Der Archivar im Wohnzimmer

Peter Oppermann kümmert sich um Langwedeler Geschichte

Der Bühnenbau für die MTV-Schauspieler fällt in diesem Corona-Winter aus, also nutzt Peter Oppermann die Zeit, um alte Unterlagen für die Nachwelt zu ordnen. Da tauchen auch Sachen auf wie das 1980 ausgeschnittene Zeitungsfoto (re.) vom Langwedeler Markt mit Peter Oppermann und Fredi Fischer vom Spielmannszug Daverden.
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Bei der Sichtung alter Unterlagen ist auch dieses 1980 ausgeschnittene Zeitungsfoto (re.) vom Langwedeler Markt mit Peter Oppermann (re.) und Fredi Fischer vom Spielmannszug Daverden aufgetaucht.

Langwedel – Geschäftsmann, Historiker, Archivar, Marktmeister, Bühnenbauer und Mitbegründer der Vereinigung der Selbstständigen (VdS), all das verkörpert der Langwedeler Peter Oppermann. Jetzt ist der 80-Jährige dabei, vieles aufzuarbeiten und der nächsten Generation zu hinterlassen.

Geboren wurde Peter Oppermann in Bruchhausen-Vilsen im Mai des Kriegsjahres 1940. Es war mehr oder weniger Zufall, dass seine Eltern 1949 nach Langwedel zogen und das Gemischtwaren Geschäft von Else Sölke an der Großen Straße übernahmen. Heute steht an dieser Stelle das Gebäude, in der sich unter anderem die Firma Philipps befindet.

Nach rund zehn Jahren genügte das alte Geschäftshaus nicht mehr den damaligen Gegebenheiten, es wurde ein neues großes Geschäftshaus gegenüber der damaligen Fabrik von Reiners Tabak (später Mack Druck) gebaut.

Hier beginnt schon eine weitere Geschichte, die Peter Oppermann sehr beschäftigt. Vor dem Bau des neuen Geschäftshauses stand an dessen Stelle das bekannte Gasthaus „Robben Prüser“. Beim Abriss des geschichtsträchtigen Hauses konnte Oppermann diverse Dokumente, Urkunden und Schriftstücke retten. Diese Dokumente mit Beginn 1823 gilt es seit Jahren aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Eigens dafür wurde ein besonderes Buch, DIN A3 mit festem Einband, angeschafft.

Und dann war da noch Peter Oppermann als Marktmeister des Langwedeler Marktes. Zehn Jahre stand er als Verantwortlicher in der Bütt dieses Festes, das heute längst ein Klassiker im Flecken Langwedel ist. Die Idee, einen regelmäßigen Langwedeler Markt zu veranstalten, entstand während der 750-Jahr-Feier des Fleckens 1978.

August Wilkens, Heinrich Osmers, Peter Oppermann, Peter Lange, Johann Cordes und weitere Geschäftsleute entwarfen den wunderbaren Plan und machten den Langwedeler Markt schnell zu einem Publikumsmagneten, der hinter den Kulissen im Laufe der Jahrzehnte reichlich Stoff für Geschichten und Anekdoten lieferte.

Ein Werner Klenke war als Tischler und Bühnenbauer aktiv, Peter Oppermann als Bühnenmaler. Mal abgesehen von dem Aufwand, so ein dreitägiges Fest überhaupt zu organisieren, gab es auch spezielle bauliche Hindernisse zu überwinden. Zum zehnjährigen Bestehen des Marktes gab es eine überdimensionale Torte aus Holz, die mit viel weiblichem Leben gefüllt werden sollte. Dazu gab es eine Stellprobe im damaligen Gasthaus „Zum Goldbach“ (Prüser; heute steht auf dem Grundstück die neue Filiale der Kreissparkasse).

Das Problem: Die Torte passte nicht durch den Saaleingang. Klenke zersägte kurzerhand das gute Stück, das nun durch die Tür ging – und zu Beginn des Marktes wieder zusammengebaut wurde.

Dass dabei auch das eine oder andere Bier getrunken wurde, wollen wir an dieser Stelle nur kurz erwähnen. Obwohl der edle Gerstentrunk in den Anfangsjahren des Marktes durchaus ein ernstes Thema werden konnte, wenn der Alarmruf erscholl: „Das Bier ist aus! Wir brauchen Nachschub!“ So etwas soll vorgekommen sein.

Zurück zum Thema: Das Aufarbeiten der Urkunden und der Dokumente gestaltete sich schon als sehr schwierig. Alles war in kleiner Deutscher Schrift verfasst. Hier half der damalige Rektor der Langwedeler Schule (der an der Langwedeler Bahnhofstraße) Hermann Haar (verstorben 1989). Haar war übrigens auch Langwedels Standesbeamter. In seinem Haus am Moorberg gaben sich heiratswillige Paare bis 1975 das Ja-Wort. Mithilfe von Hermann Haar, der auch noch als Lektor in der Firma Mack Druck tätig war, wurde alles übersetzt und wird jetzt bei Oppermann katalogisiert.

Die große 750-Jahr-Feier Langwedels war auch, wie schon erwähnt, die Geburtsstunde der Vereinigung der Selbstständigen (VdS) in Langwedel. Peter Oppermann war Mitbegründer dieser Vereinigung, die eine Zeitenwende in der Langwedeler Geschäftswelt darstellt. Karl-August Wilkens war laut Oppermann die treibende Kraft in der neuen VdS. Da ging schon mal um 8 Uhr morgens das Telefon, am anderen Ende der Leitung Wilkens mit einer neuen Idee, die aber bitte bis zum Abend um 20 Uhr umgesetzt sein sollte. „Irgendwie wurde das alles geschafft“, so auch der Tenor bei den VdS-Versammlungen, von denen Oppermann unzählige Protokolle und Dokumente hat, die jetzt in seinem Buch Platz finden sollen.

Unbedingt zu erwähnen ist noch der Bühnenbauer Peter Oppermann – ohne den die Theatergruppe des MTV Langwedel in den vergangenen Jahrzehnten nicht denkbar ist. Bereits bei den Auftritten im Gasthaus „Zum Goldbach“ war Oppermann mit dabei. Eine seiner herausragenden Bühnenbauten war für ihn rückblickend die für das Stück „Hafenkneipe“. Ob es bei den Aufführungen selbst oder beim Aufbau der Bühne schon einmal richtiges Bier oder Korn gab? Wer weiß das nach all den Jahren noch so genau.

Nach dem Abriss des Gasthauses am Goldbach zog die in das Gasthaus Klenke (Müllers Gasthaus) am Herrenkamp um. Und auch hier war Peter Oppermann zusammen mit Werner Klenke beim Bühnenbau tätig. Diese Geschichte endet 2020. Werner Klenke starb zu Beginn des Jahres plötzlich und überraschend. Die Corona-Pandemie verhinderte den Langwedeler Markt, ließ im Winter keine Theateraufführungen zu. Für den 80-jährigen Peter Oppermann geht das Arbeitsleben in seinem Wohnzimmer weiter. Urkunden und viele Berichte wollen gesichtet und für die Nachwelt geordnet werden.

Von Waldemar Rohrberg

Peter Oppermann in seinem Wohnzimmer. Hier arbeitet er im Corona-Lockdown daran, alte Unterlagen und Urkunden für die Nachwelt zu erhalten.

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