Gedenk-Stele eingeweiht / Freude über würdige Begräbnisstätte

Waldheim Cluvenhagen: „Das Vermissen ist bei uns genauso groß“

Auf dem Friedhof in Etelsen erläuterte unter anderem Andreas Noltemeyer die Anlage der Gedenkstätte.
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Auf dem Friedhof in Etelsen erläuterte unter anderem Andreas Noltemeyer die Anlage der Gedenkstätte.

Etelsen – Tags zuvor sei er noch auf einer Beisetzung eines Bewohners gewesen, erzählt Carl-Georg Issing, Vorstandsmitglied der Stiftung Waldheim. „So viele Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren da.“ Der Einzug in die Kapelle, die Trauerreden, die Beisetzung. „Und so viele Tränen. Der Volksmund sagt: Im Tod sind alle Menschen gleich. Das stimmt. Das Vermissen ist bei uns genauso groß, wie bei anderen Menschen auch. Die Verstorbenen bleiben ein Teil von uns.“

Nun gibt es Bewohnerinnen und Bewohner der Stiftung Waldheim, die sind dort 50, 60 Jahre zuhause. Familienangehörige sterben, gehen im Laufe eines Lebensweges verloren, so Issing. Stirbt so ein Bewohner, dann ist die Stiftung rein rechtlich aus allem raus, sie ist nicht mehr zuständig. Trotzdem kümmert sich das Waldheim um eine würdevolle Beisetzung – die aber in der Vergangenheit auf einem anonymen Gräberfeld auf dem Friedhof in Etelsen erfolgte.

Hat man auch ein Beerdigungsritual im Waldheim entwickelt, das allen Halt und Kraft gibt: So eine völlig anonyme Beisetzung hat Folgen – den Hinterbliebenen, die nicht immer leibliche Angehörige sein müssen, fehlt ohne einen Gedenkstein oder eine Stele ein konkreter Ort zum Trauern. Das ist auch für Menschen mit Behinderung nur schwer, wenn überhaupt zu ertragen.

Auslöser, sich für ein sichtbares, erlebbares Grab einzusetzen, war für Friedhofsgärtner Andreas Noltemeyer schon vor Jahren ein Vorfall, von dem ihm seine Ehefrau Jana Howe berichtete. Sie arbeitet im Waldheim, ein junger Mann mit Gehirntumor stirbt. Seine Gruppe vermisst ihn, möchte zusammen Blumen niederlegen und fährt zum Friedhof. Aber da ist nichts. Nur eine große grüne Fläche. Wo ist das Grab? Wohin mit den Blumen? Wohin mit der Trauer und den vielen Tränen?

So kann das nicht bleiben, auf keinen Fall. Noltemeyer findet mit dem damaligen Vorstandsmitglied des Waldheims Dieter Haase einen ersten Mitstreiter. Aber bis das Ziel erreicht ist, dauert es seine Zeit.

Die Gedenkstätte für Bewohner der Stiftung Waldheim auf dem Friedhof in Etelsen gibt es nun schon einige Zeit. Es gab Beisetzungen, die Namen der Verstorbenen wurden auf einer Stele verewigt. Die Bepflanzung und die Pflege hat Andreas Noltemeyer übernommen und wird das auch weiterhin unentgeltlich tun. Angelegt ist die Gedenkstätte naturnah, insektenfreundlich, was der Besucher vor allem im Sommer hört und sieht.

Der Flecken Langwedel als Eigentümer des Friedhofs, die Kommunalpolitik, haben eine Stelle genehmigt, die näher an den anderen Gräbern, näher an der Kapelle liegt. „Menschen, die ihr Schicksal nicht selbst in der Hand haben, dürfen nicht außen irgendwo am Rand verscharrt werden“, findet Andreas Noltemeyer deutliche Worte. „Wir müssen sie sowieso in unsere Mitte holen. Und wenn es dann erst im Tod ist.“

Den Bau der Holzstele in der Mittel der Ruhegemeinschaft haben Noltemeyer und Dieter Haase koordiniert, die fachmännische Umsetzung geschah in den Waldheim Werkstätten. Den massiven Steinsockel hat der Ottersberger Steinmetz Jens Spieler gearbeitet, für das Waldheim unentgeltlich. Trotzdem gab es noch einige Kosten – die dank einer Spende von Willy Hilling und der Feuerbestattungen Verden gestemmt werden konnten.

Die offizielle Einweihung der Ruhestätte fand verspätet statt. Natürlich wegen der Corona-Pandemie. Aber nun gab es Reden, Kaffee, Kuchen und alkoholfreien Sekt unter einem Pavillon, der neben Ruhe-Gemeinschaftsanlage aufgestellt worden war. Geht das überhaupt? Dürfen die Sektkorken ploppen und die Menschen sogar lachen? „Ich empfinde Freude über so viel Leben. Der Friedhof gehört nicht nur den Toten, sondern auch den Lebenden“, findet Andreas Noltemeyer. „Da soll Platz für die Trauer sein, aber auch für ein Lachen. Das ist für mich gelebte Friedhofskultur.“

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