Gemeinde lässt Gutachten für Hähnchenmaststall prüfen

Den Steinbergern stinkt es jetzt schon

In Sicht- und Riechweite einiger Steinberger Anwohner plant ein Etelser Landwirt einen Hähnchenmaststall. Genauer Standort ist „Auf dem Giersberge“ an der Hustedter Straße/Kreisstraße 7, zwischen der Straße Am Hang und der A 27. Zur Erschließung soll die K 7 dienen.
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In Sicht- und Riechweite einiger Steinberger Anwohner plant ein Etelser Landwirt einen Hähnchenmaststall. Genauer Standort ist „Auf dem Giersberge“ an der Hustedter Straße/Kreisstraße 7, zwischen der Straße Am Hang und der A 27. Zur Erschließung soll die K 7 dienen.

Etelsen – Ein Bauvorhaben in Steinberg stößt bei Anwohnern nicht gerade auf Gegenliebe: Einen gewerblichen Hähnchenmaststall mit 29 900 Tierplätzen plant ein Landwirt an der Kreisstraße 7.

  • Ein Bauantrag für einen Hähnchenmaststall in Steinberg steht im Fachausschuss des Fleckens Langwedel auf der Tagesordnung.
  • Anwohner wollen das Bauvorhaben verhindern. Sie sammeln Unterschriften und wollen Einwendungen bei der Baugenehmigungsbehörde des Landkreises Verden einreichen.
  • Der Flecken Langwedel lässt ein Immissionsgutachten ein zweites Mal von einem Sachverständigen prüfen.

Der Bauantrag steht am Donnerstag, 4. März, um 18 Uhr in der gemeinsamen Sitzung des Ortsrates Etelsen sowie des Bau-, Verkehrs- und Friedhofsausschusses in der Oberschule Langwedel auf der Tagesordnung.

Jedoch hat die Gemeinde offenbar wenig Mitspracherecht: Da der Stall an einer Kreisstraße entstehen soll, ist der Landkreis Verden zuständig. „Da sind wir als Gemeinde raus“, sagt Langwedels Bauamtsleiter Bernhard Goldmann. „Wir können keine Massentierhaltung verhindern, sondern nur fragen, ob ein Bauvorhaben Recht und Gesetz entspricht.“

Carsten Kelbling wohnt nach eigenen Angaben in 700 Metern Luftlinie zum geplanten Standort. „Es gibt aber auch Häuser, die nur 350 Meter entfernt liegen.“ Als er mit seiner Familie vor knapp fünf Jahren nach Steinberg zog, wusste er, dass derselbe Landwirt vor zehn Jahren schon einen Bauantrag für einen Hähnchenmaststall mit 100 000 Plätzen gestellt hatte – allerdings erfolglos. Als vor knapp einem Jahr der neue Bauantrag vorlag, überreichte Kelbling gemeinsam mit Mitinitiator Matthias Arend und etwa 20 weiteren Anwohnern, die federführend gegen den Maststall aktiv sind, eine Unterschriftenliste an Bürgermeister Andreas Brandt.

Hauptproblem: Geruchsbelästigung und Verbreitung schädlicher Partikel

Für Matthias Arend besteht das Hauptproblem in der erwartbaren Geruchsbelästigung und der Verbreitung schädlicher Partikel in der Luft: „Ich glaube nicht, dass der Betreiber wirksame Industriefilter einsetzen wird.“ Kelbling ärgert, „dass der Stall gebaut werden kann auf Grundlage eines Gutachtens, das der Antragsteller selbst beauftragt hat“. Er fürchtet auch, dass nur Distanzen und nicht die Windrichtung in dem Immissionsgutachten berücksichtigt werden. Laut Arend wollen die Maststallgegner weitere Unterschriften sammeln, „schnellstmöglich“ Einwendungen beim Landkreis einreichen und parallel einen eigenen Sachverständigen beauftragen. „Wir kämpfen weiter“, sagt Arend, und schließt dabei auch den Rechtsweg nicht aus.

Rot eingezeichnet ist der Hähnchenmaststall im Lageplan zum Bauantrag. Dazu tagt der Ortsrat Etelsen gemeinsam mit dem Bauausschuss am 4. März.

2017 hatte derselbe Antragsteller in der Nähe des Windparks Giersberg einen Hähnchenmastbetrieb mit 29 900 Tieren bauen wollen, holt Bernhard Goldmann aus. Damals hatte die Gemeinde das Bauprojekt schon im Vorfeld beanstandet und so letztlich verhindert. „Das war aber nur möglich, weil es sich um eine Gemeindestraße handelt“, so Goldmann. Da der nun geplante Bau über die Kreisstraße erschlossen werden soll, könne die Gemeinde hier nicht einhaken. Eine andere Möglichkeit der Einflussnahme wären laut Goldmann städtebauliche Belange, also, wenn Gründe im Flächennutzungsplan dem Bau entgegenstünden. Klassische Beispiele – die hier aber nicht zutreffen – wären ein Naturschutz- oder Wohngebiet. Vielmehr sehe der Gesetzgeber solche Bauten im Außenbereich ausdrücklich vor. „In unmittelbarer Nähe steht kein Haus“, so Goldmann.

Gemeinde hat Gutachten auf Plausibilität prüfen lassen

Das jetzige Antragsverfahren läuft seit Ende März 2020. Kurz darauf hatte der Flecken sein Einvernehmen aufgrund der fehlenden Angaben zur verkehrlichen Erschließung sowie zur Abwasserentsorgung versagt. Ein wichtiger Knackpunkt war auch die erwartete Geruchsbelästigung: Die Gemeinde hatte das Immissionsgutachten, das der Antragsteller eingereicht hatte, von einem Sachverständigen auf Plausibilität prüfen lassen.

Die Baugenehmigungsbehörde des Landkreises hat das Immissionsgutachten nun geprüft. „Es musste nachgebessert werden. Das betraf die Berechnungsmethoden des Gutachtens“, sagt Fachbereichsleiter Rolf Thies, und ergänzt: „Wir sehen inhaltlich keine Gründe, die Genehmigung nicht zu erteilen.“ Die Geruchsbeurteilung berücksichtigt laut Thies übrigens nicht nur die Abstände zu Häusern, sondern auch den Einfluss der Windrichtung. „Das kann man errechnen. Es stinkt ja nicht jeden Tag im gleichen Maße.“

Nein hätte nicht einmal aufschiebende Wirkung

Der Landkreis wird nun zwar die Stellungnahme des Fleckens abwarten – grundsätzlich sei das Einvernehmen für Bauvorhaben erforderlich. „Aber wenn keine stichhaltigen Gründe dagegen sprechen, können wir das Einvernehmen ersetzen.“ Heißt: Es geht auch ohne die Zustimmung des Fleckens. Würde der Gemeinderat Nein zu dem Bauvorhaben sagen, hätte dies Thies zufolge nicht einmal aufschiebende Wirkung. „Bei Baufreigabe könnte der Antragsteller sofort anfangen, natürlich auf eigenes Risiko, falls die Genehmigung später doch einkassiert wird.“ Aber: Der Antragsteller habe auch einen gesetzlichen Anspruch darauf, einen Hähnchenmaststall zu bauen, sofern er sich an die rechtlichen Rahmenbedingungen hält.

Der Flecken hat das Immissionsgutachten nun erneut an einen Sachverständigen gegeben und wartet auf das Ergebnis dieser zweiten Prüfung, teilt Bürgermeister Andreas Brandt mit. „Wir sind auf Nummer sicher gegangen. Es ist besser, wenn vier Augen drauf gucken als zwei.“ Die Uhr tickt: Der Landkreis hat der Gemeinde laut Brandt eine Frist bis Mitte März gesetzt, um sich zu äußern. Zwar könne der Landkreis das Einvernehmen ersetzen. „Aber wenn wesentliche Gründe im Gutachten gegen das Bauvorhaben sprechen, wird der Landkreis nicht darüber hinweggehen“, ist Brandt überzeugt.

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