Daverdens Diakon Andreas de Vries gibt nach sieben Jahren seinen Dienst auf

„Es ist nichts Altmodisches, mit Gott zu leben“

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Miriam Voigt übernimmt von Andreas de Vries das Amt des Diakons in der Kirchengemeinde Daverden.

Daverden - Von Jens Wenck. Eigentlich sind die Räume unter dem Dach des Daverdener Gemeindehaus das Terrain von Andreas de Vries. Hier finden wesentliche Teile der Jugendarbeit in der ev.-luth. Kirchengemeinde statt, unter der Regie von de Vries. Nun sitzt er da, fühlt sich offensichtlich als quasi Mittelpunkt nicht so ganz wohl – vermutlich auch, weil er erklären soll, warum er nach sieben Jahren als Diakon in der Gemeinde aufhört.

Probleme in der Gemeinde? Gab es nie. „Auf gar keinen Fall“, sagt Andreas de Vries. „Von uns wäre keiner auf die Idee gekommen: Jetzt wird es aber Zeit… Ganz im Gegenteil. Der Schritt kam für viele überraschend“, erklärt Pastor Lars Quittkat für den Kirchenvorstand.

Für de Vries ist es an der Zeit „etwas Neues zu machen, bevor es zu spät ist.“ Noch mit 50 oder 60 Jugenddiakon sein? Für den 46-jährigen Andreas de Vries nicht vorstellbar. Also lieber aufhören, wenn es am Schönsten ist, wenn man noch die Wahl hat.

Außerdem und nicht zu vergessen: Seinen Dienst als Diakon in Daverden versah er auf einer halben Stelle. Finanziert durch die St. Sigismund-Stiftung. Dann ist da noch das zweite berufliche Standbein des Familienvaters mit der Musikschule Con Takte, die de Vries mit gegründet hat, die er leitet. Der Mann ist schließlich nicht nur Diakon, sondern auch Kirchenmusiker für Jazz, Rock und Pop, Lehrer für Klavier und Keyboard und Lehrer für den Bereich „Musik kennt kein Alter“.

Das ist manchmal alles zusammen ganz schön viel und nicht immer mit familienfreundlichen Arbeitszeiten verbunden. Das soll sich in Zukunft ändern. Dabei ist die Musikschule nicht nur eine Option, sondern eine Perspektive, die er zukünftig stärken möchte. „Auch mit Andreas de Vries als Musiklehrer in Daverden.“ Gerne übrigens auch für Erwachsene.

Musikalisch ist auch die neue Diakonin (im Anerkennungsjahr): Miriam Voigt, 23 Jahre jung, in einer Doppelausbildung zur Erzieherin und Gemeindepädagogin. Auch ihr zweites berufliches Standbein wird die Musikschule Con Takte: als Klavierlehrerin und in der musikalischen Früherziehung. „Erst einmal eine Menge Leute kennen lernen“ ist dieser Tage ihre Devise. „Schauen, was für ein Puls schlägt hier eigentlich, von wem und wie stark“, sagt Lars Quittkat.

Und? Die Bilanz von Andreas de Vries als Jugenddiakon? „Bilanz… das ist so ein Börsenbegriff.“ Na, ja. Aber passiert ist in den letzten Jahren schon eine Menge, viel mit Musik. „Das ist für Jugendliche wichtig.“

Ein Feld schaffen, wie ein Gärtner Bedingungen schaffen, wo Wachstum passiert, so hat de Vries seinen Dienst gesehen. „Ich bin keiner, der auf der vorn auf der Bühne steht und alles allein macht.“ Auch nicht beim Jugendgottesdienst „Sonday“ den es viermal im Jahr gibt, mit einer Band, Theater, ganz viel Musik und einer altehrwürdigen Kirche immer voller junger Leute. Wo gibt es das sonst?

Eine Szene schaffen, wo Jugendliche gern in der Kirche sind, für Mitarbeiter eine Situation schaffen, in der sie gern mitarbeiten, zeigen, das Kirche und Gottesdienst etwas Modernes sind, das ist seins. „Dass Leute mitbekommen haben, dass es nichts Altmodisches ist, mit Gott zu leben“, sagt Andreas de Vries.

Miriam Voigt wird an diesem Sonntag in der St. Sigismund Kirche im Gottesdienst von Alt bis Jung (ab 11 Uhr) von der Gemeinde begrüßt. Die Verabschiedung von Andreas de Vries als Daverdener Diakon ist dann für den Gottesdienst am 28. Februar vorgesehen.

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