Friedrich-Ebert-Stiftung lädt zur Diskussion über erneuerbare Energien nach Langwedel ein

„Wo ist denn das Konzept?“

Landrat Peter Bohlmann, Emily Karius (Fridays for Future) und Dörte Liebetruth teilten sich das Podium. Foto: Wenck

Langwedel - Von Jens Wenck. Klimawandel, Energiewende – in diesen Tagen gibt es kein Entkommen in der öffentlichen Diskussion aus diesem Themenkomplex. „Zur Zeit gibt es eine hohe Sensibilität für den Klimaschutz. Die wird es aber nicht immer geben“, meinte Landrat Peter Bohlmann. Er war jetzt von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zur Podiumsdiskussion unter dem Titel „100 Prozent erneuerbare Energien, Niedersachsens Chancen nutzen“ nach Langwedel eingeladen worden. Auf dem Podium außerdem: Emily Karius von Fridays for Future Verden und das SPD-Landtagsmitglied Dörte Liebetruth als Moderatorin. Dr. René Moro von der „100 prozent erneuerbar stiftung“ hatte kurzfristig abgesagt. War das Podium eher spärlich besetzt, so war der Klubraum im Gasthaus mit Publikum gestopft voll.

„Deutschland verfehlt seine eigenen Klimaziele krachend. Der Klimawandel ist längst in Gang“, so Emily Karius, die von der Bundesregierung im Folgenden endlich mehr und schnellere Maßnahmen für mehr erneuerbare Energien, für eine Versorgung aus 100 Prozent erneubare Energien forderte. „Das ist sozial verträglich umzusetzen, das ist machbar. Das Geld ist da.“

Klimaschutz sei auch ein stark kommunales Thema, befand Peter Bohlmann und führte die Bemühungen und Erfolge des Landkreises seit 1996 bei der Ausweisung von Vorranggebieten für Windkraftanlagen an. Allerdings stoße, wer sich um entsprechende Maßnahmen bemühe, auch auf reichlich Widerstand und bürokratische Hindernisse.

Stichwort Kreisbaugesellschaft: „Wir würden liebend gern Fotovoltaik auf den Dächern der Häuser der Kreisbau installieren.“ Macht man aber nicht. Weil man dann seine Einnahmen versteuern müsste – und schon rechnet sich das nicht mehr.

Heute lebt ein Mensch auf mehr als doppelt so viel Wohnraum wie noch 1960, so der Landrat. Das schlägt sich natürlich im Energiebedarf nieder. Wie kriegt man die Menschen aus ihren eigenen Autos in den öffentlichen Personennahverkehr?

Es gibt viel zu tun, viel zu bedenken. „Der Bund muss endlich Planungssicherheit schaffen. Davon sind wir noch weit entfernt. Und die Bundesregierung muss den Bürgern wesentlich mehr erklären, einen besseren Konsens schaffen.“

„Wo ist denn das Konzept der Bundesregierung?“, fragte Eberhard Just aus dem Publikum und meinte ein Konzept, das länger gedacht sei und nicht nur eine „kurzfristige Reaktion auf journalistische Meinung“ sei.

„Die Energiewende kommt nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben“, sagte Völkersens grüner Ortsbürgermeister Andreas Noltemeyer. „Die Preisfrage ist doch: Was können wir jetzt vor Ort machen. Ich habe das Gefühl, wir sind nur von Bedenkenträgern umgeben. Wir müssen mehr machen. Viel, viel aktiver vor Ort sein.“

Bei Neubauten wie der Oberschule in Langwedel tue man ja schon alles Erdenkliche, erklärte Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt. „Wo wir Probleme haben, vielleicht kann uns da ja einer dieser vielen Wissenschaftler helfen, sind die Altgebäude.“ Die seien, nur als Beispiel, ohne zusätzliche Heizung nicht warm zu bekommen. „Es wird nicht einfach und es dauert. Und wir müssen so viele Leute aus der Bevölkerung wie möglich mitnehmen.“

„Die Klimaagentur beim Landkreis, was soll die überhaupt?“, wollte Eberhard Just wissen. „Es wird ein zentraler Kümmerer gebraucht“, so Landrat Bohlmann. Eine Stelle, die die Fördertöpfe für Städte und Gemeinden im Blick hat, die standardisierte Arbeitsweisen schafft und den Blick auch auf Gebiete lenkt, die man vor Ort noch gar nicht im Visier hat.

Und in Niedersachsen? Wie geht es da weiter? Die Fragen gingen an Dörte Liebetruth. Ja, es sei ein Entwurf in der Debatte, dass das Land 2050 nur noch regenerativ unterwegs sein soll. „Zu spät“, kam der knappe Kommentar aus dem Publikum. „Ich wünsche mir, dass der Druck von Fridays for Future bleibt. Dann kommt man schneller voran“, erklärte Dörte Liebetruth.

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