„Das Tagebuch der Tomma Krull“: Riesiger Andrang bei Präsentation

Wertvolle Erinnerungen

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Mehr als voll war es im Daverdener Küsterhaus, als Harald Gerken „Das Tagebuch der Tomma Krull“ vorstellte.

Daverden - Das kleine Küsterhaus schien aus allen Nähten zu platzen. Sowohl vormittags beim Sektempfang für die diamantenen und goldenen Konfirmanden als auch nachmittags bei der Buchvorstellung mit Harald Gerken und dem „Tagebuch der Tomma Krull“ waren alle Räume voll. Die Vorsitzende des „Vereins für Kultur und Geschichte Daverden“, Theda Henken, freute sich über die tolle Resonanz.

Die Vorstellung des Tagebuchs der Tomma Krull war in jeder Beziehung der Renner. Harald Gerken hatte sich die Mühe gemacht, die kleine und in deutscher Schrift geschriebenen Tagebuchaufzeichnungen der Daverdener Pastorentochter zu entschlüsseln.

Das Ergebnis dieser Arbeit war zunächst in 75 Folgen in dieser Zeitung zu lesen, jetzt liegt es in erweiterter Buchform vor, herausgegeben vom „Verein für Kultur und Geschichte“.

Der Besucheransturm bei der Buchvorstellung war so groß, dass er seine „Powerpoint-Präsentation gleich zweimal geben musste.

Harald Gerken begann seinen Vortrag mit dem legendären Pastor Ernst Christian Krull, der plante, in Daverden ein Haus zu bauen, jedoch vor der Bauausführung und auch vor seiner Pensionierung starb (1872). Das Haus wurde dann von der Tochter Bertha gebaut.

In einem Anbau dieses Hauses wohnt heute Gertrud Abegg-Cordes, eine Urenkelin des legendären Pastors Ernst Christian Krull. Ihre Großmutter Elisabeth, die Schwester der Hausherren Bertha und des Superintendenten Johannes Heinrich Krull, hatte den Pfarrer Adolf Abegg geheiratet.

Gertrud Abegg-Cordes fand vor Jahren in diesem Krullschen Hauses die Aufzeichnungen ihrer Tante Tomma Krull – ein wertvoller Schatz. Lässt sich doch an diesem Tagebuch das Leben ganz normaler Leute in historischer bedeutsamer Zeit nachvollziehen. Abegg-Cordes stellte die Aufzeichnungen über drei Jahre Nachkriegsgeschichte dem ehemaligen Daverdener Harald Gerken zur Verfügung, unter anderem ein engagierter Heimatforscher.

Zwischen den Tagebuch-Einträgen Tomma Krulls vom 3. März 1945 und dem 20. Juni 1948 liegen genau 1.266 Tage, die Harald Gerken akribisch aufgearbeitet hat.

Sein Buch hat er auch mit Fotos angereichert, die älteren Daverdener erkannten teilweise schon verschwundene Gebäude wieder, konnten sich natürlich an die Geschichten erinnern. Wie etwa die Winter- und Frühjahrshochwasser der ersten Nachkriegsjahre. Gelächter kam auf, als Gerken einen alten Volksempfänger zeigte: eine „Göbbelsschnauze“.

Care-Pakete waren ebenso Thema wie der Mangel an Schuhen und der Tante-Emma-Laden, den damals die Flüchtlingsfamilie Lerbs betrieb. An das Absuchen der Kartoffelkäfer erinnerte sich noch mancher Besucher aus seiner eigenen Kindheit, ebenso an das Einfahren des Getreides und das Dreschen, aber auch an den Tabakanbau im Moor.

Tomma Krull hatte auch beschrieben, wie sie und andere Daverdener im Moor Torf als Brennstoff für die kalten Winter gewannen.

Harald Gerkens Auseinandersetzung mit den Tagebuchaufzeichnungen endeten im Juni 1948 mit dem Ende der „Zigarettenwährung“ und der Einführung der Deutschen Mark.

Nach dem mit viel Beifall bedachten Vortrag fand das Buch einen reißenden Absatz. Wer es jetzt noch erwerben möchte, der wende sich an Harald Gerken in Achim, an die Vereinsvorsitzende Theda Henken oder ihren Kassenwart Manfred Knake.

hu

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