„Das war nicht das letzte Mal“

Langwedeler helfen im Flutkatastrophengebiet an der Ahr

Die Langwedeler Helfer vor dem schwer beschädigten Hotel „Zum Sänger“ im Ahrtal.
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Die Langwedeler Helfer vor dem schwer beschädigten Hotel „Zum Sänger“ im Ahrtal.

Langwedel – Sie haben es wieder getan. Am vergangenen Wochenende war eine Gruppe von Menschen, fast alles Feuerwehrleute aus dem Flecken Langwedel, erneut an der Ahr, um den Opfern der Flutkatastrophe zu helfen. Wer nach dem Grund sucht, warum die neun Leute ein ganzes Wochenende für andere Menschen hergegeben haben, der muss nur Frank Weiberg zuhören. Am Freitagabend ist die Gruppe losgefahren. Das Autohaus Gohde aus Cluvenhagen hatte kostenlos einen Kleinbus zur Verfügung gestellt, die benachbarte Avia-Tankstelle spendete Benzin. „Ohne die Spender hier, die vielen Privaten, könnten wir so etwas gar nicht machen. Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist unglaublich. Bei mir stand zum Beispiel auch schon jemand mit einem ganzen Karton neuer Arbeitshandschuhe vor der Tür“, erzählt Weiberg.

Um 6 Uhr klingelte am Sonnabend der Wecker, um 7.40 Uhr wurden die Langwedeler Helfer auf teilweise abenteuerlichem Weg durch die Weinberge zum Hotel „Zum Sänger an der Ahr“ gelotst. Zumindest zu dem, was davon übrig ist. Hotel und Restaurant liegen malerisch an einer Biegung der Ahr – was in der Nacht der Flutkatastrophe dramatische Auswirkungen hatte. Autos, ein ganzes Blockheizkraftwerk wurden fortgerissen. Das Hotelgebäude stand inklusive Obergeschoss unter Wasser. „Das ging bis zur Regenrinne.“ Aufs Dach gerettet hatten sich zwölf Menschen und zwei Hunde. Sie wurden von dort durch die Feuerwehrleute vom Löschzug Pleckhausen aus der Verbandsgemeinde Altenkirchen über die Weinberge in Sicherheit gebracht.

Zu dieser Feuerwehr gehört auch Matthias Drees, der vor seinem Umzug Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Riede war. Weiberg und Drees kennen sich aber vor allem über eine Väter-Kind-Freizeit. Wie auch immer, Drees" neue Feuerwehr und die Verbandsgemeinde kümmerten sich um die Unterbringung der Helfer aus Langwedel. „Fantastisch. Und eine super Verpflegung“, findet Weiberg. Die Langwedeler haben übrigens auf Feldbetten geschlafen.

Völlig verwüstet: Das Innere des Hotels „Zum Sänger“, bei dessen Sanierung jetzt auch Langwedeler halfen.

Das Hotel von dessen Dach der Löschzug Pleckhausen die Menschen rettete, war kurz zuvor saniert worden – für die Zeiten und die Besucher nach dem Corona-Lockdown. Nach der Flut standen die Eigentümer vor den Trümmern ihres Lebenswerkes. Und Trümmer gibt es an der Ahr auch einen Monat nach der Flut immer noch. Straßen sind gesperrt, Brücken weggerissen. „Man sieht unglaubliche Bilder. Wie das aussieht, wie das riecht ... das kann kein Fernsehen, keine Zeitung, nichts vermitteln.“

Die Langwedeler reihten sich in die insgesamt 70 Helfer ein, die bei den Aufräumarbeiten am und im Hotel helfen wollten. „Motiviert bis in die Haarspitzen. Wir haben losgelegt wie die Feuerwehr“, berichtet Weiberg und muss ein bisschen lachen. Die Solidarität unter den Menschen im Ahrtal, die Verpflegung der Helfer sind für Frank Weiberg „beeindruckend, fantastisch, unwahrscheinlich gut. Alles durch Freiwillige organisiert.“ Die Helfer kommen von überall her. „Man sieht Fahrzeuge, Nummernschilder aus dem ganzen Land.“ Die Menschen im Katastrophengebiet zeigten sich für die Hilfe von außen unglaublich dankbar. Nach der Arbeit, in Pausen wird über die Flut erzählt. Die Helfer bekommen tragische Geschichten zu hören. „Ich glaube, es tut den Leuten gut, mal darüber reden zu können.“

Die Zerstörungen im Ahrtal sind auch mehr als einen Monat nach der Flutkatastrophe überall zu sehen und zu spüren.

Aber auch die Helfer selbst müssen nach so einem Arbeitstag über das Erlebte miteinander sprechen, berichtet Weiberg. Bevor sie völlig erschöpft einschlafen. „Uns haben alle Knochen wehgetan, an den Händen offene Blasen – aber es war unheimlich befriedigend.“ Und dieses Gefühl wirkt ganz offenkundig weiter nach.

Für Frank Weiberg steht fest: „Wir werden da noch öfter hinfahren. Das war nicht das letzte Mal.“

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