SERIE: Pastor Büttners Aufzeichnungen1834 BIS 1869 (Teil 19) / Landsknechte und Seeräuber

Als das „Daverdener Thor“ verschwand

Längst säumt die Straße nach Daverden kein uralter Eichenwald mehr – aber immerhin das Bauernholz. Foto: Wenck

Langwedel - Von Harald Gerken. Im Frühjahr 1862 notiert Pastor August Wilhelm Büttner: „Nun ist der Rest des hiesigen Daverdener Holzes östlich von der nach Achim führenden Chaussee und ein Theil westlich von derselben behuf der im Werke befindlichen Verkoppelung hiesiger Feldmark verkauft und abgeschlagen. Dabei ist dann auch die uralte, freilich schon hohle Steineiche, hart rechts am Achimer Wege, vor dem sogenannten Heesen, für 25 Thaler mit verkauft. Sie war ein herrlicher breiter alter Stamm, mit knorrigen Ästen und mochte gegen 400 Jahre alt sein. Sie bildetet zusammen mit einer schräg gegenüber stehenden großen Eiche an der Westseite der Chaussee das sogenannte Daverdener Thor, durch das man, von Achim kommend, einzufahren schien. Hinfort wird Daverden gar kahl und unpoetisch besonders dann erscheinen, wenn an genannter Seite noch mehr alte Eichen fallen werden. (.....) Ich habe, solange ich konnte, dem Abtreiber des Hauptholzes widersprochen. Allein, die Holzinteressenten behaupten, es sei abständig. Während der bald 28 Jahre meines Hierseins wurde Holz in Massen verkauft, wobei ich, dann freilich mit Schmerz, den lagerbuchmäßig mir zustehenden Baumanns-Antheil erhielt.“

Ohne Zweifel hat es in Daverden über Jahrhunderte hinweg große Gebiete mit Eichenwald gegeben, sodass der heutige Eichenbestand oberhalb der Alten Aller (der Bauernwald mit der Freilichtbühne mittendrin) nur noch der klägliche Rest davon ist. Das Fällen des alten Eichenbestandes zog sich erkennbar über eine ganze Generation hin, und als das Daverdener Tor gefällt wurde, gab es die Rodungsaktion bereits seit mehr als 20 Jahren.

Zu dem ursprünglichen Zweck der Waldungen merkt der betroffene Pastor noch an, dass darin einst Hunderte von Schweinen auf die Eichelmast getrieben wurden, und dass 1834 zum letzten Mal Mastung war, und danach mit den Abholzungen begonnen wurde. Somit wird es seither auch keinen Schweinehirten mehr für das Dorf gegeben haben.

„Über die ältere Geschichte des Kirchspiels Daverden Genaues zu erfahren, habe ich mich vergeblich bemüht“, schreibt Pastor Büttner im Sommer 1862. Er ist sich aber sicher, dass „die alten Grundbesitzer der Gemeinde dem alten Sachenstamm“ angehören. Er wiederholt seine bereits früher gemachte Aussage zu den Nachkommen der nach dem 30-jährigen Krieg hier verbliebenen dänischen Landsknechte vom Langwedeler Schloss.

Bei den Namen Hennings, Jacobs, Jansen, Jilkers oder Vendt ist er sich sicher, ebenso bei den bereits ausgestorbenen Familiennamen Ecklefsen und Fahlmann. Ich selber wollte auch den Namen des ehemaligen Sparkassenleiters Skovlund hinzufügen.

Die Reihe der Namen, welchen Büttner sächsischen Ursprung zuordnet, ist lang. Er beginnt mit: „Meyer, Gerken, Bischoff, Beckmann, Rodewold, Rosebrock, Hesse, Schröder, Cordes, Rathjen, Wilkens, Ellmers, Osmers, Rögge, Elfers, Behling, Röge, Gätjen, Kedenburg, Kothe, Badenhop, Eggers, Hauschildt, Lenthe, Röhrs, Otten, Prüser, Clausen, Hävecker, Dörgeloh, Kuhlmann, Stührmann, Mattfeldt, Lange, Klee, Fahrenholz, Lüdemann, Willenbrock, Ahlers, Barning und viele andere.“

Bei dem Namen Gätjen vermutet er, dass sich dieser von Gödeke ableitet. Er stellt die Verbindung zu, Störtebekers „Seeräuber-Kollegen“ Gödecke Michel her und bezieht sich dabei auf vorhandene Literatur.

In der Tat finden wir unter den Gätjen-Vorgängern in Daverdens alten Schatzlisten die Formen Gödeke, Gödke, Gödken.

Den ausgestorbenen und von ihm nachgetrauerten adeligen Familien in der Gemeinde zollt er nach wie vor großen Respekt, nicht zuletzt, weil sie stets der Kirche nahe standen. Er hebt dabei die Clüver hervor, nach denen Cluvenhagen benannt ist. Sie sollen außer Clüversborstel große Besitzungen im Kirchspiel Sottrum gehabt und mit den Verdener Bischöfen oft in Fehde gelegen haben.

Das Clüversche Wappen mit der Bärentatze hat schließlich Eingang in das Achimer Stadtwappen gefunden. Es teilt sich die Fläche des Wappenschildes mit dem senkrecht gestellten Schlüssel des Bremer Erzbischofs. Die vertikale Teilung zeigt links auf rotem Grund den Bremer Schlüssel und rechts auf weißem Grund die Clüversche Bärentatze. Der Schlüssel ist nicht völlig identisch mit dem schräg gestellten Schlüssel auf Bremens amtlichem Wappen, ist aber erkennbar daran angelehnt.

Zu dem drastischen Schwund der adeligen Familien schreibt Pastor Büttner: „Die letzten Adelichen von Cluvenhagen, die von Schulte, sollen dermaßen verarmt sein, daß der Stammhalter im letzten Jahrhundert unterhalb Bremens Hirte gewesen ist.“

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