ihrem Zug nach Hause doch tatsächlich den Weihnachtsstern. Der verfressene Bodo allerdings meint: „Ein dicker Zimtstern am Himmel! Ein dicker goldener Zimtstern!“ Das Trio versucht den tollen Stern vom Himmel zu holen, scheitert dabei aber immer wieder - sehr zur Freude des jungen Publikums – mehr lächerlich als jämmerlich.

„Gemein, fies, doof!“ Der Stern von Bethlehem kriegt eine Schimpfkanonade ab, wie er sie noch nie gehört hat. Und was macht er? Beschenkt die drei Freunde , während sie schlafen. Lebkuchen für den dicken Bodo, ein warmes Fell für den frierenden Justus und ein Spielzeugpferd für Flitzer.

Tolle Sache. Kommt da vielleicht noch mehr? Man weiß es nicht, aber man kann ja mal hoffen ... und dem Stern hinterherziehen. Der bleibt dann ausgerechnet an einem jämmerlichen Stall stehen. „Da sind ja Leute drin. Und ein kleines Kind. Ganz nackt. Auf Stroh. Und das bei der Kälte.“ Ach, du liebes Bisschen. Jetzt tauchen auch noch drei Könige auf – und bringen richtig teure Geschenke mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Aber mal ganz ehrlich: Was soll ein kleines Kind damit anfangen? Unsere drei armen Freunde machen ihre Gaben locker. Den Lebkuchen. „Ich hab nur zweimal dran geknabbert und die Mama soll nicht so böse gucken.“ Das warme Fell, was bei der Kälte absolut Sinn macht. Und das Pferdchen aus Holz, weil, Kinder brauchen etwas zum Spielen.

Siehste wohl, das Kind in der Krippe strahlt. Die armen Drei fühlen sich richtig klasse, die Könige sind baff – und bieten den armen Leute ihre Freundschaft nebst lebenslanger Kost und Logis an.

„Ich kannte die Geschichte ja schon“, meinte hinterher Sigrid Ernst vom Langwedeler Kulturverein. Schön und ergreifend war die Geschichte für sie trotzdem wieder. Für alle anderen Theaterbesucher nach dem Applaus zu schließen auch.

„Jetzt kann Weihnachten kommen“, hatte Ernst noch vor dem Stück gesagt und gemeint, dass man jetzt ganz ruhig und entspannt auf das Fest zugehen könne. Na, ja. Bestimmt kommt bei dem einen oder anderen noch mal Stress auf. Aber an diesem einen Nachmittag in Langwedel wurde das Ganze wunderbar entschleunigt. 

 jw

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